Hundt: "Zwickels Vorschlag problematisch"
Zwickel will kurze Laufzeit für nächsten Tarifvertrag

Angesichts der unsicheren Konjunkturentwicklung hat IG-Metall-Chef Klaus Zwickel mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen einen Tarifvertrag mit einer kurzer Laufzeit gefordert. Außerdem will der Gewerkschaftschef mehr Flexibilität im Flächentarifvertrag.

Reuters DÜSSELDORF. Die nächste Verhandlungsrunde sollte auf kurzfristige Einkommenserhöhungen abzielen und die Erwartungen der Beschäftigten nach zwei hervorragenden Jahren für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie befriedigen, sagte Zwickel am Freitag in Düsseldorf. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt reagierte skeptisch auf den Vorstoß.

Zwickel sagte der "Süddeutschen Zeitung" nach einem Vorabbericht: "Ich bin für einen Tarifvertrag mit deutlich weniger als einem Jahr Laufzeit." In Düsseldorf sagte er, danach sollten sich Tarifverhandlungen anschließen, in denen man bereits klarer die konjunkturelle Richtung erkennen und berücksichtigen könnte. Zwickel verwies darauf, dass viele Experten ein Ende der gegenwärtigen gesamtwirtschaftlichen Schwächephase bereits in der zweiten Jahreshälfte 2002 voraussagen.

Arbeitgeberpräsident Hundt sagte nach einem Vorabbericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Samstagausgabe), Zwickels Vorschlag sei äußerst problematisch. Allerdings wolle er die Idee nicht gleich zurückweisen. Grundsätzlich seien längerfristige Tarifverträge besser, weil sie den Betrieben mehr Planungssicherheit geben würden. Hundt plädiere für längerfristige Tarifverträge mit Korrekturfaktoren, um auf die jeweilige ökonomische Situation angemessen reagieren zu können, schreibt der "Kölner Stadt-Anzeiger".

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (Samstagausgabe) setzt sich Zwickel auch dafür ein, dass künftig Lohnerhöhungen auch an den wirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Betriebes gekoppelt werden können. Die Zeitung schreibt, Zwickel habe darauf hingewiesen, dass in Europa außer Deutschland und Österreich in allen Staaten ein bedeutender Teil des Lohns in den Betrieben ausgehandelt werde. "An diesem Trend zur Differenzierung kommen wir immer weniger vorbei." Zwickel sagte nach dem Bericht, weder Arbeitgeber noch Gewerkschaften in Deutschland wollten allerdings Tarifverhandlungen in die Betriebe verlagern. "Deshalb kann ich mit vorstellen, Lohnsteigerungen künftig teilweise variabel zu vereinbaren." Gewerkschaften und Arbeitgeber könnten etwa eine Spanne für Lohnerhöhungen festlegen. Er schränkte ein: "Wir machen das nur, wenn es klare Kriterien für den Unternehmenserfolg gibt."

Der laufende Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie endet im Februar 2002 nach einer Laufzeit von zwei Jahren. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wollte Zwickels Vorschlag am Freitag zunächst nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte aber, generell strebten die Arbeitgeber länger laufende Tarifverträge an. Sie könnten sich aber vorstellen, diese künftig mit der Möglichkeit einer Korrektur auszustatten.

Eine moderate Tarifpolitik wird nach Zwickels Worten aktuell durch die Haltung der Politik erschwert. Ein Bundeskanzler, der das Wort Rezession vermeide und eine Europäische Zentralbank (EZB), die die Zinsen nicht senke, machten es den Gewerkschaften schwer, bei den Beschäftigten für Verständnis für Lohnzurückhaltung zu werben. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte am Mittwoch betont, dass sich Deutschland in keiner Rezession befinde.

Zwickel und andere führende Gewerkschafter hatten am Freitag in Düsseldorf mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über die Konjunktur gesprochen und eine weiteres Treffen des Bündnis für Arbeit noch in diesem Jahr beschlossen.

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