Hypo-Vereinsbank
Analyse: Der Teufelskreis

Dieter Rampl ist derzeit wahrlich nicht um seine Aufgabe zu beneiden. Der Chef der Münchener Hypo-Vereinsbank hat seinem Konzern eine Radikalkur verordnet, um aus der Krise zu kommen.

Dieter Rampl ist derzeit wahrlich nicht um seine Aufgabe zu beneiden. Der Chef der Münchener Hypo-Vereinsbank hat seinem Konzern eine Radikalkur verordnet, um aus der Krise zu kommen. Es sollen nicht nur erneut 1 000 Stellen gestrichen werden, die Mitarbeiter bei Deutschlands zweitgrößter Bank müssen sich auch auf deutliche Einschnitte bei ihren Gehältern einstellen. Alle Sonderleistungen und Bonuszahlungen werden ausgesetzt. Rampl will bis Jahresende auch erhebliche Teile des Geschäfts verkaufen, abspalten oder aufgeben. Alles steht auf dem Prüfstand, heißt es in der Konzernzentrale.

Der Kurs Rampls - auch intern offenbar nicht unumstritten - birgt große Risiken. Denn der Konzern könnte in einen gefährlichen Teufelskreis geraten. Um an frisches Kapital zu kommen, will Rampl Tochtergesellschaften verkaufen. Angesichts der allgemein schwierigen Marktlage wird er aber - wenn überhaupt - nur profitable Firmen an den Mann bringen können. Gibt er aber jetzt in der Not diese gewinnträchtigen Töchter zu Schleuderpreisen ab, beschneidet er die künftigen Ertragschancen des Konzerns. Es geht an die Substanz, es wird mehr als Tafelsilber losgeschlagen. Das ist bitter, denn ohnehin hat die HVB in den vergangenen Jahren operativ nur wenig verdient. Die Renditeziele wurden mehrmals verfehlt und nach unten revidiert.

So steht die "Ertragsperle" Norisbank in Nürnberg, die mit Privatkundenkrediten gute Gewinne schreibt, auf der Verkaufsliste. Auch die Hamburger Vereins und Westbank, - die bisher als strategisch unverzichtbar galt, soll möglicherweise verkauft werden. Damit würde die HVB-Strategie von der "Bank der Regionen" bereits erste Löcher bekommen. Immerhin gilt es als ausgeschlossen, dass sich die Münchener auch von der Bank Austria in Österreich und den Beteiligungen in Osteuropa trennen. Dann wäre die HVB wieder eine bayerische Regionalbank - die Expansion der vergangenen zehn Jahre von Rampls Vorgänger Albrecht Schmidt wäre grandios gescheitert.

Auch mit Blick auf die Ratingagenturen steht die HVB vor einer Besorgnis erregenden Abwärtsspirale. Das Problem ist hausgemacht, denn die Bank widmete dem Thema "Kernkapitalquote" zu spät die nötige Aufmerksamkeit. Die Kapitalausstattung der HVB war noch nie sehr gut. Und die hohen Verluste zehren weiter an der Kapitalbasis. Sollte nicht bald die Wende geschafft werden, könnte das eine Herabstufung des Ratings nach sich ziehen. Damit würde die Refinanzierung deutlich teurer, der Druck auf die Gewinne stiege, das Rating geriete erneut in Gefahr - und so weiter.

Dass Rampl ungeachtet der Risiken den harten Schrumpfkurs einschlägt, hat einen einfachen Grund: Er hat keine Alternative. Die Lage am Bankenmarkt ist schlecht, das spüren auch Deutsche Bank, Commerz- und Dresdner Bank. Das Standing der HVB an den Kapitalmärkten hat sich verschlechtert. Die Mehrzahl der Analysten rät zum Verkauf der HVB-Aktie. Eine Kapitalerhöhung schließt Rampl deshalb aus.

Hinzu kommt das interne Problem, dass Rampls Vorgänger Schmidt als neuer Aufsichtsratschef genau über die Sanierung wacht. Schmidt, der den Konzern zwölf Jahre führte, könnte als Bremser bei allzu radikalen Einschnitten in sein Erbe auftreten. Das macht Rampls Aufgabe wahrlich nicht einfacher.

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