IAA soll Kaufanreize bieten
Heimischer Markt bleibt Sorgenkind der Auto-Konzerne

Die deutschen Automobilhersteller zeigen sich am Dienstag auf der IAA in Frankfurt von ihrer besten Seite. Ob Porsche, BMW, Audi oder Volkswagen - alle rechnen für das laufende Jahr mit neuen Absatzrekorden und rechnen in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Wachstum. Doch während die Autokonzerne weltweit meist kräftig zulegen, bereitet ihnen die Nachfrage daheim Sorgen.

mr/afp/rtr FRANKFURT/MAIN. Vor allem einen Schub fürs deutsche Geschäft erhoffen sich die Autobauer deshalb von der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main, die am Donnerstag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eröffnet wird. Analysten sehen die Industrie in guter Verfassung, warnen aber vor überzogenen Erwartungen an die Autoschau.

Für fast alle Regionen rund um den Globus präsentierte VW-Chef Ferdinand Piëch am Dienstag stolz einen Anstieg der Verkaufszahlen - nur über Westeuropa prangte ein Minuszeichen. Während Volkswagen weltweit mehr Wagen auslieferte, waren es vor allem durch den schwachen heimischen Markt in Europa etwas weniger. Der Wolfsburger Konzern steht exemplarisch für die Entwicklung in der gesamten deutschen Auto-Branche.

Weltweit erhöhte Volkswagen die Auslieferungen in den ersten acht Monaten um 2,7 %. In Westeuropa habe der Konzern aber "auf Grund des weiter rückläufigen deutschen Marktes" ein leichtes Minus von 0,2 % hinnehmen müssen, klagte Piëch auf der IAA, die vor ihrer offiziellen Eröffnung am Donnerstag zwei Tage lang Konzernen und Medien vorbehalten bleibt. Beim Konkurrenten BMW sieht es auf dem heimischen Markt ein wenig besser aus: Die Münchner Autobauer steigerten die Zahl der Neuzulassungen von Januar bis August um ein Prozent. Doch auch bei BMW klafft eine gewaltige Lücke zur weltweiten Entwicklung: Weltweit schaffte der Autobauer ein Plus von mehr als neun Prozent.

Porsche kann auch Flaute in USA nicht schocken

Dem profitabelsten Autohersteller der Welt, Porsche, kann offenbar nicht einmal die Konjunkturflaute in den USA etwas anhaben. Im Gegenteil. Der Sportwagenhersteller sieht mit der im kommenden Jahr geplanten Markteinführung des neuen Geländewagens "Cayenne" ein neues Kapitel in der Firmengeschichte anbrechen. "Der Cayenne wird Porsche in völlig neue Dimensionen katapultieren", sagte Konzernchef Wendelin Wiedeking am Dienstag auf der IAA in Frankfurt. Das bisherige Interesse lasse deutliche Steigerungen bei den Geschäftszahlen erwarten. Porsche hatte zuvor bereits für das Geschäftsjahr 2000/2001 einen Anstieg des Vorsteuergewinns auf erstmals mehr als eine Milliarde Mark von knapp 850 Millionen Mark bekannt gegeben. Eine Abschwächung der US-Geschäfte durch die Konjunkturflaute in Amerika sieht der Konzern derzeit nicht.

Aber nicht nur bei VW und BMW ist die Stimmung derzeit trotz des schwächelnden deutschen Marktes gut: Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) will als Veranstalter der IAA keine dunklen Wolken sehen: "Ich beteilige mich nicht am Wettlauf um die schwärzeste Prognose", beteuerte VDA-Präsident Bernd Gottschalk im Vorfeld der Autoschau. Schließlich gelang es den hiesigen Autobauern, ihren Umsatz im ersten Halbjahr um satte zwölf Prozent zu erhöhen. Der Auto-Experte vom Privatbankhaus M.M. Warburg, Robert Pottmann, teilt den Optimismus der Lobby-Vertreter: "Der deutschen Autoindustrie geht es prächtig."

Zu den Erfolgen der Konzerne im Export trugen nach Ansicht Pottmanns das "gute Know-how" der Unternehmen, aber auch die Beliebtheit der deutschen Marken im Ausland bei. Im Inland sieht es dagegen nicht so rosig aus: Nach Angaben des VDA legten die Umsätze im Inland im ersten Halbjahr nur um fünf Prozent zu, während die Exporterlöse um 16 % stiegen. Nach den jüngsten Zahlen sank im bisherigen Jahresverlauf die Zahl der Neuzulassungen auf dem Inlandsmarkt um zwei Prozent auf 2,29 Millionen Pkw. Allerdings litten die deutschen Hersteller darunter weitaus weniger als ihre ausländische Konkurrenz: Sie erhöhten sogar ihren Marktanteil auf nunmehr zusammengerechnet 72 %.

Analysten sehen keinen Grund zum Klagen

Der Auto-Analyst des Bankhauses Julius Bär, Falk Frey, erkennt angesichts dieser Zahlen "keinen Grund zum Klagen". Allerdings sieht er neben den bekannten Problemen im Inlandsgeschäft auch beim extrem wichtigen Export "Grund zur Sorge": Durch die schwächer werdende Konjunktur könne die Nachfrage im Ausland geringer werden. Sein Kollege Pottmann rechnet dennoch damit, dass die Lage der Branche sich auf dem jetzigen Level einpendeln wird. Es sei ein "sehr hohes Niveau" erreicht, bei dem indes keine signifikanten Zuwächse zu erwarten seien.

Vor allem für den deutschen Markt erhofft sich die Branche dennoch Impulse aus Frankfurt. Pottmann glaubt, dass die IAA für eine "leichte Belebung" sorgen könne. Zugleich drückt er aber auf die Euphorie-Bremse: "Der Markt wird durch die IAA nicht explodieren."

Zurück zur Startseite des IAA-Specials

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%