Hypovereinsbank braucht Geld
Bank Austria unter Erfolgsdruck

Die Bank Austria ist bei ihrem geplanten Börsengang zum Erfolg verdammt. Zwar können die Österreicher ihre ehrgeizigen Wachstumspläne in Osteuropa nach eigener Einschätzung erst einmal auch ohne weiteren Geldzufluss stemmen. Doch für die Konzernmutter HypoVereinsbank ist der Börsengang der Bank Austria neben der Abspaltung des Kreditgeschäfts mit Gewerbeimmobilien wichtigster Baustein beim radikalen Konzernumbau.

HB/dpa WARSCHAU. Mit dem Erlös aus dem Börsengang will die Hypovereinsbank ihre eigene Kapitalbasis stärken. Wenn die beiden Projekte, die unter erheblichen Zeitdruck stehen, nicht klappen, dürfte der neue HVB-Chef Dieter Rampl mächtig unter Druck geraten.

Für die Österreicher dürfte der erneute Börsengang der Bank Austria nicht ohne eine gewisse Ironie sein. Die HVB hatte die Bank Austria 2001 für knapp acht Mrd. ? übernommen und von der Börse genommen. Die HVB-Aktien, die die Bank Austria-Eigner damals erhielten, haben mittlerweile drastisch an Wert verloren. Mit dem erneuten Börsengang soll die Bank Austria nun der HVB aus der Patsche helfen. Die HVB erhofft sich laut Branchenkreisen einen Erlös von gut einer Milliarde Euro für die knapp 25 % und will so ihre Kernkapitalquote verbessern.

Die Österreicher geben sich vor dem Börsengang selbstbewusst. "Wir wollen die unumstrittene Nummer eins in Zentral- und Osteuropa werden", sagte BA-Chef Karl Samstag am Mittwochabend in Warschau. Während die Hypovereinsbank insgesamt im vergangenen Jahr den ersten Konzernverlust in der Konzerngeschichte hinnehmen musste, verdiente die Bank Austria in den osteuropäischen Wachstumsmärkten ordentlich Geld.

"Die Bank Austria ist besser aufgestellt als die HVB", ist Wilhelm Rasinger vom Wiener "Interessenverband für Anleger" (IVA) überzeugt, der die Übernahme durch die Münchner stets kritisch begleitet hatte. Beim Kauf der Bank Austria sei eine bessere Zukunft versprochen worden. Beim Umtausch-Verhältnis von 1:1 seien die Bank Austria-Aktionäre nach seiner Einschätzung über den Tisch gezogen worden. Der Frust sei nach der Talfahrt der HVB-Aktie groß. "Aber was vorbei ist, ist vorbei." Die Wiener Börse werde von der Aktienausgabe des früheren Flaggschiffs profitieren.

Laut einem Arbeitspapier soll die Zeichnungsfrist für die Aktien der Bank Austria 23. Juni bis 8. Juli laufen. Dabei dürfte es sich um einen der größten Börsengänge in Europa in diesem Jahr handeln. Obwohl die Kapitalmärkte noch immer schwach sind und Bankaktien derzeit niedrig gehandelt werden, hält Samstag den Zeitpunkt für ideal. Schließlich stehe der Zielmarkt Osteuropa vor der weiteren Einbindung in die Europäische Union und die Bankenbranche dort vor einer weiteren Konsolidierung. Die Bank Austria zum Beispiel hat bereits die ungarische Postbank ins Visier genommen, die im Herbst privatisiert werden soll.

Für größere Zukäufe kann die Bank Austria den Erlös aus dem Börsengang erst einmal nicht einsetzen. Hauptmotiv sei es, die Kernkapitalquote der Bank Austria zu verbessern, räumte auch Samstag ein. Doch auch ohne eine "Story" für die Verwendung des Emissionserlöses wird der Börsengang nach Einschätzung von Wiener Bankenkreisen im Juli ohne größere Probleme über die Bühne gehen. Für internationale Fonds gebe es nur wenig Möglichkeiten, sich auf vergleichbare Art in Osteuropa zu engagieren. Daher könne Rampl das Geld schon einmal fest einplanen. Der Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts kann gute Nachrichten gebrauchen. Vor wenigen Tagen stellte er in einem Interview mit der "Financial Times" klar: "Wenn der Umbau-Plan nicht funktioniert, bin ich dafür verantwortlich.

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