Hypo-Vereinsbank: Strukturierte Finanzierungen
Mezzanine-Kapital gibt Luft für langjährige Wachstumsprojekte

Der Mittelstand, der in Deutschland mit Eigenkapitalquoten von durchschnittlich nur zehn bis fünfzehn Prozent ausgestattet ist, sucht mit den Banken nach Wegen, diesen Mangel zu beheben. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) hat daher Anfang des Jahres ein neues Geschäftsfeld definiert, das Mezzanine-Finanzierungen - der Begriff steht im Bauwesen für ein "Zwischengeschoss" - für kleine und mittlere Unternehmen strukturiert.

HB FRANKFURT/M. Mezzanine verbindet Charakteristika von Fremd- und Eigenkapital. "Es ist geeignet für Unternehmen, die bereits eine hohe Schuldenquote haben. Ferner sollen die mit einer klassischen Eigenkapitalbeteiligung verbundenen Mitspracherechte der Kapitalgeber vermieden werden", sagt Frank Henes, der bei der HVB in München verantwortlich ist für dieses Geschäftsfeld. Für große Unternehmen sind Mezzanine-Finanzierungen schon längst gang und gäbe, vor allem bei Buy-Out-Finanzierungen spielen sie oft eine wichtige Rolle. Dieses Geschäft betreibt die HVB schon länger aus London heraus. Doch für kleine und mittelständische Unternehmen gab es in der Branche bislang kaum Mezzanine-Angebote. In dem neuen Geschäftsfeld der HVB für den Mittelstand denke die Bank vor allem an Finanzierungsvolumina zwischen fünf und 50 Mill. Euro, wobei entsprechend eine bis zehn Mill. Euro auf den Mezzanine-Anteil entfallen, sagt Henes. "Ich glaube an den Portfoliogedanken, uns sind 20 Transaktionen für mittelständische Unternehmen lieber als eine einzelne Finanzierung über 100 Mill. Euro."

Mezzanine-Lösungen bieten sich vor allem für Unternehmen an, die hohes Wachstumspotenzial haben. Projekte, die anfangs hohe Investitionen erfordern, und erst Jahre später Erträge bringen, seien mit Mezzanine gut zu finanzieren, sagt Henes. Ein Beispiel sei die für ein Pharmaunternehmen typische langjährige Entwicklung eines Medikaments. Denn charakteristisch für Mezzanine ist eine fünf bis sieben Jahre dauernde, tilgungsfreie Anfangsphase, in der nur ein relativ höherer Zins zu zahlen ist. Erst in der Endphase, wenn die Erträge aus der Investition fließen, ist die Tilgung zu leisten. Hinzu kommt oft ein so genannter "Eigenkapital-Kicker", eine Beteiligung am Wertzuwachs des Unternehmens. Als Beispiele nennt Mezzanine-Spezialist Bruno Wanske von Pricoa: eine Option auf eine Eigenkapitalbeteiligung - vorausgesetzt ein Börsengang oder Verkauf sind geplant -, eine gewinnabhängige Abschlusszahlung oder eine Prämie, die bei Rückzahlung des Mezzanine-Darlehens fällig wird.

Der Kapitaldienst von Mezzanine werde an die zukünftigen Cash-flows des Unternehmens angepasst, so könnten Phasen mit angespannter Liquiditätssituation bis zur Entspannung der Finanzlage überbrückt werden, erläutert Henes. Entscheidende Parameter für die jeweils individuelle Lösung seien die Entwicklung des Ratings, die Cash-flows und die Investitionslaufzeit.

Bernhard Lageman, Leiter der Abteilung Handwerk und Mittelstand, des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, hält Mezzanine-Finanzierungen für ein "sehr wichtiges Instrument". Zwar sei es keinesfalls als generelles Finanzierungsmittel zu sehen, aber gut geeignet für stark wachsende Unternehmen. Der Portfolioansatz der HVB ist nach Ansicht von Lageman vernünftig, um kleine Finanzierungsvolumina vergeben zu können. Deutschland habe noch immer Defizite bei Mezzanine, vergleicht man die Volumina mit denen in den USA und Großbritannien. Es sei gut, wenn Banken den Markt hier zu Lande weiterentwickeln.

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