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Hurra! Die Heuschrecken-Kapitalisten kommen!

Frankreich will eine Übernahme von Danone durch Amerikaner verhindern. Deutschland plagt das Gespenst von Heuschrecken-Fonds. Die USA haben Angst, Chinesen könnten eine ihrer Ölfirmen kaufen. Indien hingegen feiert die Übernahme eines Top-Unternehmens wie einen Sieg.

Frankreich will eine Übernahme von Danone durch Amerikaner verhindern. Deutschland plagt das Gespenst von Heuschrecken-Fonds. Die USA haben Angst, Chinesen könnten eine ihrer Ölfirmen kaufen. Indien hingegen feiert die Übernahme eines Top-Unternehmens wie einen Sieg. Oracle legt über 900 Millionen Dollar für die Mehrheit an i-flex hin. Die Firma ist ein führender Hersteller von Banken-Software und eines der seltenen Beispiele für IT-Unternehmen außerhalb der USA und Europa, die mit eigenen Markenprodukten statt mit Auftragsarbeit im Dienst westlicher Konzerne Wellen auf dem Weltmarkt machen. Gegründet wurde es mit Wagniskapital der Citigroup. Oracle sieht i-flex als neue Waffe im Kampf mit SAP um die Marktführerschaft bei Firmen-Software. Dass eine mit Auslandskapital groß gewordene heimische Firma inzwischen auch nur zum Fußsoldat in so einem globalen Waffengang taugt, macht Indiens Medien stolz. Die Übernahme wird allseits als Rittersc hlag des Standorts begrüßt - und das in einem Land, das Direktinvestitionen bis heute skeptisch gegenüber steht. Indien, so die verbreitete Hoffnung, werde in Zukunft einfach neue und größere eigene Softwarefirmen hervorbringen, die vielleicht sogar mit Oracle und SAP mithalten können. Und der i-flex-Deal soll das nötige globale Kapital anziehen helfen. Von so viel Zuversicht in freie Marktkräfte könnten sich die Herren Müntefering und Chirac eine Scheibe abschneiden. Aber politisch scheint es sich in Europa derzeit mehr auszuzahlen, verbreitete Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft anzufachen, anstatt Herausforderungen mit gesundem Selbstvertrauen zu begegnen.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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