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HVB kann mit Milliardenspritze rechnen

Der Börsengang der Konzerntochter Bank Austria ist auf einem gutem Weg. Der Verkauf der Vereins und Westbank - bleibt weiterhin offen.

cbu/lip WIEN. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) macht einen großen Schritt, um die Kapitalprobleme in den Griff zu bekommen. Aus dem Teilverkauf der profitablen Österreich-Tochter Bank Austria (BA) kann der Konzern mit einem Erlös von bis zu knapp 1,2 Mrd. Euro rechnen. Das gab der Vorstandschef der BA, Karl Samstag, in Wien bekannt.

Die Preisspanne für die bis zu 38 Mill. Aktien wurde auf 27 bis 31 ¤ festgelegt (Handelsblatt vom 23.6.2003). Das ist weniger als bisher erwartet. Vor wenigen Wochen hatte HVB-Chef Dieter Rampl noch öffentlich von einem Preis zwischen 29 und 34 Euro gesprochen. Die Börse reagierte zunächst enttäuscht, die HVB-Aktie gab um etwa 2 % ab.

BA-Chef Samstag, der bereits Vorgespräche mit Investoren geführt hatte, begründetete die reduzierte Preisspanne nicht. Er sprach lediglich von "einem attraktiven Angebot für alle Anleger". Offenbar wurde die Spanne deshalb niedriger gewählt, um den Erfolg des Börsengangs sicher zu stellen. Letzte Woche hatten Großanleger und Kleinaktionärsvertreter Bescheidenheit angemahnt und einen Preis von 29 Euro gefordert. Wichtig sei, dass der Börsengang umgesetzt wird, da sei es nicht entscheidend, dass die Preisspanne leicht niedriger sei, sagten Analysten. Die BA wird damit mit dem gleichen Marktwert wie der österreichische Konkurrent, die börsennotierte Erste Bank, bewertet.

Das frische Kapital stärkt nicht nur die Kernkapitalquote der Bank Austria (auf 8,3 %), sondern über die Konsolidierung auch die der Mutter HVB. Die Münchener kamen zuletzt auf magere 5,6 % und gerieten deshalb unter den Druck der Ratingagenturen. Ziel Rampls ist es, die Kernkapitalquote bis Ende 2003 auf 7 % zu steigern.

Um die Kapitalprobleme der HVB zu lösen, soll auch die Nürnberger Norisbank verkauft werden. Das Bieterverfahren ist bereits eröffnet. Unsicher ist derzeit noch, was mit der Vereins und Westbank - (V+W) passiert. Doch der Druck, sich auch von dieser Bank zu trennen, dürfte nach einem Erfolg in Wien nachlassen. Als mögliche Käufer wurden hier die Hamburger Sparkasse (Haspa) und Signal Iduna gehandelt. Die Haspa hat jetzt abgewunken. Signal wollte sich nicht äußern. Es besteht laut Unternehmenskreisen weiter Interesse an V+W, um das Institut mit der Donner-Bank zu fusionieren. Der V+W-Verkauf ist indes problematisch. Investoren schrecken nach Informationen des Handelsblatts vor allem wegen des Kreditengagements der Bank beim Hamburger Investor Karl Ehlerding zurück. Ehlerding ist Großaktionär der hochverschuldeten WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG. Auch wenn V+W bei der HVB bleibt, kommt Entlastung auf den Konzern zu. Die HVB erhält 2003 aus Wien 440 Mill. ¤, weil eine 19 %-Beteiligung an der polnischen BPH-PBK-Bank von München nach Wien an die BA geht.

Experten erwarten, dass der größte Börsengang in Europa seit gut einem Jahr nun glatt durchgeht. Das BA-Management unter Führung von Samstag absolviert ab heute eine zweiwöchige Werbetour in Europa und den USA. Angesprochen werden vor allem institutionelle Investoren, die auf Osteuropa setzen. Der endgültige Zuteilungspreis wird am 8. Juli bekannt gegeben, Erstnotiz ist in Wien am 9. Juli. Insgesamt sollen etwa 33 Mill. Aktien verkauft werden, dazu kommt eine Zuteilungsoption ("Greenshoe") von knapp 5 Mill. Aktien. Der BA-Vorstand geht davon aus, dass auch diese Aktien verkauft werden. Am Ende wird die HVB mit 75 % plus einer Aktie an der BA beteiligt sein. Es gebe keine Pläne aus München, weitere Aktien zu verkaufen, betonte Samstag. Die Stillhaltefrist läuft 180 Tage.

Die BA gilt als Perle in der HVB. Während in München 2002 ein Rekordverlust geschrieben wurde, melden die Wiener Gewinne. Zudem ist die BA einer der größten Auslandsbanken in den Wachstumsmärkten in Mittel- und Osteuropa. Hier soll weiter investiert werden.

BA-Vorstand Friedrich Kadrnoska erklärte, derzeit schaue man sich das ungarische Institut Posta-Banka an. Es gehe "um Akquisitionen, die sich in zwei Jahren rechnen", betonte Samstag. Aber ihm sind dabei ohnehin die Hände gebunden. Denn im Emissionsprospekt steht, dass bei möglichen Zukäufen auch die Entwicklung der Kernkapitalquote der HVB berücksichtigt werden muss. Und die lässt derzeit wenig Spielraum.

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