Hypo-Vereinsbank enttäuscht
Befürchtungen um Bankenkrise drücken den Dax

Die jüngsten Quartalszahlen der Hypo-Vereinsbank (HVB) haben Händlern zufolge am Mittwoch die Befürchtungen um eine Bankenkrise in Deutschland neu entfacht. Massive Kursverluste bei den Finanzwerten und nachgebende US-Börsen drückten den Deutsche Aktienindex (Dax) daraufhin zeitweise unter die Marke von 3000 Zählern.

Reuters FRANKFURT. Die HVB hat für das dritte Quartal auf Grund einer stark gestiegenen Risikovorsorge einen deutlich höheren Verlust ausgewiesen als von Analysten erwartet. "Das zeigt, dass die Banken immer noch Probleme haben und es immer noch große Insolvenzrisiken (von Unternehmen) gibt, die die Banken treffen können", sagte der Fondsmanager Jochen Mathee von Invesco Asset Management. Bereits im September hatte die Diskussion um diese Risiken zu heftigen Kursverlusten bei deutschen Finanztiteln geführt. Die Titel von Daimler-Chrysler gaben unterdessen trotz besser als erwartet ausgefallener Geschäftszahlen nach.

Der Dax schloss am Mittwoch 4,5 Prozent tiefer bei 3015,42 Zählern, nachdem er am frühen Abend kurzzeitig unter die Marke von 3000 Punkten gerutscht war. Der Nebenwerte-Index MDax verlor 2,3 Prozent auf 2997,77 Punkte. Am Neuen Markt sank derweil der Auswahlindex Nemax50 um 4,1 Prozent auf 419,41 Zähler. An der Wall Street lag der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 1,3 Prozent im Minus bei 8344 Stellen, während der Nasdaq-Index um 0,1 Prozent auf 1295 Punkte stieg.

Dax-Ralley vorerst beendet

Der Aktienhändler Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse sagte, der Markt befinde sich derzeit in einer Konsolidierungsphase. Er müsse erst einmal die Dax-Gewinne von mehr als 600 Punkten aus den vergangenen zwei Wochen verdauen.

Skeptischer äußerte sich der Finanzmarkt-Analyst Hans-Jörg Naumer von der Fondsgesellschaft DIT. Er rechnet damit, dass die Debatte um die schwache Konjunktur in Deutschland demnächst wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und die Aktien belasten werde. Am Vortag hatten die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum für 2002 und 2003 gesenkt.

HVB bricht nach enttäuschenden Zahlen ein

Die Aktien der HVB schlossen 14,5 Prozent im Minus bei 14,21 Euro. Neben den Banken gaben auch die Versicherer deutlich nach. So verloren die Titel der Münchener Rück nach einer Verkaufsempfehlung der Deutschen Bank 11,2 Prozent auf 127,50 Euro. Der weltgrößte Rückversicherer ist zudem mit 25,7 Prozent an der HVB beteiligt.

Die Papiere von MLP verloren 12,7 Prozent auf 12,70 Euro. "Der Kurs fällt heute, weil der eine oder andere Gewinne mitnimmt", sagte Florian Weber vom Börsenmakler Schnigge. Die offenbar eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Firmengründer und Großaktionär Manfred Lautenschläger wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung spielten dagegen keine Rolle, sagte Weber. Diese Nachricht komme schließlich nicht überraschend.

Daimler überzeugt nicht ganz

Die von Daimler-Chrysler vorgelegten Zahlen wurden von Marktteilnehmern einhellig als gut bezeichnet. "Der Kurs gibt nach, weil Anleger noch bessere Zahlen erwartet hatten", sagte Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank. "Außerdem ist der Ausblick für das Gesamtjahr nicht sehr ehrgeizig", ergänzte ein Händler. Die Daimler-Papiere verbilligten sich um 4,7 Prozent auf 36,90 Euro.

Am Neuen Markt brachen die Aktien von Morphosys und Evotec um jeweils rund 30 Prozent auf 11,20 beziehungsweise 1,97 Euro ein. Morphosys hatte zuvor das Scheitern der Fusionsverhandlungen mit British Biotech bekannt gegeben, während Evotec die Prognosen für 2002 senkte.

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