Hypo-Vereinsbank will Springer-Anteile: Gläubiger-Banken streiten um Kirchs Zukunft

Hypo-Vereinsbank will Springer-Anteile
Gläubiger-Banken streiten um Kirchs Zukunft

Die Hypo-Vereinsbank will für mehr als eine Milliarde Euro die Beteiligung der angeschlagenen Kirch-Gruppe am Axel Springer Verlag kaufen.

afp BERLIN. Die Gläubiger des hoch verschuldeten Kirch-Konzerns streiten über den richtigen Weg, um dem Münchner Medienunternehmen aus der Krise zu helfen. Während die Hypo-Vereinsbank für 1,1 Milliarden Euro (2,15 Milliarden Mark) die Übernahme des Anteils am Axel Springer Verlag anbietet und Kirch damit eine Atempause verschaffen will, pocht die Deutsche Bank offenbar weiter auf eine Zerschlagung und den Verkauf auch der Formel Eins und des Bezahlsenders Premiere World.

Die Hypo-Vereinsbank habe Kirch angeboten, die 40 Prozent an Springer zu übernehmen, hieß es aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Das Kreditinstitut wolle damit dem langjährigen Geschäftspartner "Handlungsspielraum verschaffen". Die Hypo-Vereinsbank wolle den Anteil an Europas größtem Zeitungskonzern dabei allerdings "nicht langfristig in den Büchern halten", sondern mit Gewinn weiterverkaufen. Angesichts von Interessenten wie dem Essener Pressekonzern WAZ und anderen stünden die Chancen dafür nicht schlecht.

Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt habe es dem 75-Jährigen Leo Kirch freigestellt, sich zunächst nach anderen Offerten umzusehen, hieß es weiter. Sondierungen bei Springer laufen demnach offenbar schon, denn ein Verkauf des Kirch-Anteils ohne Zustimmung von Verlegerwitwe Friede Springer ist rechtlich nicht möglich.

Akute Finanznot

Kirch befindet sich wegen Schulden in Höhe von fünf bis sechs Milliarden Euro in akuter Finanznot und muss den Bankrott fürchten, wenn in diesem Jahr Forderungen des Axel Springer Verlags und der Dresdner Bank sowie Rupert Murdochs als Partner beim Bezahlsender Premiere World fällig werden. Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn räumte am Wochende erstmals ein, dass das Unternehmen im Laufe des Jahres "Liquiditätsprobleme" bekommen könnte.

Die Deutsche Bank favorisiere im Gegensatz zur Hypo-Vereinsbank eine Aufteilung des Konzerns, berichtete das "Wall Street Journal Europe". Die Formel Eins soll dem Bericht zufolge an Autobauer wie DaimlerChrysler verkauft werden, die den Einstieg von Kirch in dieses Geschäft ohnehin höchst kritisch sehen. Premiere World solle dagegen an Murdoch gehen, der an dem PayTV-Sender bereits 22 Prozent hält. Zudem muss nach Einschätzung von Deutschlands größtem Geldhaus auch der Springer-Anteil verkauft werden, um Kirch aus der Misere zu helfen. Was bliebe wäre dann ein Kerngeschäft um den Handel mit Filmrechten und TV-Sender wie Sat.1 und ProSieben.

Mit dem "Filetierungsplan" steht die Deutsche Bank der Zeitung zufolge aber allein. Neben der Hypo-Vereinsbank lehnten auch andere Kirch-Gläubiger wie die Bayerische Landesbank, die Dresdner Bank, JP Morgan and Lehman Brothers eine Zerschlagung ab. Sie setzen demnach weiter auf einen "Weißen Ritter", der Kirch aus der Patsche helfen soll.

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