Hynix, Micro, Infineon und Co.
Poker am Chipmarkt

Noch stecken die Anbieter von Speicherchips in der schwersten Krise seit langem. Doch die Marktführer nutzen die Lage, um ihre Ausgangsposition für den erhofften Aufschwung zu verbessern.

Die Turbulenzen um die geplante Übernahme von Hynix durch Micron zeigt, dass das Ende der Krise in der Speicherchipsparte noch in weiter Ferne liegt. Bei dem koreanischen Unternehmen haben sich Belegschaft und Management gegen den Deal ausgesprochen und so die Verhandlungen platzen lassen, obwohl die Gläubiger sich schon mit Micron einig waren. Als Folge sind die Chippreise gleich wieder unter drei Dollar gefallen und liegen damit weit unter den 5 Dollar, die allgemein als notwendiger Preis angesehen werden, damit die Anbieter wieder schwarze Zahlen schreiben.

Vorstand und Beschäftigte von Hynix wissen, dass eine Übernahme durch die Amerikaner für viele den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten wird. Denn Micron wird die meisten der technologisch veralteten Fabriken von Hynix schließen, um das Angebot zu verringern und so die Chippreise wieder nach oben zu bringen. In der Branche zweifeln viele ohnehin an der Überlebensfähigkeit von Hynix. Das Unternehmen, immerhin weltweit drittgrößter Anbieter von Speicherchips mit einem Marktanteil von rund 15%, ist mit über 5 Mrd. $ verschuldet und wird seit längerem künstlich am Leben erhalten. Obendrein stehen hohe Investitionen in moderne Fertigungstechnologien an, die kaum alleine finanziert werden können.

Würde Hynix als Anbieter von Dram-Chips ausscheiden, entweder durch Insolvenz oder durch Übernahme, wären nur noch drei große Spieler am Markt: Samsung, Micron und Infineon. Der koreanische Marktführer mit einem Marktanteil von rund 27% gilt allgemein als verantwortlich für den starken Preisverfall. Offensichtlich glauben die Koreaner die weit unter den Fertigungskosten liegenden Preise länger durchhalten zu können als die anderen. Micron hat bereits wesentliche Teile der Produktion von Toshiba übernommen, vor allem eine moderne Fabrik in den USA, und dadurch den Marktanteil erhöht.

Infineon fährt, wohl nicht ganz freiwillig, eine andere Strategie. Nachdem die Übernahme der Toshiba-Aktivitäten nicht geklappt hat und die Verhandlungen mit Hynix wohl nicht sehr ernsthaft waren, sichern sich die Münchener zusätzliche Kapazitäten in Taiwan. Mit Mosel, Winbond und jetzt mit Nanya wurden Abkommen abgeschlossen, die Infineon zusätzliche Absatzkanäle öffnen. Dadurch hat Infineon den Marktanteil nach eigenen Angaben von 14 auf 20% ausgebaut. Dies wird relativ wenig kosten, denn den geplanten Neubau einer Fabrik in Taiwan mit Nanya dürfte Infineon mit der Lieferung seiner modernen 300-Millimeter-Fertigungstechnologie bezahlen.

Alle drei großen Anbieter rüsten sich damit für den erhofften Aufschwung. Kommt er wie erhofft im nächsten Jahr, werden die Preise steigen und die Anbieter können hohe Gewinne einfahren. Wenn nicht, wird eine weitere Bereinigung des Marktes fällig.

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