Hussein übt sich in der Manipulation der Medien
Journalisten in der Schlacht

Es ist eine veritable Propagandaschlacht, die sich Bagdad und Washington derzeit liefern. Eine Schlacht allerdings, die ohne die hungrige Meute der Journalisten nicht funktionieren würde. Denn die Korrespondenten transportieren nicht nur das fruchtlose Ping-Pong über die Frage, ob und wo im Irak Massenvernichtungswaffen hergestellt werden. Es sind die ausländischen Journalisten, die von beiden Seiten immer wieder instrumentalisiert werden sollen.

So wie vor wenigen Tagen, als der stellvertretende irakische Ministerpräsident Abdul Tawab al-Mullah Huwesch die USA als "Lügner" bezeichnete. Denn die hatten Bagdad vorgeworfen, in einer Fabrik in Taji, rund 25 Kilometer nördlich Bagdads, unerlaubt Waffen herzustellen. Der Vizepremier ließ es sich nicht nehmen, auf einer Pressekonferenz mit großem Knüppel zurückzuschlagen. "Wir werden ihnen etwas lehren, das sie nie mehr vergessen werden", sagte der Minister an die Adresse Washingtons - und lud spontan und zur allgemeinen Freude die weit über 100 anwesenden Korrespondenten ein, vor Ort die amerikanische "Lüge" zu entlarven.

Die Spontaneität war sorgfältig vorbereitet: Schon bald stand ein Bus bereit. Nach einer weiteren halben Stunde waren die Reporter vor Ort in Taji, im staatlichen Betrieb Nassr für mechanische Industrie. Gemeinsam immerhin mit dem irakischen Chef des Waffenkontrollgremiums, General Hossam Amin, wälzte sich der Tross dann durch leere Hallen, in denen verloren ein paar computergesteuerte Fräs- und Gussmaschinen aus deutscher und schweizerischer Herstellung herumstanden. Die wurden von allen Seiten gefilmt und auf ihre Gefährlichkeit hin analysiert. Ein amerikanischer Fernsehreporter in olivgrüner Kampfweste konnte schließlich nicht widerstehen, den Hintergrund der bedrohlichen CNC-Maschine für einen Aufsager zu seinem Bericht zu benutzen. Andere wanderten derweil ratlos und schwitzend die Hallenflure auf und ab.

Und so geht es nun schon seit Wochen und Monaten: Die einen wedeln mit unscharfen Satellitenbildern, die andern kontern mit harmlosen Eindrücken. Die Journalisten machen sich dabei als verkappte Waffeninspekteure wichtig - und schaden eigentlich nur der Sache. Denn die ist viel zu ernst, um zu einer lustigen Medienshow zu verkommen. Aber so lange niemand vom Fach die Vorwürfe prüft, wird es eben so weitergehen. Bis zum bitteren Ende.

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