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«I, Robot»: Will Smith als Roboter-Jäger

Hamburg (dpa) - Die gute Nachricht für Fans von Will Smith ist: Auch wenn mit ihm ein Science-Fiction-Klassiker wie «I, Robot» verfilmt wird, kommt trotzdem ein typischer Will-Smith-Blockbuster heraus. Die schlechte Nachricht für die Leser: Sie werden das Buch nicht wiedererkennen.

Hamburg (dpa) - Die gute Nachricht für Fans von Will Smith ist: Auch wenn mit ihm ein Science-Fiction-Klassiker wie «I, Robot» verfilmt wird, kommt trotzdem ein typischer Will-Smith-Blockbuster heraus. Die schlechte Nachricht für die Leser: Sie werden das Buch nicht wiedererkennen.

Das mehr als 50 Jahre alte Original des berühmten Visionärs Isaac Asimov war eine Sammlung von Kurzgeschichten, kleiner philosophischer Studien über die Grenzen der Roboter-Logik und das Zusammenleben von Mensch und Maschine. Spätestens wenn Smith sich zur Mitte des Films gegen eine Horde Killerroboter zur Wehr setzen muss, wird klar, dass der Film eine ganz andere Richtung einschlägt. Der «Terminator» lässt grüßen.

Die Erde im Jahr 2035. Roboter gehören zum Alltag. Sie sind auf die Rolle von Dienern reduziert: höflich, pflichtbewusst, emotionslos. Und angeblich völlig sicher für den Menschen dank der drei Gesetze der Robotik, von denen das wichtigste lautet: «Ein Robot darf einem Menschen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem Menschen Schaden zugefügt wird». Nur einer traut dem ganzen nicht: Leutnant Del Spooner aus dem Morddezernat, gespielt von Will Smith. Er hasst alle Roboter nach einem tragischen Erlebnis. Aber während sich die Welt auf die Einführung des neuen Modells NS-5 freut, stößt er natürlich überall auf taube Ohren.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Roboter-Konstrukteur Alfred Lanning stürzt aus dem Wolkenkratzer des mächtigen Herstellerkonzerns U.S.Robotics in den Tod. Was wie ein Selbstmord aussieht, weckt bei Spooner Zweifel. In Lannings Werkstatt trifft er dann auch auf einen NS-5-Roboter, der kein Problem damit hat, Menschen anzugreifen. Der Roboter entkommt und eine Jagd beginnt, an deren Ende ein Komplott hervortritt, das die gesamte Menschheit bedroht.

Smith setzt wieder einmal auf sein Erfolgsrezept: Will Smith spielt Will Smith, der einen Cop spielt - mit viel körperlichem Einsatz, einer Prise Anarchie und markigen Sprüchen. Und einem durchtrainierten Körper unter der Dusche. Allerdings wird er von einem anderen Darsteller in den Schatten gestellt: Dem Roboter Sonny, der zu menschlichen Emotionen fähig ist. Mit dem naivem Blick seiner großen Augen wirkt Sonny wie ein übergroßes Kind, dass die Welt erkundet und im Ringen mit Ängsten und Selbstzweifeln eine Antwort auf die Frage «Was bin ich?» sucht. Der bisher im Kino nur wenig bekannte Schauspieler Alan Tudyk lieh Sonny Mimik und Bewegungen, die später auf die Computer-Figur übertragen wurden. Dank der modernen Technik denkt man nicht für einen Moment daran, dass keine echten Roboter auf der Leinwand agieren.

Allerdings war da noch die peinliche Geschichte mit Björk. Die isländische Sängerin war im Jahr 1998 in einem ihrer Videos als Roboter aufgetreten. Als im Frühjahr die ersten Bilder aus «I, Robot» vorgestellt wurden, fiel vielen auf, dass die beiden Roboter sehr ähnlich aussahen. Der Branchendienst «E!Online» witzelte, die Macher des Films hätten das vierte Gesetz der Robotik vergessen: «Ein Roboter sollte nicht wie Björk aussehen». Produktionsdesigner Patrick Tatopoulos sagte dabei, er habe versucht, alles zu vergessen, was er bisher gesehen habe. Auf jeden Fall ist es beruhigend zu sehen, dass es der Audi TT mit minimalen Veränderungen ins Jahr 2035 schafft.

Schwerer als solche Kleinigkeiten wiegt aber die Diskussion, in wie weit der Film dem Geist von Asimovs Büchern entspricht. «Asimov dreht sich im Grab um», empörte sich ein Fan in einem Internet-Forum. Tatsächlich dachte der 1992 gestorbene Schriftsteller auch über einen möglichen Angriff der Maschinen nach. Vor allem rühmte er sich aber stets damit, den friedlichen Roboter erfunden zu haben. Seit Karel Capek Anfang der 20er Jahre im Buch «R.U.R.» den Begriff Robot aus dem tschechischen Wort für Arbeiter erfand und die Maschinen die Weltherrschaft übernehmen ließ, wurden Roboter als eine Art Frankenstein aus Stahl dargestellt, der sich gegen seine Schöpfer wendet. Zwei Jahrzehnte später formulierte der gerade mal 20-jährige Exil-Russe Asimov die Gesetze der Robotik zum Schutz der Menschen.

Gegen die drei Gesetze eines Will-Smith-Films - es muss krachen, knallen, cool sein - haben die subtilen Robotik-Regeln aber natürlich das Nachsehen. Fast schon symbolisch für den Unterschied zwischen dem Film und Asimovs Geschichten ist eine Szene, in der Spooner den flüchtigen Robot aus einer Masse von 1000 gleichaussehenden Artgenossen herausfiltern muss. In einer ähnlichen Situation der literarischen Vorlage stellen die Menschen dem Roboter eine intellektuelle Falle. Smith zückt seine futuristische Waffe.

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