Hussein bleibt siegesgewiss: Irak baut vor Bagdad Verteidigungsstellungen aus

Hussein bleibt siegesgewiss
Irak baut vor Bagdad Verteidigungsstellungen aus

Zur Abwehr der massiv auf Bagdad vorrückenden US-geführten Truppen hat der Irak am Donnerstag seine Stellungen südlich der Hauptstadt verstärkt. Aus US-Militärkreisen verlautete, der Irak konzentriere am Flughafen Bagdads Eliteverbände.

Reuters SÜDLICH VON BAGDAD. Die Menschen in der Stadt erlebten nach einem Bericht eines Reuters-Korrespondenten eine der schwersten Bombennächte seit Beginn des Krieges vor zwei Wochen. "Die ganze Nacht war das Dröhnen der Kampfflugzeuge zu hören", sagte Korrespondent Nadim Ladki. Nahe Kerbela wurden nach US-Angaben ein US-Hubschrauber und im Süden ein Kampfflugzeug abgeschossen. Ungeachtet des Vormarschs der US-Truppen äußerte sich der irakische Präsident Saddam Hussein siegesgewiss. Der Feind werde zurückgeschlagen und aus dem Irak vertrieben, erklärte Saddam. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, es könnten schwere Kampftage bevorstehen.

"Dolch ist auf das Herz das Regimes gerichtet"

Unterstützt durch massive Luftangriffe auf irakische Einheiten hatten sich US-Truppen nach US-Angaben von Süden her bis auf 30 Kilometer Bagdad genähert. Zwei der sechs zum Schutz Bagdads in Stellung gebrachten Divisionen seien bei dem Vorstoß vernichtet worden. Irak hatte dies zurückgewiesen. Aus US-Militärkreisen verlautete, in der Nacht zum Donnerstag seien Einheiten der Republikanischen Garden südlich von Bagdad in Stellung gebracht worden, um den Vormarsch der US-Truppen zu blockieren. Wie viele Soldaten verlegt wurden, sei unklar. US-Truppen nahmen die irakischen Abwehrstellungen mit Raketen unter Beschuss. "Der Dolch ist eindeutig auf das Herz des Bagdader Regimes gerichtet", hatte US-Brigade-General Vincent Brooks zuvor gesagt.

US-Marinesoldaten festigten am Donnerstag ihre Kontrolle über weite Teile der südirakischen Stadt Nassirijah. Die Truppen hielten nun offenbar alle Brücken in der Stadt besetzt, berichtete ein Reuters-Korrespondent. Ein Gebiet im Norden der Stadt schien noch von irakischen Kämpfern gehalten zu werden. Nach Berichten über einen stockenden Vormarsch in den Tagen zuvor hatten am Mittwoch die Meldungen über die Offensive der US-geführten Truppen Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende geweckt. An den Märkten stiegen die Aktienkurse, was sich am Donnerstag in Asien nur zeitweise fortsetze. Der Öl- und Goldpreis gaben jedoch weiter nach.

US-Hubschrauber im Zentralirak abgeschossen

Die US-Luftwaffe erlitt erneut Verluste. Nach Angaben aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums wurde ein Black Hawk Hubschrauber Donnerstagmorgen nahe Kerbala, 80 Kilometer südlich von Bagdad, mit leichten Waffen abgeschossen. Sieben Besatzungsmitglieder seien getötet und vier verletzt worden. Das Central Command der US-Armee in Florida erklärte hingegen, am Mittwochabend sei ein Hubschrauber vom Typ Black Hawk mit sechs Insassen an Bord abgestürzt. Eine Erklärung für die abweichenden Angaben gab es zunächst nicht.

Wie aus US-Verteidigungskreisen weiter verlautete, wurde kurz vor Mitternacht ein Kampfflugzeug vom Typ Hornet abgeschossen. Das Central Command erklärte, das Schicksal des Piloten sei noch ungeklärt. US-Fernsehsender berichteten, die Hornet sei im Süden Irak mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden.

Bei Luftangriffen auf Bagdad wurden nach US-Angaben in der Nacht allein fast 40 Satelliten gesteuerte Bomben auf militärische Lagerstätten im Bezirk Karch abgeworfen. "Das (irakische) Regime, Elite-Sicherheitsorganisationen und möglicherweise die Republikanischen Garden nutzen die Stätten", hieß es in einer Mitteilung des US-Central Command in Katar. Dort werde bedeutendes militärisches Gerät gelagert.

Rumsfeld erwartet schwere Gefechte

Saddam hatte sich zuvor erneut siegesgewiss gezeigt. "Sie werden nicht zulassen, dass sie Bagdad erreichen", hieß es in einem vom staatlichen Fernsehen am Mittwoch zitierten Brief des Präsidenten an seine Nichte. "Sie werden sie verkrüppeln, bis sie in ihre geschlagenen Länder zurückkehren und unser Land dem Volk belassen", fügte er hinzu.

Rumsfeld warnte, angesichts bevorstehender Kämpfe rund um Bagdad stünden "gefährliche Tage" bevor. "Unsere Truppen haben sie am Boden und aus der Luft unter Druck gesetzt", sagte Rumsfeld. "Ich denke aber, dass die Republikanischen Garden, die Bagdad im Moment ziemlich eingekreist haben, wahrscheinlich einige schwere und gefährliche Kampftage bedeuten."

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