Hydrogele versprechen großes Marktpotenzial
Kunststoffe speichern Flüssigkeiten

Bisher werden Superabsorber vor allem in Babywindeln eingesetzt. Doch die Kunststoffe mit extremer Saugfähigkeit bieten noch viele andere Einsatzmöglichkeiten. Die Palette der möglichen technischen Anwendungen reicht von der Lebensmittelverpackung bis zur Reinigung von Abwässern.

DÜSSELDORF. Neue Kunststoffentwicklungen mit speziellen Eigenschaften erobern die Märkte. Ein großes Potenzial besteht vor allem für Superabsorber, die ein Vielfaches ihres eigenen Gewichtes an wässriger Flüssigkeit aufnehmen und zuverlässig speichern können. Schon seit langem wird diese extreme Saugfähigkeit etwa für Babywindeln genutzt. Doch jetzt werden die Superabsorber auch in zahlreichen technischen Anwendungen eingesetzt.

Bei den High-Tech-Absorbern handelt es sich um ein weißliches Granulat oder Pulver, das in Form und Aussehen einem Waschmittel ähnelt. Bringt man das Material mit Wasser in Kontakt, dann quillt es auf und verwandelt sich in ein Gel. Dabei ziehen Kapillarkräfte Wasser ins Innere. Bis zum Dreihundertfachen des eigenen Trockengewichtes können die auch als Hydrogele bezeichneten Wasserabsorber aufsaugen und dauerhaft speichern, da sie die Flüssigkeit auch unter Druck nicht mehr abgeben.

Zu den wichtigsten Abnehmern bei den technischen Anwendungen zählen heute die Agrartechnik sowie die Kabel- und Verpackungsindustrie. Sie nutzen das Absorbermaterial als Wasserspeicher in Trockengebieten, für selbst dichtende Quelldichtungen in Überseekabeln und als Saugeinlage für Lebensmittelverpackungen.

Die Anwendungsmöglichkeiten der Superabsorber sind aber noch vielfältiger: Durch die Auswahl der Bausteine lassen sich die Geleigenschaften präzise steuern und auf verschiedene Einsatzzwecke hin zuschneiden. So sind spezielle Hydrogele möglich, die auf Reize wie den pH-Wert, die Temperatur oder elektrische Felder durch Quellen oder Schrumpfen reagieren. Dieses Verhalten macht sie zum Beispiel für Anwendungen in der Chemie als selbst steuernde Membranen oder Ventile interessant.

Mit einem weltweiten Produktionsvolumen von rund einer Million Tonnen jährlich sind wasserlösliche Superabsorber schon heute ein gutes Geschäft für die Hersteller. Auf mindestens zwei Milliarden Euro beziffern die Anbieter - angeführt von der Degussa-Tochter Stockhausen und der BASF - den Markt.

"Babywindeln generieren dabei noch immer 80 Prozent des Geschäfts", sagt André Schulz-Diemer, bei der BASF verantwortlich fürs globale Superabsorber-Marketing. Hygieneprodukte für Erwachsene folgen mit deutlichem Abstand und einem Marktanteil von gut zehn Prozent. Technische Anwendungen führen mit einem Anteil von rund zwei Prozent derzeit noch ein Nischendasein. "Künftig wird dieser Bereich aber dank neuer Entwicklungen zweistellig wachsen", sagt Andreas Meinz, bei Stockhausen zuständig für das weltweite Superabsorber-Geschäft.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Institutes für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik "Umsicht" in Oberhausen nutzen die Absorber-Eigenschaft beispielsweise zur Konzeption eines so genannten "Hydrogel-Klärwerks". Hier sollen Prozessabwässer gereinigt werden, wie sie etwa in Lackierereien oder Autowaschstraßen anfallen. Dabei macht man sich die Trenneigenschaft mancher Gele zu Nutze, die Wasser bei niedriger Temperatur aufnehmen und auf höherem Temperaturniveau wieder abgeben können, während größere Moleküle, also auch Schadstoffe, außen vor bleiben.

Ebenfalls der "Umsicht"-Denkfabrik entstammen Hydrogel-Dichtungen, die gegen Lecks im Wasser- oder Fernwärmenetz eingesetzt werden. Dringt Wasser in eine Leitung ein, dann quillt ein mit Polymergranulat gefüllter, wasserdurchlässiger Abdichtschlauch auf und dichtet das Leck zuverlässig binnen Minuten. Der Einbau sei einfach und die nachträgliche Sanierung völlig unproblematisch, versichern die Wissenschaftler.

Andere Produktideen zielen auf die Güllebehandlung, bei der das Gel als Wirkstoffdepot dient, oder den Hochwasserschutz mit schnell aktivierbaren Gelsandsäcken. Sogar mit Hydrogel-Systemen zur Orkanbekämpfung wurde schon experimentiert.

Die Marktführer BASF und Stockhausen erhoffen sich nach eigenen Angaben Wachstumsimpulse von funktionellen Textilien (etwa besonders saugfähiger Kleidung) oder Verfahren zur Entwässerung von Schlämmen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%