Hypo-Vereinsbank will bei der Fusion mit der Bank Austria Tempo machen
Schmidt sucht weiter nach Partnern

Die Hypo-Vereinsbank will nach dem Zusammenschluss mit der Bank Austria das Konzept der "Bank der Regionen" weiter vorantreiben. Konzernchef Albrecht Schmidt hat dabei sowohl Ost- als auch Westeuropa im Visier. Die Fusion mit den Österreichern soll so schnell wie möglich umgesetzt werden.

HB MÜNCHEN. Die Fusion mit der Bank Austria ist für die Hypo-Vereinsbank (HVB) nur ein Zwischenschritt beim Ausbau zu einem europaweiten Bankkonzern. Dies machte Albrecht Schmidt im Gespräch mit dem Handelsblatt klar. "Das, was wir noch im Kopf und im Köcher haben, ist eine ganze Menge", meinte der HVB-Vorstandssprecher selbstbewusst.

Eine Expansion sowohl in Ost- als auch in Westeuropa sei geplant. Dabei komme es aber darauf an, den "richtigen Partner mit der richtigen Geschäftsidee" zu finden. Auf einen Zeithorizont wollte sich Schmidt nicht festlegen. "Erwarten Sie von mit keine Schnellschüsse", meinte der Bankchef lediglich.



Interesse an einem Einstieg bei der tschechischen Komercni Banka

In Zentral- und Osteuropa wolle die Hypo-Vereinsbank am Privatisierungsprozess in der Bankbranche teilnehmen. "Die Preise müssen aber akzeptabel sein", fügte Schmidt an. Der Konzern hat unter anderem Interesse an einem Einstieg bei der tschechischen Komercni Banka. Auch in den westlichen Teilen Europas sieht Schmidt nach dem Zusammenschluss mit der Bank Austria weitere Möglichkeiten. Spekuliert wird hier vor allem über Italien, Spanien oder Frankreich. "Wir haben jetzt in Westeuropa eine hohe Attraktivität für Partner. Das ist schön zu spüren", meinte Schmidt dazu. Dabei strebt der Konzern offenbar Mehrheitspositionen an. Er sei kein Freund von unklaren Verhältnissen, sagt zumindest Schmidt.

Beim Aufbau der Vermögensverwaltung will Schmidt dagegen vorerst ohne Zukäufe auskommen. An Akquisitionen, etwa in den USA, sei die Bank nicht interessiert. Die Preise seien derzeit zu hoch, so die Begründung. Jetzt werde aus eigener Kraft das Asset Management aufgebaut. Das verwaltete Vermögen erreiche inzwischen rund 160 Mrd. Euro. Die ursprüngliche Zielmarke liege bei rund 250 Mrd. Euro.

Die Integration der Bank Austria in den HVB-Konzern solle jetzt so schnell wie möglich vorangetrieben werden, sagt Schmidt weiter. Bereits am heutigen Donnerstag werde der Lenkungsausschuss erste Beschlüsse fassen. Tempo will Schmidt insbesondere bei der Schaffung einer einheitlichen EDV-Plattform machen. Hier könnte die Integration in spätestens zwei Jahren abgeschlossen sein. Die internationalen Standorte sowie das Osteuropa-Geschäft beider Banken würden schnell zusammen geführt. Ziel sei, die Produktivität zu steigern.



Synergien von 500 Millionen Euro

Insgesamt sollen ab 2003 Synergien von 500 Mill. Euro im Jahr realisiert werden. Davon entfallen allerdings 170 Mill. Euro auf die bereits in der Umsetzung befindliche Fusion von Bank Austria und Creditanstalt. Im Bereich Informationstechnologie wird mit Einsparungen von 170 Mill. Euro gerechnet. Der Abbau überlappender Aktivitäten wird weitere 180 Mill. Euro bringen. Dem stehen einmalige Aufwendungen von 350 Mill. Euro entgegen. Wie dieser Restrukturierungsaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung behandelt werde, ist noch offen und von steuerlichen Fragen abhängig. Denkbar ist offenbar eine Verteilung auf mehrere Jahre. Die Bilanz 2000 ist davon unberührt.

Die größte Herausforderung für die erfolgreiche Integration seien "die weichen Faktoren", betonte Schmidt. Die Bank habe nach der Fusion von Vereinsbank und Hypo-Bank Erfahrung im Management unterschiedlicher Kulturen. Die Bank Austria habe aus dem Sparkassen-Sektor kommend sehr enge Verbindungen zu den Kunden. Die HVB biete die "Kraft einer Großbank". Doppelfunktionen würden konsequent bereinigt. "Da wird immer der Beste ausgesucht", versprach Schmidt. Am Ziel, bis 2003 auf eine Eigenkapitalrentabilität von 15 % zu kommen, ändere sich durch die Fusion mit der Bank Austria nichts, so Schmidt. Nach den ersten sechs Monaten erreichte die HVB rund 10 %, etwas mehr als die angepeilte Marke von 9 %. Schmidt erwartet, dass auch die Börse die Strategie der HVB bald honorieren werde.

Mehrere Analysten sehen die Aktie mittelfristig zwischen 75 Euro und 80 Euro.

Hier der 3-Monatsverlauf

HVB und Bank Austria sind zusammen gemessen an der Bilanzsumme künftig in Europa hinter der Deutschen Bank und der französischen BNP-Paribas zwar das drittgrößte Geldinstitut. Wird jedoch die Börsenkapitalisierung als Maßstab angelegt, rangiert der neue Konzern dagegen mit knapp 35 Mrd. Euro weit abgeschlagen und noch nicht einmal unter den zehn größten Banken in Europa.

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