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Hypo-Vereinsbank braucht jetzt Erfolge

Der Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank (HVB) Albrecht Schmidt findet derzeit wenig Gefallen am Kurschart seines Instituts. Der Aktienkurs hat sich im vergangenen halben Jahr von 60 auf 30 Euro halbiert und erst wieder im Oktober auf knapp 35 Euro erholt.

mwb MÜNCHEN. "Wir liegen unter Buchwert. Wir brauchen mindestens 45 Euro", betonte der Bankchef kürzlich. Gestern gab die Aktie bis zum Mittag um 2 % auf 34,20 Euro nach.

Will Schmidt den Kurs langfristig wieder in die gewünschte Höhe bringen, muss die zweitgrößte Bank in Deutschland vor allem eines: ihre Kosten senken und die Ertragskraft zurück gewinnen. Übernahmegerüchte durch den Großaktionär Münchener Rück sind da nur Strohfeuer, die den Aktienkurs kurzzeitig nach oben treiben. Nach den schwachen Zahlen im dritten Quartal setzten die fundamentalen Unternehmensdaten den Übernahmefantasien rasch ein Ende. Der Kurs brach um 5 % ein. Schlimmeres blieb nur aus, weil die Analysten eh schon mit dem Ergebniseinbruch gerechnet hatten. "Böse Überraschungen sind ausgeblieben", sagt Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin. Das stabilisiere jetzt den Aktienkurs. Aber selbst die angekündigte Schließung von 170 Filialen und der Abbau von weiteren 2 200 Stellen im Inland konnten den Kurs nicht beflügeln. Im Privatkundengeschäft wurde im dritten Quartal kaum Geld verdient.

Die Restrukturierung im Privatkundengeschäft ist nicht die einzige konzerninterne Baustelle. Das Hypothekengeschäft wurde gerade gebündelt, die Integration der Bank Austria läuft noch und die Organisation der Kooperation mit der Münchener Rück steht auch noch nicht - alles Projekte, die die Beschäftigten extrem beanspruchen. Die vergangene Woche bekannt gegebene Zweiteilung des Vorstandes bezeichnete Schmidt als "Schlussstein des Innenausbaus". Das heißt noch längst nicht, dass die anderen Baustellen bald fertig sind.

In die neue Management-Holding als Spitzengremium rücken nur sechs der elf bisherigen Vorstände auf. Zwar befürwortet die Mehrzahl der Analysten die klarere Zuordnung der strategischen Verantwortung. "Das ist ein klarer Schritt nach vorne", sagt Metehan Sen, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim. Doch Skepsis bleibt. Allein durch die neue Struktur gebe es keine neuen Synergien. Das entscheidende sei, dass die Kosten runter und die Erträge nach oben müssen. Allein das Ergebnis zähle.

Schmidt will nach eigener Aussage mit der eindeutigen Zuordnung sicherstellen, dass die gesteckten Ziele

auch erreicht werden. Das zeigt, dass wohl die geplanten Einsparungen durch die Fusion mit der Bank Austria von 1,2 Mrd. Euro stark in Gefahr geraten sind. Sen sieht die Hypo-Vereinsbank noch kritisch und stuft den Wert als "Underperformer" ein, der sich schlechter als der Markt entwickelt. "Erst wenn sich abzeichnet, dass sich die Gesamtkonjunktur wieder ab Mitte nächsten Jahres erholt, werden wir die Einstufung korrigieren."

Beim derzeit niedrigen Aktienkurs sind nur wenige Verkaufsempfehlungen im Markt. Mit großer Spannung warten die Analysten darauf, wie die Kooperation mit der Münchener Rück mit Leben erfüllt wird. Details will die HVB noch vor Weihnachten nennen.

Seit der Übernahme der Dresdener Bank durch den Versicherungsriesen Allianz ist die Gretchenfrage der Allfinanz: Muss ein Versicherungskonzern eine Bank besitzen, um sie als Vertriebsweg zu optimieren? Die Münchner Rück und die HVB versuchen es mit dem Kooperationsmodell. Die Übernahmegerüchte speisen sich vor allem aus der Quelle, dass das Allianz-Modell richtungweisend ist und es nur eine Frage der Zeit ist bis die Münchener Rück nachzieht - allen gegenteiligen Äußerungen der beteiligten Unternehmen zum Trotz.

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