Hypo-Vereinsbank macht bei Privatkunden Unterschiede
Hypo-Vereinsbank will weitere 500 Stellen abbauen

Die Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB) will von 2003 an durch den Umbau des Geschäfts mit Privatkunden bis zu 500 Millionen Euro einsparen und die schwache Rendite der Sparte steigern.

Reuters MÜNCHEN. Das Produktangebot an die 3,35 Mill. Privatkunden solle von Anfang nächsten Jahres an stärker differenziert und das Filialnetz in Deutschland um mehr als 200 auf 841 Zweigstellen ausgedünnt werden, sagte HVB-Vorstand Eberhard Rauch am Dienstag in München. Damit verbunden sei ein Abbau von mindestens 500 weiteren Arbeitsplätzen. Bei Kunden, die mehr als 75 000 ? anzulegen hätten, gehe die Bank von stärkerem Beratungsbedarf aus, den anderen reichten auch standardisierte Produkte, sagte Rauch.

Rauch wies die Vermutung zurück, durch die neue Struktur entstehe wie bei anderen Großbanken ein "Zwei-Klassen-System" von vermögenden und weniger wohlhabenden Privatkunden. "Wir kümmern uns um jeden Kunden", betonte er. Er verglich das neue Konzept mit der Klassifikation der Lufthansa-Kunden in "Senatoren" und "Frequent Travellers". Kunden, bei denen die Bank einen größeren Anlagebedarf annehme, würden künftig in eine "Berater-Lounge" eingeladen. Das seien etwa 7 % aller Privatkunden. Wer anspruchsvollere Beratung wolle, müsse aber für diese Leistung bezahlen. Den übrigen Kunden werde eine auf rund zwölf Standardprodukte beschränkte Palette offeriert, die das Geschäft kostengünstiger und effektiver machen soll.

Ergebnispotenzial von bis zu 500 Millionen Euro

Im dem Programm zum Umbau des Privatkundengeschäfts stecke ein Ergebnispotenzial von 400 Mill. bis 500 Mill. ? durch Einsparungen und zusätzliche Erträge, das spätestens 2004 realisiert werden solle, sagte Rauch. Er ist seit Juni mit seinem Vorstandskollegen Stefan Jentzsch für den Bereich zuständig. "Wir wollen das aber auf 2003 vorziehen", ergänzte Rauch. So ließen sich etwa im Marketing sowie im Zahlungsverkehr Kosten einsparen, neue Kunden sollen von 2002 an zusätzliche Erträge bringen. Den erwarteten Synergien stehe ab 2002 ein niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Betrag an Kosten gegenüber, sagte der Vorstand.

Mit dem bisher als "Universalkunden" bezeichneten unteren Segment, insgesamt 1,8 Mill. Kunden, habe die Bank schon im vergangenen Jahr kein Geld verdient, als das gesamte Privat- und Geschäftskundengeschäft noch eine Nettorendite von 13 % auf das Eigenkapital abwarf. Mit gehobenen Privatkunden verdiene die HVB dagegen eine Rendite von mehr als 20 %, sagte Rauch. Künftig müssten beide Bereiche den HVB-Maßstab von 15 % Rendite erreichen. "Bis Ende 2003 oder Anfang 2004 kommen wir dahin", zeigte er sich überzeugt. Im ersten Quartal war das Ergebnis der HVB mit Privat- und Geschäftskunden nach dem Börseneinbruch auf 68 Mill. von 235 Mill. Euro geschrumpft, die Rendite auf 3,5 %.

Zweigstellen sollen abgebaut werden

Das Filialnetz des Hypo-Vereinsbank-Konzerns in Deutschland, das Anfang dieses Jahres noch 1058 Zweigstellen umfasste, soll bis Ende 2002 auf 841 Standorte abgebaut werden. Auch das Netz der in Norddeutschland vertretenen Vereins und Westbank - soll künftig unter dem Namen "Hypo-Vereinsbank" geführt werden. Die Nürnberger Norisbank, deren Struktur als Vorbild für das Privatkundengeschäft gilt, übernimmt das Ratenkreditgeschäft für den HVB-Konzern, ihre 91 Filialen werden geschlossen. Zusätzlich zu dem in diesem Jahr gestrichenen 700 Stellen würden nach dem "Next step" genannten Programm mindestens 500 weitere Arbeitsplätze wegfallen, sagte Rauch. Bislang werden die HVB-Privatkunden von 8 350 Mitarbeitern betreut.

Bis 2004 hat sich die Hypo-Vereinsbank damit Einsparungen von insgesamt 1,2 Mrd. ? vorgenommen. Allein die Übernahme der Bank Austria soll 500 Mill. Euro an Synergien bringen, 170 Mill. ? davon noch in diesem Jahr. 100 Mill. ? erwartet die HVB darüber hinaus aus der Fusion von Bank Austria und Creditanstalt 2002. Die Verschmelzung der Hypothekenbanken im Konzern soll 160 Mill. ? einsparen.

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