Hypothekenbranche optimistisch für 2002
Die neue Eurohypo AG gewinnt Kontur

Die Fusion der drei Hypothekentöchter der Großbanken - Eurohypo, Rheinhyp und Dresdner Hyp - zur neuen Nummer Eins im Markt kommt voran. Mit einem starken Ertrag im Rücken geht die Deutsche-Bank-Tochter Eurohypo in die Fusion, die sich ab 2004 voll auszahlen soll. Die Branche ist für dieses Jahr optimistisch gestimmt.

nw FRANKFURT/M. Der Umbau der Hypothekenbranche gewinnt Kontur. Der neue Marktführer, die durch Fusion der drei Hypothekentöchter der Großbanken entstehende neue Eurohypo, hat die Detailprüfungen (Due Diligence) jetzt abgeschlossen und will im April die endgültigen Wertverhältnisse von Eurohypo (Deutsche Bank), Rheinhyp (Commerzbank) und Deutsche Hypo (Allianz-Dresdner Bank) festlegen. Die Platzierung weiterer Aktien aus dem Besitz der Konzernmütter sei für das Jahr 2005 geplant. Dies sagte gestern Bernd Knobloch, Vorstand der Eurohypo und designierter stellvertretender Vorstandschef der neuen Bank, vor Journalisten in Frankfurt.

Die Wertverhältnisse dürften sich aber nicht mehr stark ändern. "Gehen Sie davon aus, dass wir im Herbst 2001 sorgfältig gearbeitet haben", sagte Eurohypo-Vorstand Joachim Plesser. Im November hatten die Banken bei der Präsentation der Fusion folgendes Wertverhältnis genannt: Eurohypo und Rheinhyp würden jeweils 35 % des Unternehmenswertes der neuen Eurohypo ausmachen, die Deutsche Hyp 30 %. Noch nicht berücksichtigt seien dabei allerdings die Übertragung des Deutsche-Bank-Anteils an den Immobiliencentern des Konzerns auf die neue Eurohypo sowie die Einbringung der Geschäftsfelder "Strukturierte Finanzierungen/Immobilien Investment Banking" durch Deutsche und Dresdner Bank, sagte Plesser.

Die Kosten der Fusion sollen in diesem Jahr voll in den Ertragsrechnungen verbucht werden, so dass die neue Bank unbelastet in das Jahr 2003 starten könne, sagte Knobloch. Mitte Juni sollen die Hauptversammlungen aller drei beteiligten Banken über die Fusion abstimmen, im Herbst soll die neue Bank in das Handelsregister eingetragen werden. Danach könne die neue Eurohypo mit der ersten Emission an den Kapitalmarkt gehen - sie wird der größte Emittent von Jumbo-Pfandbriefen werden. Knobloch bekräftigte als Ziel für die neue Bank eine Eigenkaptialrendite, die deutlich über den Kapitalkosten von acht bis neun Prozent liege.

Seine Bank geht mit einem starken Ertrag in die Fusion. Die Eurohypo erzielte in 2001 eine Eigenkapitalrendite von 14,8 (9,6) % nach Steuern (HB 1.3.2002). In den ersten beiden Monaten habe sich das Geschäft gut entwickelt, sagte Knobloch. Der Jahresüberschuss der Commerzbank-Tochter Rheinhyp stieg im vergangenen Jahr um 7 % auf 120,6 Mill. Euro, das Hypothekenneugeschäft um 24 % auf 7,87 Mrd. Euro. Die Deutsche Hyp legt am 15. April ihre Zahlen vor.

Für das laufende Jahr ist die Branche optimistisch. "Wir sind insgesamt zuversichtlich gestimmt", sagte Helga Bender vom Verband deutscher Hypothekenbanken (VdH). "Bei den gewerblichen Finanzierungen zieht das Geschäft an", sagte sie. Hier profitierten die Banken davon, dass sie sich in den vergangenen Jahren breiter in Europa aufgestellt hätten und Marktanteile gewonnen hätten. Inzwischen werde jeder zweite Euro der gewerblichen Finanzierungen im Ausland zugesagt.

Auch Eurohypo-Vorstand Knobloch zeigte sich optimistisch: Zwar näherten sich die europäischen Märkte inzwischen dem Ende eines Zyklus, doch es gebe noch ausreichend Geschäftsmöglichkeiten. Die Eurohypo - wie die meisten anderen Immobilienfinanzierer - hat bislang im Ausland keine Wertberichtigung für Einzelengagements bilden müssen. Auf dem inländischen Gewerbefinanzierungsmarkt zögen die Margen jetzt spürbar an, seien aber noch immer deutlich niedriger als im Ausland. Die Finanzierer passten zunehmend ihre Preise an das Risiko an, sagte Knobloch. Bei den Wohnungsbaufinanzierungen sieht Verbandssprecherin Bender "das Tal durchschritten". Das niedrige Zinsniveau sei eine Stütze für dieses Geschäft, das mit der erwarteten Konjunkturbelebung in diesem Jahr anziehen werde.

Neue Impluse verspricht sich die Branche von der Novelle des Hypothekenbankgesetzes, das im Rahmen des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes im Sommer in Kraft treten soll und ihren Geschäftsspielraum deutlich erweitert. Besonders wichtig: Das attraktive US-Geschäft kann ausgebaut werden. Der Nachteil: Das Risiko der Banken steigen tendenziell, was sich in schlechteren langfristigen Ratings niederschlagen und damit zu höheren Refinanzierungskosten führen könne, sagen die Analysten der Ratingagentur Moody?s.

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