Hypo-Vereinsbank ist durch Übernahmen und Fusionen stark gewachsen
Bitterer Abgang für Albrecht Schmidt

So hatte sich das Albrecht Schmidt sicher nicht vorgestellt. Auf der nächsten Hauptversammlung der Hypo-Vereinsbank (HVB) am 14. Mai muss sich der langjährige Konzernchef mit schlechten Nachrichten von seinen Aktionären verabschieden: 2002 weist die HVB erstmals einen Verlust aus, die Dividende fällt aus. Das wird genauso für Diskussionen sorgen wie die jetzige Radikalkur unter Schmidts Nachfolger Dieter Rampl.

cbu/mwb MÜNCHEN. Schmidt, der 12 Jahre auf dem Chefposten saß, wechselte Anfang Januar in den Aufsichtsrat und übernahm von Kurt Viermetz den Vorsitz des Kontrollgremiums. Das Vorgehen - Bestellung in den Aufsichtsrat noch bevor die Aktionäre darüber abstimmen können - sorgte zwar für Kritik, war rechtlich aber einwandfrei. Offen ist, wie unabhängig Rampl unter dem "Oberaufseher" Schmidt agieren kann. Der neue Chef bezeichnete jüngst in einem Interview sein Verhältnis zu Schmidt als "ausgesprochen gut und spannungsfrei". Die Beiden kennen sich lange, saßen sieben Jahre gemeinsam im Vorstand. "Sie respektieren sich, aber sie lieben sich nicht", meint ein Kenner der Bank.

Offener Streit zwischen Schmidt und Martini

Schmidt hatte in den vergangenen Jahren eindeutig auf Expansion gesetzt und den Münchener Konzern zu einer der größten Banken Europas gemacht. 1998 fusionierten die beiden bayerischen Regionalinstitute Bayerische Vereinsbank und Hypo-Bank - auch aus Angst vor einer feindlichen Übernahme aus Frankfurt. Die Banken-Ehe wurde zunächst gefeiert. Doch das Glück währte nicht lange. Im Oktober 1998 machte Schmidt ein milliardenschweres Loch beim Fusionspartner Hypo-Bank öffentlich. Es kam zu einem offenen Streit mit dem Ex-Hypo-Bank-Chef Eberhard Martini. Die faulen Immobilienkredite wurden in eine so genanntes "Work- Out"-Portfolio ausgelagert, an dem noch heute gearbeitet wird.

Vereinsbank und Hypo-Bank waren bereits stark im Immobiliengeschäft engagiert, so dass aus der Fusion einer der größten Immobilienfinanzierer Europas entstand. Das rächt sich jetzt in der Konjunkturkrise und bei der Schwäche des Immobilienmarkts, besonders in Ostdeutschland. Rampl will das Geschäft mit gewerblichen Immobilienfianzierungen nun abspalten.

Im Jahr 2000 schlug Schmidt dann erneut zu: Er kaufte die größte österreichische Bank, die Bank Austria Creditanstalt, die auch eine starke Position in Mittel- und Osteuropa hat. Die Integration verlief erfolgreich. Schmidt stieg damit in die europäische Banken-Liga auf: sein strategisch größter Erfolg. Gleichzeitig fädelte Schmidt einen Allfinanzehe mit der Münchener Rück ein, der Versicherer beteiligte sich mit über 25 % an der HVB. Das Verhältnis Schmidts zu Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler gilt als sehr gut.

Hohe Sondergewinne in den vergangenen Jahren

Die Ergebnisentwicklung konnte mit der Expansion nicht Schritt halten. Im Gegenteil: Die HVB geriet immer wieder unter Druck. In den letzten Jahren gab es zudem hohe Sondergewinne etwa durch den Verkauf von Allianz-Aktien und des Vermögensverwalters Foreign & Colonial. Schmidt hatte zunächst als Ziel für 2003 eine Eigenkapital-Rendite von 15 % ausgegeben, dann aber die Mittelfrist-Planung schrittweise auf etwa 10 % reduziert. Auch davon ist die HVB noch weit entfernt. Angesichts des Verlustes für 2002 lag die Eigenkapital-Rentabilität bei zuletzt bei minus 2,3 %. Noch im Juli 2002, als die HVB einen operativen Quartalsverlust meldete, gab sich Schmidt zuversichtlich: "Richtig Geld verdienen werden wir erst wieder 2003."

Auch der Eigenkapital-Ausstattung der Bank wurde kein großes Augenmerk beigemessen, die Kernkapitalquote lag in den vergangenen Jahren nie bei 7 %. Das war in guten Zeiten aber nicht nötig. Angesichts besicherter Immobilienkredite war bisher ein gutes Rating gesichert.

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