Hypo-Vereinsbank will Kapitalquote verbessern
Verkauf der Vereins- und Westbank droht zu scheitern

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) wird sich offenbar doch nicht von der Vereins und Westbank - (V+W) trennen. Wie aus Bankenkreisen zu hören ist, liegen erste Preisofferten der Interessenten zu niedrig.

cbu/mm/pk/rob FRANKFURT/M. Der Verkauf der Hamburger Tochter galt bisher als ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation des finanziell angespannten Konzerns, der unter einer sehr niedrigen Eigenkapitalquote von unter 6 % leidet und im laufenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren will. Zwar hätten die Hamburger Sparkasse und Signal Iduna starkes Interesse gezeigt; beim Preis lägen die Parteien allerdings noch weit auseinander, ist aus Finanzkreisen zu hören. Die HVB wolle durch den Verkauf 0,8 bis 1 Mrd. Euro für ihren Anteil von 75,1 % an V+W erlösen.

Angesichts der jüngsten Kurserholung an der Börse müssten die Münchener das Institut nicht mehr um jeden Preis verkaufen und damit ihr Konzept der Bank der Regionen in Frage stellen, erklären Insider. Zudem seien V+W und HVB inzwischen stark vernetzt. Eine Trennung würde deshalb hohe Kosten nach sich ziehen. Gleichzeitig zählt die V+W zu den Gewinnbringern im Konzern. Der Jahresüberschuss lag im vergangenen Jahr bei 140,9 Mill. Euro. Eine endgültige Entscheidung über den Verkauf solle in den nächsten Wochen fallen, heißt es weiter.

Auf der letzten Hauptversammlung der Vereins und Westbank - hatte der Aufsichtsratschef der V+W und Vorstandsvorsitzende der HVB, Dieter Rampl, bereits einen vorsichtigen Rückzug von den ursprünglichen Verkaufsplänen gemacht und sich bei Aktionärsfragen nicht darauf festlegen lassen, dass V+W verkauft wird. Man werde aber alles daran setzen, schnell zu entscheiden, tröstete er.

Anders sieht die Lage bei der Nürnberger Filialtochter der HVB, der Norisbank, aus. Das Institut gehört zu den ertragsstärksten Privatkundenbanken in Deutschland und konnte im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite von über 32 % erzielen. Bei der Norisbank rechnen Investmentbanker mit einen Preis von 300 bis 500 Mill. Euro. Die HVB selbst will offenbar zumindest 400 Mill. Euro für die Tochter erlösen. "Für 300 Millionen oder auch etwas mehr kommt ein Verkauf nicht in Frage -- das steht fest", hieß es in mit der Transaktion vertrauten Kreisen.

Den Informationen zufolge gibt es gebe mehr als zehn Bewerber für das auf Konsumentenkredite spezialisierte Institut. Die Bank passt nicht mehr in die Gesamtstrategie der HVB, die sich auf gehobene Privatkunden und den Mittelstand konzentrieren will. Neben bereits bekannten Namen wie Postbank, Citibank und die ING-Tochter Diba gebe es auch Gespräche mit Interessenten aus Schottland, Spanien und Frankreich. So sollen die Royal Bank of Scotland, Société Générale und BNP Paribas im Bieterkarussell mit dabei sein.

"Es ist wahrscheinlich, dass ein finanzstarker ausländischer Investor zum Zuge kommt, der den deutschen Markt aufrollen will und hier noch nicht präsent ist", zeigt ein involvierter Banker die Perspektive auf. Diese seien bereit, eine strategische Markteintrittsprämie zu bezahlen. Im Gegensatz zu den Ausländern seien Wettbewerber wie die Postbank und die Citibank vor allem am Kernprodukt Easy Credit als standardisierte Plattform für die Vergabe von Ratenkrediten interessiert.

Am kommenden Freitag müssen die Bieter für die Norisbank mit ihren gut 100 Filialen und rund 500 000 Kunden ein erstes Angebot abgeben. Danach entscheidet HVB zusammen mit der beratenden Investmenbank JP Morgan Chase, wer in die engere Auswahl kommt. Es folgen Exklusivverhandlungen mit voraussichtlich einem bis zwei Interessenten. Mit dem endgültigen Zuschlag an einen Käufer ist nach den Worten von Bankern in zwei bis drei Monaten zu rechnen.

Auch die Vorbereitungen für den Börsengang der Bank Austria kommen langsam auf Touren. Die HVB hat jetzt mit JP Morgan Chase und Goldman Sachs zwei Investmentbanken ausgewählt, die die Emission von rund 25 % an der HVB-Tochter vorbereiten sollen. Banker rechnen mit einem Erlös von 1 bis 1,5 Mrd. Euro aus der Transaktion. Die HVB habe bei ihrem Erwerb Anfang 2001 etwa das Doppelte bezahlt. Die Investoren sollen den Informationen zufolge Anfang Juni mit Präsentationen auf den Börsengang eingestimmt werden. Als Stationen sind bislang neben München und Frankfurt, Wien, London, Edinburgh, New York, Zürich und Paris vorgesehen. Mit der Emission sei Ende Juni oder Anfang Juli zu rechnen, verdeutlichen Banker.

Als Handelsplatz für den größten österreichischen Bankkonzern mit starkem Geschäft in Mittel- und Osteuropa ist neben Wien auch Frankfurt vorgesehen. Durch diesen Schritt sollen internationale Investoren angesprochen werden.

Burkhard Breiing verlässt Hypo-Vereinsbank

Bereichsvorstand Burkhard Breiing hat zum 30. April 2003 die Hypo-Vereinsbank (HVB) auf eigenen Wunsch verlassen. Das teilte ddie Bayerische Großbank gestern mit. Münchner Finanzkreise halten dies dagegen für eine nachvollziehbare Personalentscheidung des neuen Konzernchefs Dieter Rampl. Breiing habe es nicht verstanden, das kränkelnde Geschäftsfeld Privatkunden mit einer neuen Strategie zu beleben, heißt es. Der 47-jährige war seit 1. Januar 2002 für das Privatkundengeschäft verantwortlich, unter anderem auch als Vorsitzender der Aufsichtsräte der Norisbank und DAB Bank. Zuvor war Breiing mehrere Jahre Vorstandsmitglied der Citibank Privatkunden AG in Düsseldorf. Seine Aufgaben übernehmen die Bereichsvorstände Alexander Kolb und Andreas Wölfer. po

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%