HVB wird auch in Wien notiert
Hypo-Vereinsbank will mit Bank Austria in Europa wachsen

Die Aktionäre der Bank Austria erhalten für ihre Anteile spätestens im ersten Quartal 2001 Aktien der Hypo-Vereinsbank im Verhältnis eins zu eins.

Reuters FRANKFURT. Die Hypo-Vereinsbank AG (HVB) und die Bank Austria AG (BA) erhoffen sich aus ihrem Zusammenschluss vor allem mehr Wachstum in Osteuropa. "Mit der BA kommen wir unserem Ziel der führenden Privatkundenbank in Europa ein gutes Stück näher", sagte HypoVereinsbank-Vorstandschef Albrecht Schmidt am Montag in Frankfurt. BA-Generaldirektor Gerhard Randa bezeichnete die HVB als "Wunschpartner", unterstrich aber, die Bank Austria werde weiterhin eigenständig im Markt auftreten. Synergiepotenzialen von mindestens 500 Mill. Euro (nahezu einer Milliarde DM) stünden einmalige Integrationskosten von rund 350 Mill. Euro gegenüber. Mit einer Bilanzsumme von 643 Mrd. Euro entsteht aus HVB und BA die drittgrößte Bank in Europa.

HVB soll auch in Wien notiert werden

Die Aktionäre der Bank Austria werden am 27. September über die Übernahme abstimmen. Sie sollen spätestens im ersten Quartal 2001 für ihre Anteile Aktien der HypoVereinsbank im Verhältnis eins zu eins erhalten. Die HVB soll dann auch in Wien notiert werden. Der von der Gemeinde Wien kontrollierte BA-Großaktionär Anteilsverwaltung Zentralsparkasse (AVZ) wird mit rund sieben Prozent zweitgrößter Anteilseigner der "neuen" HypoVereinsbank nach der Allianz (14 %). Unklar ist dagegen noch, wie die WestLB reagiert, die nach BA-Angaben mit 7,91 % an der BA beteiligt ist. Randa sagte, WestLB-Chef Friedel Neuber sei am Samstag über die Absichten informiert worden und wolle bis Dienstag im Vorstand darüber beraten. Ein WestLB-Sprecher bekräftigte erneut, die Düsseldorfer Bank wolle ihre Anteile nicht abgeben.

Kursrückgang der HVB auf Grund von Arbitragegeschäften

Für den 34-prozentigen Aufschlag, den die BA-Aktionäre auf den Durchschnittskurs der letzten 30 Tage erhalten, muss die HypoVereinsbank über die nächsten 20 Jahre insgesamt rund drei Mrd. Euro auf den Firmenwert der Bank Austria abschreiben. Dies belastete am Montag nach Händlerangaben auch den Aktienkurs der Münchener. Grundsätzlich seien der Kursrückgang der HVB und der Anstieg von Bank Austria aber auf Arbitragegeschäfte vor dem Hintergrund des Umtauschverhältnisses zurückzuführen. HVB fielen um sechs Prozent auf 63,80 Euro. Dagegen stiegen Bank Austria um sechs Prozent auf 60,95 Euro. Am Donnerstag und Freitag waren beide Aktien kräftig gestiegen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's senkte ihren Ausblick für die HVB auf "negativ" von zuvor "stabil". Das Finanzprofil der BA sei schwächer als das der HVB, außerdem berge der Integrationsprozess Risiken. Auch Moody's setzte das Rating der Münchener Bank auf die Beobachtungsliste.



Bank Austria 3-Monatsverlauf

HVB auf gutem Weg Renditeziele zu erreichen

Bei der kartellrechtlichen Prüfung, die angesichts der Größe beider Banken voraussichtlich von der Europäischen Kommission vorgenommen wird, ist nicht mit größeren Problemen zu rechnen. In EU-Kreisen hieß es, im europäischen Bankensektor gebe es noch Raum für Konsolidierungen.

Nach dem zweiten Quartal 2000 sieht sich die Hypo-Vereinsbank auf gutem Weg, ihre Renditeziele zu erreichen. Das hohe Tempo aus dem ersten Quartal werde sich zwar nicht das ganze Jahr über halten lassen, sagte Vorstandschef Schmidt. Der Vorsteuergewinn stieg in den ersten sechs Monaten auf 1,148 (0,147) Mrd. Euro. Der Gewinn nach Steuern und Fremdanteilen lag mit 623 (86) Mill. Euro ebenfalls deutlich über dem Vorjahr, das noch durch die Immobilien-Altlasten der ehemaligen Hypo-Bank belastet worden war.

Die Bank Austria-Aktie hat am Montag in Wien knapp zehn Prozent höher geschlossen. Am ersten Handelstag seit Bekanntwerden der Übernahme durch die HypoVereinsbank gewann der Wert 9,66 Prozent auf 60,30 Euro. Das Tageshoch hatte über 62 Euro gelegen. Umgesetzt wurden 3,37 Millionen Bank Austria-Aktien.

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