Hutchison als Risikofaktor
Aktienrückfluss birgt Risiko für T-Aktie

Die nach Einschätzung der meisten Analysten derzeit in der Nähe des fairen Werts gehandelten Aktien der Deutschen Telekom werden auf mittlere Sicht durch ein mögliches Überangebot von T-Aktien an einer deutlichen Kurserholung gehindert. Das aus der vorwiegend mit eigenen Aktien bezahlten VoiceStream-Übernahme stammende Überangebot an Telekom-Aktien wird von Analysten auf mehr als 500 Mill. Aktien oder knapp ein Achtel des gesamten Telekom-Kapitals geschätzt.

Reuters FRANKFURT. 40 % davon könnten von Montag an auf den Markt kommen, nachdem am Samstag eine zwischen der Telekom und ehemaligen VoiceStream- und Powertel-Eigentümer vereinbarte Haltefrist für die Aktien ausläuft. Über die restlichen Aktien können die Telekom-Aktionäre vom 1. Dezember an verfügen.

Ein im Auftrag von Hutchison Whampoa platziertes Telekom-Aktienpaket von rund 36 Mill. T-Aktien hatte Anfang August den Telekom-Kurs um rund ein Drittel auf die tiefste Notierung seit Februar 1998 fallen lassen. Während sich die Analysten einig sind, dass der mögliche Aktienrückfluss ein Risiko für weitere Abschwünge bildet, ist umstritten, wie lange dieses Negativ-Potenzial bestehen könnte.

Einige der Experten befürchten, dass die Unsicherheiten über die möglichen Verkäufer, über den Zeitpunkt und über den Umfang des Aktienrückflusses einer Kurserholung bei den T-Aktien auf längere Sicht entgegenstehen. In der jüngsten Unternehmensanalyse der Investmentbank Daiwa Securities heißt es beispielsweise: "Der potenzielle Aktienrückfluss stellt aus unserer Sicht über die nächsten zwölf Monate das Schlüsselrisiko für die Deutsche Telekom dar - indem die Alteigentümer von VoiceStream, die auf eine Verbesserung der Stimmung gegenüber der Branche setzen, ihre Verkäufe so lange hinausschieben, bis sich der Aktienkurs der Telekom erholt hat." Der Kurs könne sich so lange nicht erholen, "bis es definitive Klarheit über die Abwicklung der Aktienbestände gibt", heißt es weiter.

Keine weiteren Turbulenzen erwartet

Für die nächsten Wochen rechnen Analysten und Fondsmanager zumeist nicht mit dem Verkauf großer Aktienpakete, da der finanzielle Druck bei einigen Großaktionären wie der finnischen Sonera abgenommen habe. Kursstabilisierend könnten sich nun Deckungskäufe auswirken, zumal sich Sonera mit Zustimmung der Telekom unerwartet früh von Anteilen getrennt habe.

"Eine Menge Leute haben die Short-Seite gespielt", sagte ein Aktienhändler. Die in der Hoffnung auf noch tiefere Kurse getätigten Leerverkäufe müssten nun gedeckt werden, so dass das Auslaufen der nächsten Haltefrist keinen großen Effekt mehr haben werde, sagte der Händler. "Für den September rechnen wir nicht mit weiteren Turbulenzen", heißt es auch in einer Studie der Bankgesellschaft Berlin unter Verweis auf derzeit laufende Gespräche der Telekom mit Großaktionären.

Theoretisch sind von Montag an bis zu 209 Mill. Telekom-Aktien frei zum Verkauf, wobei nur wenige Analysten explizite Aussagen darüber machen, wie viele Aktien nach ihrer Meinung tatsächlich in den kommenden Wochen zurückfließen. Die BHF-Bank geht davon aus, dass zwischen 93 und 105 Mill. Aktien nach dem Ablaufen der ersten Frist auf den Markt kommen.

Hutchison als Risikofaktor

Die Führungsspitze der Telekom hatte vor Tagen damit begonnen, mit den Großaktionären Gespräche zu führen, um weitere Paketverkäufe zu verhindern und damit die Gefahr für abermalige Kursrutsche zu bändigen. Nach Angaben von Telekom-Chef Ron Sommer könnten von September an 170 Mill. weitere Telekom-Aktien auf den Markt kommen. Die meisten Großaktionäre hätten jedoch signalisiert, dass sie als langfristige Investoren kein Interesse an eine kurzfristigen Verkauf hätten, sagte Sommer. Analysten bezweifeln jedoch, dass die Telekom das Problem des Aktienrückflusses ganz unter Kontrolle bekommt und rechnen mit weiteren Kursschwankungen.

Als größter Unsicherheitsfaktor gilt bei Analysten Hutchison Whampoa. Nach Einschätzung der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney ist das Verhalten von Hutchison "schwer vorherzusagen". Das Unternehmen wird auch in Telekom-Kreisen als "rücksichtslos" bei der Abwicklung von Geschäften eingeschätzt. Rund 66 Mill. Aktien könnte der Hongkonger Mischkonzern von Montag an verkaufen, die restlichen rund 100 Mill. Papiere von Anfang Dezember an.

Auf Grund der Verschuldung wird auch Sonera von Analysten als "natürlicher Verkäufer" seines kompletten Anteils von noch rund 49 Mill. Telekom-Aktien eingeschätzt. Bei der Telekom hieß es hingegen nach dem ohne Kurseinbußen und in beiderseitigem Einvernehmen abgewickelten Paketverkauf von rund 22 Mill. Aktien: "Sonera hat keinen offenen kurzfristigen Verbindlichkeiten mehr, die durch Aktienverkäufe gedeckt werden müssen.

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