IAA-Highlights unter der Lupe
Tumminellis Designkritik: Die Super-Sportwagen

Paolo Tumiminelli, Goodbrands-Geschäftsführer und Professor für Design in Köln, hat einmal IAA-Highlights wie Mercedes-Benz SLR McLaren, Bugatti Veyron oder Porsche Carrera GT unter die Lupe genommen:

FRANKFURT. Seit dem es Autos gibt, gibt es einen Markt für Supersportwagen. In den goldenen Jahren des Rennsports waren es einfach Autos, die für Rennen auf offener Straße gedacht waren. Legenden wurden geboren: etwa die Mille Miglia und der dafür entworfene Mercedes 300 SLR. Mit einem wachsenden öffentlichen Verkehrsaufkommen trennten sich die Wege in der Autobranche. Trotzdem wurden Rennautos nicht von den öffentlichen Straßen verbannt: Um als "Homologation Special" zugelassen zu werden, werden die Rennautos weiterhin in limitierter Auflage verkauft und dürfen von jedem, der es sich leisten kann, gefahren werden.

Das Konzept der limitierten Auflage wurde zum Auslöser der Sammlungshysterie der 80er-Jahre, die in dem Konzept der "Instant Classic" mündete: Autos, die bereits vor der Premiere und unabhängig vom eventuellen Rennerfolg einen Platz im Museum sicher haben. Daraus entwickelte sich ein Markt, der als Pendant zur "Haute Couture" gesehen werden kann. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Auch nicht an dem immer gleichen Problem: Supersportautos sind in der Regel kaum alltagstauglich. Selbst als "Café Racer" kann ein wenig erfahrener Besitzer sie kaum einsetzen, denn der Komfort ist oft gleich null. Heute aber helfen ESP, Automatik und teilweise Allradantrieb dabei, sogar 1000 PS problemlos und komfortabel zu steuern.

Die Supersportautos der neuen Generation sind zwar keine echten Rennautos mehr, dennoch werden sie zu Spielzeugen, mit denen man so sicher und komfortabel fahren kann wie mit einer auf 250 Stundenkilometer limitierten Diesel-Limousine. Damit locken diese Autos möglicherweise so viel Kundschaft an wie nie zuvor. Die Marktchancen sind da. Allerdings: Keine Chance ohne erstklassiges Markenimage, auffälliges Design und technische Besonderheiten. Fünf IAA-Neuheiten zeigen, wie man mit der Aufgabe zu recht kommt.

Fünf IAA-Neuheiten im Fokus:

Der Mercedes-Benz SLR McLaren (Bilder-Galerie) ist im Design eine "Brücke zwischen Tradition, Gegenwart und Zukunft". Das bezieht sich auf die Gesamtproportionen des berühmten 300 SL und die Frontpartie als Kreuzung zwischen dem McLaren-Mercedes Silberpfeil (die Nase) und den Mercedes-Serienfahrzeugen (die Scheinwerfer). Die Zukunftsausrichtung erkennt man im Design weniger: Sie bleibt versteckt in der Unterboden-Aerodynamik und in der wundervollen Konstruktion des gesamten Chassis: ausschließlich Karbonfaserwerkstoffe und Aluminium. Andere Designtricks sorgen für Aufregung: die Luftbremse und selbstverständlich die Flügeltüren. Zwar sind diese konstruktiv nicht mehr nötig. Für eine gute Show sind sie aber unvermeidbar.

Ettore Bugatti und seine Autos sind eine Legende. "Wie nähert man sich dieser Legende?" VW fängt beim Bugatti Veyron 16.4 (Bilder-Galerie) mit einem Seitenschnitt an, der knappe 60 Jahre Geschichte der Marke wegwischt. Von den mehreren Versuchen, Bugatti in der Nachkriegszeit wieder zu beleben, ist keine Rede mehr. Es reicht die Legende und ein Auto, das viel mehr PS (1001) hat als Image. Bereits vor zehn Jahren versuchte Giugiaro mit Zitaten aus den Vorkriegsfahrzeugen, der noblen Marke einen Charakter zu geben. Erst 2004 kommt der Veyron auf den Markt: mit einer zweifarbigen Lackierung, einer Bügelfalte auf Dach und Haube, dem charakteristischen Bugatti Radiator - eine schöne und bunte Mischung. Doch heute wirkt das Retro-Design nicht mehr so überzeugend. Anders der Motor: 16 Zylinder, Allradantrieb und über 400 Stundenkilometer zeigen in die Zukunft.

Während Bertone (Alfa GT) und Giugiaro (Brera und 156 Restyling) sich um die Zukunft der Marke Alfa Romeo kümmern, beschäftigt sich der Centro Stile Alfa eher mit der Vergangenheit. Der 8c Competizione (der Name selbst ist ein historisches Remix) ist innen wie außen ein Hommage an Franco Scagliones wunderschönen Alfa "33 Stradale" der 60er-Jahre. Sehr schön, aber eben nichts Neues. Der auf Maseratis Technik basierende Sportwagen wird in limitierter Auflage 2004 auf den Markt kommen und vor allem Markennostalgiker erfreuen.

Bei Porsche gehen die Uhren anders als bei anderen Hersteller: Obwohl die Sportmarke noch relativ jung ist, nimmt der Carrera GT (Bilder-Galerie) seine Rolle als Supersportauto sehr ernst und verzichtet auf jeglichen gestalterischen Schnickschnack. Schließlich ist Porsche für diese Nische prädestiniert und verfügt bereits über eine treue Kundschaft. Allein die Proportionen - sehr flach, sehr breit - reichen aus, um dem ruhig gestalteten Auto ein prägnantes Image zu geben. Funktionalität führt zur guten Form und das echte Rennauto wird zu einem Fahrzeug für echte Fahrer.

Die Überraschung bei den Supersportlern ist in Frankfurt der Audi Le Mans quattro, der die Marke in eine neue Nische katapultiert. Dabei versucht Audi, neue Regeln zu definieren: Kompaktes Understatement statt Größe und Auffälligkeit. Einzige kleine Ausnahme ist die Silberlackierung der seitlichen Lufteinlässe. Audis Designqualität bleibt erhalten und lässt sich daran erkennen, dass das neue, schöne Markengesicht "à la Auto-Union" sogar eine stilvolle Lösung für das vordere Kennzeichen vorsieht.

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