Hynix-Aufsichtsrat verweigert Zustimmung zum Verkauf
Hynix-Micron-Deal geplatzt

Der geplante Verkauf der Hynix-Speicher-Chip-Herstellung an den US-Konzern Micron ist vorerst gescheitert. Das Board des südkoreanischen Chip-Herstellers Hynix lehnte am Dienstag den Verkauf großer Teile der Firma an den US-Konkurrenten ab.

Reuters SEOUL. Hynix könne auch allein überleben, wenn sich die Marktbedingungen erst verbessert hätten, teilte das Board in Seoul mit. Dagegen bezweifelten Analysten die Überlebensfähigkeit des koreanischen Unternehmens. Micron zog als Reaktion sein Kaufgebot zurück. Die Nachricht belastete auch zeitweise die Aktien des deutschen Chip-Herstellers Infineon.

Die Pläne der Hynix-Gläubiger, die Speicher-Chip-Herstellung komplett aus dem südkoreanischen Unternehmen auszugliedern, bezeichnete das Board als "problematisch". Hynix-Chef Park Chong Sup bot seinen Rücktritt an, nachdem das Board den Verkauf nach sechsstündigen Beratungen gekippt hatte. Hynix strebe zudem keine weiteren Gespräche mit Micron an, erklärte ein Mitglied des Boards. In Seoul wird nun erwartet, dass die Gläubiger von Hynix, die den Verkauf wollten, ihre Wandelanleihen in Aktien tauschen. Damit könnten sie das bisherige Board auswechseln.

Hynix und Micron hatten nach monatelangen Verhandlungen erst vor kurzem eine Absichtserklärung unterzeichnet. Durch den Kauf wäre Micron vom bislang zweitgrößten Hersteller von Computer-Speicherchips zum weltweiten Branchenführer aufgestiegen und hätte damit Samsung Electronics auf Platz zwei verweisen.

Micron zieht Kaufangebot zurück

Analysten beurteilten die Aussichten für das südkoreanische Unternehmen skeptisch. "Ich glaube nicht, dass die Banken und Nicht-Banken große Lust haben, Hynix - so wie es ist - Geld zu leihen", sagte Brian Hunsaker von Nomura Securities. "Damit ist das langfristige Überleben von Hynix weiter sehr zweifelhaft."

Der amerikanische Chip-Hersteller nahm sein Kaufgebot nach der Ablehnung des Hynix-Boards zurück. "Hynix hat beschlossen, den Restrukturierungsplan der Hynix-Gläubiger nicht zu anzunehmen", teilte das Unternehmen mit. Damit sei das Micron-Kaufgebot erloschen. Micron prüfe nun die Lage, sagte ein Micron-Sprecher. Das US-Unternehmen hatte angeboten, sechs Speicherchip-Betriebe und 15 Prozent des Nichtspeichergeschäfts von Hynix zu übernehmen.

Hynix-Gläubiger hatten Montag noch Verkauf zugestimmt

Am Montag hatten Hynix-Gläubiger den Verkaufsplänen mit einem Volumen von rund drei Milliarden Doller zugestimmt. Während sich wichtige koreanische Regierungsmitglieder und die größten Gläubiger wie die Korea Exchange Bank für den Verkauf ausgesprochen hatten, war das Geschäft bei den Gewerkschaften auf Widerstand gestoßen. Die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter von Hynix hatten angekündigt, das Unternehmen im Falle eines Verkaufs an Micron zu verlassen.

Die Hynix-Aktien stiegen nach Bekanntwerden der Ablehnung durch das Board um 15 Prozent, nachdem sie am Vortag in Erwartungen der Zustimmung der Gläubiger um 15 Prozent an Wert eingebüßt hatten. Die Anleger hatten Verluste aus dem Verkauf befürchtet. Hynix-Aktien verloren zum Handelsschluss in Seoul sechs Prozent auf 955 Won.

Im deutschen Aktienhandel waren die Reaktionen negativ. "Durch den Zusammenschluss sollten Überkapazitäten in der Branche abgebaut werden. Das wird jetzt nicht kommen", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Das werde sich negativ auf die Chip-Preise und die Gewinne der Unternehmen in der Branche auswirken.

Infineon plant kein erneutes Angebot

Der Münchener Infineon-Konzern, weltweit viertgrößter Hersteller von Speicherchips, lehnte einen Kommentar zu den Vorkommnissen ab. Eine Sprecherin betonte jedoch, Infineon werde kein neues Angebot für Hynix vorlegen. Infineon hatte Gespräche über eine mögliche Kooperation mit den Südkoreanern im Februar beendet, weil der Konzern die erwarteten Synergien als zu niedrig und die Risiken als zu hoch bewertet hatte. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, sagte die Sprecherin. Im Dezember waren schon die Verhandlungen von Infineon und Toshiba über eine Kooperation bei Speicherchips gescheitert. Die Infineon-Aktien notierten am Dienstagnachmittag mit 2,4 Prozent im Minus bei 20,21 Euro, während der Deutsche Aktienindex (Dax) mit knapp einem Prozent im Minus lag.

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