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I-Mode – Top oder Flop?

Milliardenschwere UMTS-Ausgaben belasten die Mobilfunk-Betreiber. Mit I-Mode bietet E-Plus als erster Anbieter UMTS-Feeling. Telekom-Dienstleister Dr. Winfried Materna (Foto) nimmt den Dienst unter die Lupe.

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Mehr als 32 Millionen Japaner sind bereits begeisterte I-Mode Nutzer und täglich kommen weitere 28 000 hinzu. Seit kurzem ist der Dienst nun auch bei uns erhältlich. E-Plus verspricht sich viel vom neuen Multimedia-Dienst. Die in Japan entwickelte Technologie bietet E-Mails, den Austausch von Bildern und Videos sowie die Darstellung spezieller Web-Sites auf dem Handy-Display. Als erster deutscher Netzbetreiber bietet E-Plus den mobilen Dienst bereits seit Mitte März flächendeckend in Deutschland an. Das Spektrum der angebotenen so genannten Non-Voice-Dienste reicht von Nachrichten über Sportinformationen bis zu herunterladbaren Bildern, Melodien, Stadtplänen und Wetterkarten. WAP (Wireless Application Protocol) als bestehende Info-Alternative ist in Europa gescheitert. Zu teuer, zu unübersichtlich und zu langsam war das vernichtende Urteil eines Großteils der Mobilfunk-Gemeinde. Bei der Einführung von I-Mode setzt E-Plus daher konsequent auf übersichtliche bunte Inhalte, Sounds und die schnelle, paketvermittelte Übertragungstechnik GPRS (General Packet Radio Service). Die Kunden sind damit quasi "always on" und können die Dienste mit einer Geschwindigkeit von bis zu 56 kBit/s nutzen. Grund genug, dass die Branche in den nächsten Monaten ein wachsames Auge auf das Geschäftsmodell des Düsseldorfer Netzbetreibers haben wird. Bietet doch I-Mode bereits jetzt ein Gefühl dessen, was uns mit UMTS erwartet. Für den Anwender präsentiert sich I-Mode zunächst als recht komfortabler Dienst. Vor allem die farbige Darstellung ist sehr anwenderfreundlich. Auch das Informationsangebot ist umfangreich. Zu den 60 Content-Lieferanten und ihren 500 Web-Sites zählen unter anderem die Deutsche Bahn, Lufthansa, Otto, Fleurop, ZD Net, Comdirect, der Playboy, Kicker Online und Spiegel Online. Für die Content-Anbieter ist das Geschäftsmodell hinter I-Mode auf jeden Fall eine lohnende Sache. Denn erstmals beteiligt ein Netzbetreiber seine Content-Lieferanten am Umsatz, so dass sich eine Win-Win-Situation für beide ergibt: 84 Prozent der Gebühren gehen an die Inhalteanbieter, 14 Prozent plus Transferkosten gehen an E-Plus für Billing und Inkasso. Der große Nachteil: I-Mode ist nicht mit bisherigen Diensten kompatibel. Daher müssen sowohl Anbieter als auch Nutzer erst in die neue Technik investieren. Auf Kunden-Seite bedeutet dies den Neukauf eines speziellen I-Mode-Handys. Unter diesen Umständen ist es ein ehrgeiziges Ziel von Uwe Bergheim, CEO von E-Plus, innerhalb eines Jahres 400 000 bis 600 000 Nutzer für das multimediale Datenangebot zu gewinnen. Zudem wird es ihm nicht allzu leicht gemacht. Denn nur NEC bietet derzeit mit dem N21i ein I-Mode-fähiges Endgerät für den europäischen Markt. Da Nokia und Ericsson offiziell erklärt haben, kein I-Mode-Handy auf den Markt zu bringen, ist die mangelnde Verfügbarkeit der Endgeräte sicherlich eine der größten Herausforderungen für E-Plus. Ein weiteres Hindernis ist, dass noch keine Endgeräte in Planung sind, die sowohl I-Mode als auch den Multimedia Messaging Service (MMS) unterstützen. Und gerade der Multimedia Message als bunter Nachfolger der SMS wird unisono eine große Zukunft vorhergesagt. Erst im April ist der konkurrierende Dienst bei Vodafone an den Start gegangen - die anderen Netzbetreiber wollen folgen. Fehlt die MMS-Unterstützung, könnten I-Mode-Geräte bald zum Ladenhüter werden. Abgesehen von neuen Endgeräten, hängt der Erfolg natürlich auch vom Pricing bei E-Plus ab. Nicht zuletzt dank der transparenten Tarife ist I-Mode in Japan so erfolgreich. Mit drei Euro Grundgebühr pro Monat ist I-Mode sicherlich auch in Deutschland schon erschwinglich. Hinzu kommen jedoch noch monatliche Gebühren für die vielen unterschiedlichen Content-Abos und Gebühren für die übertragenen Datenpakete. Es hängt also im wesentlichen von der Menge der zu übertragenden Daten ab, wie viel der Nutzer tatsächlich "berappen" muss. Bei intensiver Nutzung können hier durchaus stattliche Summen zusammenkommen, ohne dass der Anwender es bemerkt. Um diese Gefahr auszuräumen arbeitet E-Plus bereits an einer direkten Kostenkontrolle für die Nutzer. Ob die japanische Erfolgsstory auch in Deutschland Fuß fassen wird, steht also noch in den Sternen. Für den Anwender ist der Dienst auf den ersten Blick auf jeden Fall eine Bereicherung - verspricht ihm doch die Mobilfunk-Branche bereits seit längerem eine multimediale mobile Zukunft. Es bleibt also schlichtweg abzuwarten, wie sich der Anwender entscheidet - in jedem Falle aber benötigt er ein neues Endgerät. (*) 1980 gründete Winfried Materna die Materna und erkannte damit frühzeitig, welche große Zukunft die Informationstechnologie haben würde. Lesen Sie mehr über den Materna-Chef in seinem Portrait weiter ...

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