IAS wird ab 2005 Pflicht
EU billigt neue Bilanzstandards

Der internationale Rechnungslegungsstandard IAS wird ab 2005 für alle börsennotierten Unternehmen Pflicht. Auf eine entsprechende Verordnung haben die EU-Minister bei ihrem Treffen am Donnerstag in Luxemburg geeinigt. Die förmliche Verabschiedung der Regelungen findet heute statt.

DÜSSELDORF. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin begrüßt das Vorhaben der EU. Die Erneuerung des Europäischen Bilanzrechts stärke die Berechenbarkeit der Finanzmärkte und das Vertrauen in die Solidität von Wertpapieranlagen. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten in den vergangenen Jahren auch in Deutschland die Aktie als Vermögensanlage entdeckt. Um so wichtiger sei es, dass auch die deutschen und europäischen Rechtsvorschriften dazu beitragen, den Anlegerinnen und Anlegern eine informierte Investitionsentscheidung zu erleichtern, so die Bundesministerin. Genau das tue die Verordnung.

Die am Freitag in Brüssel verabschiedete Verordnung sei nützlich, weil die Investoren und ihre Berater mit Hilfe der neuen Rechnungslegungsgrundsätze in stärkerem Maße als bisher den "Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens zeitnah mit verfolgen können."

Auch das Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) begrüßt die Ministerentscheidung. Die Regeln, so Sprecherin Regine Buchheim, würden zu einer Vereinheitlichung auf europäischer Ebene führen. "Mit den bisherigen Richtlinien zur Konzernrechnungslegung haben wir dies nicht geschafft". Der angestrebte einheitliche Kapitalmarkt könne nur mit gemeinsamen Bilanzstandards erreicht werden. Die EU habe sich mit Ihrer Entscheidung langfristig auf die IAS festgelegt. Allerdings müssten diese vom standardsetzenden Gremium IASB noch durch einen Rechnungslegungsausschuss bestätigt werden. "Wir gehen aber davon aus, dass alle Standards Akzeptanz finden". Die Aufgabe des DRSC werde es nun sein, Empfehlungen zu geben, wie die Wahlrechte in deutsches Recht transformiert werden sollen.

Deutsche Bilanzexperten, wie der Saarbrücker Betriebswirtschaftsprofessor Karlheinz Küting, reagieren auf den Ministerbeschluss hingegen skeptisch. "Scheinbar deutet jetzt alles darauf hin, dass die IAS-Regelung die dominierende Regelung werden wird, aber irgendwo glaube ich da nicht dran". Nach wie vor werde sich alles auf die US-Vorschrift US-GAAP hin bewegen. Die Standards würden auch nach dem Enron-Skandal weltweit anerkannt. Nach wie vor seien US-GAAP Pflicht, wenn Gesellschaften auf den US-Kapitalmarkt wollen. Auch nach den EU-Beschlüssen gebe es keine Anzeichen, dass die Amerikaner ihre restriktive Haltung aufgibt. Es werde keine gegenseitige, sondern nur einen einseitige Annäherung der IAS an die US-Vorschriften geben. Küting: "Trotz der EU-Regelungen werden wir letztendlich doch bei US-GAAP landen."

In Punkto Transparenz bringe der aktuelle Beschluss keinen entscheidenden Fortschritt. Nach wie vor existierten, da nur ein geringer Teil der deutschen Unternehmen an der Börse notiert sei, drei Bilanzierungswelten: Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) sowie nach IAS und US-GAAP. "Für eine weltweite Transparenz wird es ohnehin nur eine Regel geben, und das sind die US-GAAP".

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