HVB-Aktie weiter auf Talfahrt
Der DAB Bank droht endgültig das Aus

Die Ratingagenturen Moody?s und S & P prüfen eine Herabstufung der Hypo-Vereinsbank. Schlecht sieht es für die Onlinetochter DAB Bank aus, das Ende der Unabhängigkeit ist offenbar besiegelt.

HB/cbu MÜNCHEN. "Wir müssen konsolidieren", betonte der designierte neue Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB), Dieter Rampl, bei seinem ersten öffentlichen Auftritt. Erstes Opfer wird wohl die defizitäre OnlineTochter DAB Bank. Rampl kündigte gestern gegenüber Analysten überraschend die Zerlegung der Direktbank an. Die französische DAB-Tochtergesellschaft Selftrade soll verkauft werden. Das DAB-Geschäft in der Schweiz werde völlig aufgegeben, teilte Rampl mit.

Der Rest der DAB Bank, also in erster Linie das Deutschland-Geschäft, soll nun in den Konzern zurück verlagert werden. Die Eigenständigkeit der seit 1999 am Neuen Markt gelisteten Tochter werde sich nicht aufrecht erhalten lassen, hieß es aus dem Konzern. Die DAB-Bank werde wahrscheinlich zu einem Vertriebskanal degradiert. Geplant ist offenbar aber, den Markennamen "DAB" weiter zu erhalten.

Bei einer Reintegration müssten die freien Aktionäre der DAB Bank abgefunden werden. Derzeit hält die HVB gut 72 % des Instituts, das momentan an der Börse mit insgesamt etwa 275 Mill. Euro bewertet wird. Dem ursprünglich geplanten Voll- oder Teil-Verkauf der DAB Bank werden angesichts der prekären Marktlage unter den Online-Banken nur noch wenig Chancen eingeräumt.

Die HVB will sich auch von DAB-Chef Matthias Kröner trennen, die Verhandlungen laufen. Kröner wehrte sich bisher gegen eine Zerschlagung. Der Ausflug der DAB Bank nach Frankreich kommt sehr teuer: Kröner hatte im Herbst 2000 den französischen Onlinebroker Selftrade im Rahmen eines Aktientausches übernommen. Damals lag der Wert der Transaktion bei über 900 Mill. Euro. Seitdem sind zudem hohe Integrationskosten sowie außerordentliche Abschreibungen angefallen. "Die Strategie der DAB ist nicht aufgegangen", so das ernüchternde Fazit aus dem HVB-Konzern.

Zudem macht die Onlinebank weiter Verluste. Im abgelaufenen dritten Quartal dürfte die DAB nach Angaben aus Bankenkreisen erneut ein Vorsteuerminus von 21 Mill. bis 25 Mill. Euro erwirtschaftet haben. Damit steigt das Minus sogar wieder, denn im 2. Quartal lag der Verlust bei 18,6 Mill. Euro. Insgesamt sind damit in den ersten neun Monaten Vorsteuerverluste von 65 Mill. Euro aufgelaufen. HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler sprach sogar von Belastungen von knapp 90 Mill. Euro. Diese vergrößern die ohnehin hohen Verluste des Geschäftsbereichs "Deutschland", der im abgelaufenen Quartal einen Betriebsverlust von 299 Mill. Euro ausweist.

Die HVB-Aktie war auch gestern weiter unter Druck. Schon am Mittwoch rutschte die Aktie nach den unerwartet schlechten Quartalszahlen um über 14 % ab. Am Donnerstag belasteten negative Berichte der Analysten. Lehman Brothers etwa nahm die HVB von der Empfehlungsliste. Die West LB stufte die Aktie nach unten.

Zudem kündigten die beiden großen Ratingagenturen Moody?s und S & P an, dass eine Herabstufung der HVB geprüft werde. Grund sind die schlechten Quartalszahlen und die hohe Risikovorsorge für das Kreditgeschäft. Ein niedrigeres Rating würde die Refinanzierung des HVB-Konzerns teurer machen und damit ein weiteres Problem für die Bank bedeuten. Im dritten Quartal machte die HVB einen Rekordverlust von 447 Mill. Euro. Die erwartete Risikovorsorge für das Gesamtjahr wurde von 2,5 Mrd. Euro auf 3,3 Mrd. Euro erhöht. Gegenüber Analysten zeigte sich Finanzchef Sprißler gestern zurückhaltend und wollte einen weiteren Anstieg der Risikovorsorge nicht völlig ausschließen.

Quelle: Handelsblatt

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