Hundt sieht dringenden Handlungsbedarf
Experten rechnen mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen

Mit den im August im Jahresvergleich erstmals seit Regierungsantritt von Rot-Grün gestiegenen Arbeitslosenzahlen deutet sich ein Trend für die kommenden Monate an. Davon gehen führende Wirtschaftsinstitute in ersten Reaktionen auf die am Mittwoch veröffentlichten Arbeitsmarktdaten aus.

ddp BERLIN. Nach Ansicht von Wolfgang Meister, Arbeitsmarktexperte beim Münchner Ifo-Institut , werden die Arbeitslosenzahlen bis Jahresende saisonbereinigt leicht zunehmen. Der Arbeitsmarktexperte begründete dies auf Anfrage der Wirtschaftsnachrichtenagentur vwd mit der schwachen konjunkturellen Entwicklung, die sich mit Verzögerung auf den Arbeitsmarkt auswirke. Mit einem Aufschwung der Konjunktur und damit auch einer Belebung des Arbeitsmarktes könne erst im kommenden Jahr gerechnet werden.

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) geht davon aus, dass die Erwerbslosenzahlen im zweiten Halbjahr die Vorjahreswerte überschreiten werden. "Diese Tendenz wird sich fortsetzen", sagte Udo Ludwig, Leiter der Konjunkturabteilung des IWH. Frühestens im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres könne sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt aufhellen, vorausgesetzt die für 2002 erwartete konjunkturelle Besserung trete tatsächlich ein.

Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) sieht in dem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar einen "kleinen Lichtblick". Dies sei aber vor allem auf das frühere Ferienende zurück zu führen, sagte Eckardt Wohlers vom HWWA.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht angesichts des "desolaten Zustands auf dem Arbeitsmarkt" dringenden Handlungsbedarf. Die Bundesregierung habe geradezu fahrlässig die dringend notwendigen Reformen verschleppt oder erst gar nicht in Angriff genommen, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Berlin. Die jüngsten Arbeitslosenzahlen seien eine deutliche Warnung, die Hände nicht länger in den Schoß zu legen. Hundt forderte die Bundesregierung auf, alle Hebel zur Belebung der Beschäftigung und der Konjunktur in Gang zu setzen. Gebraucht würden sinkende Steuer- und Sozialabgaben, eine echte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und Beschäftigungsanreize durch eine wirklich moderne Arbeitsmarktpolitik.

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