IBM kauft Rational Software – Peoplesoft an Einstieg bei Sage interessiert
Übernahmewelle in der Softwarebranche rollt

Der Konsolidierungsdruck auf die Softwarekonzerne wächst. Peoplesoft hat die britische Sage-Gruppe im Blick, IBM greift nach Rational Software. 2003 könnte für viele Firmen zum Schicksalsjahr werden.

FRANKFURT/M. Der auf IT-Infrastrukturen spezialisierte Softwareanbieter IBM legt 2,1 Mrd. $ für das US-Unternehmen Rational Software auf den Tisch. Durch die Übernahme will der nach Microsoft weltweit zweitgrößte Konzern der Branche seine Position auf dem Markt für Software-Entwicklung stärken, dem er bis zum Jahr 2006 ein Wachstum von derzeit 9 Mrd. $ auf 15 Mrd. $ zutraut. Rational bietet Werkzeuge für die Entwicklung von Software für Pager, Handies, medizinische Geräte sowie für Flugverkehrs- und Rüstungssysteme an. Sie werden nach IBM-Angaben von 600 000 Software-Entwicklern genutzt. Rational erwirtschaftete mit rund 3 400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 689 Mill. $.

Während Analysten nun den IBM-Konkurrenten BEA Systems dazu drängen, sich durch die Übernahme von Borland Software ebenfalls im Entwicklungsbereich zu stärken, kommt die Übernahmewelle auch in anderen Marktsegmenten ins Rollen. Im Bereich der Unternehmensanwendungen etwa nehmen die Übernahmepläne des SAP-Konkurrenten Peoplesoft in Europa Gestalt an. Nach Informationen des Handelsblatts wird sich Peoplesoft-Chef Craig Conway in den kommenden Tagen mit dem britischen Anbieter von Unternehmenssoftware Sage treffen.

Mit 5 500 Mitarbeitern ist die weltweit tätige Sage-Gruppe auf Finanz- und Buchhaltungssoftware für kleine und mittlere Firmen spezialisiert. Das Unternehmen steigerte trotz widriger Umstände den Umsatz im Geschäftsjahr 2001/02 (zum 30. September) um 14 % auf 864,4 Mill. Euro. Sollte Peoplesoft der Einstieg bei Sage gelingen, wird sich der Wettbewerb mit dem deutschen Softwarekonzern SAP weiter verschärfen. Bislang stehen sich beide nur im Wettbewerb um Großkonzerne wie Siemens gegenüber.

Die Übernahmepläne der großen Softwareanbieter gelten als Indiz für den wachsenden Konsolidierungsdruck. Nach zwei Jahren schrumpfender IT-Budgets stehen viele Softwarehäuser mit dem Rücken zur Wand. "Wir werden 2003 eine Konsolidierungswelle erleben", prognostiziert Peter M. Droste, beim Software-Unternehmen Siebel für den Vertrieb in Zentraleuropa verantwortlich.

Zahlreiche Firmen würden entweder übernommen oder müssten aufgeben. Zwar hätten sich viele Software-Anbieter mit Sparprogrammen über das Jahr 2002 gerettet, doch auch das kommende Jahr werde sehr schwer werden. "Vielen wird der Mut fehlen, weiterzumachen", erwartet Droste.

Unter Druck steht in Deutschland vor allem der fragmentierte Markt für mittelständische Software. "Wir rechnen 2003 mit einer Pleitewelle bei unseren Wettbewerbern im deutschen Markt", sagt Peter Dewald, Geschäftsführer der Sage-Tochter Sage KHK. Es würde ihn nicht überraschen, wenn von den 150 bis 200 deutschen Wettbewerbern in zehn Jahren nur noch weniger als die Hälfte existierten.

Allerdings sieht sich auch Sage einer wachsenden Konkurrenz durch Großkonzerne ausgesetzt. So ist der Software-Gigant Microsoft durch die Übernahme von Navision zu einem der größten Wettbewerber der Briten geworden. Auch SAP verstärkt das Geschäft mit kleineren Firmen. Für viele Sage-Manager dürften die Pläne von Peoplesoft-Chef Conway dennoch überraschend kommen. Bislang spielten die Briten selbst eine aktive Rolle im Konzentrationsprozess. In den zurückliegenden Jahren investierte Sage rund 1,5 Mrd. Euro in die Übernahme von 30 Firmen.

Auch die Anbieter von Nischenprodukten wie Kunden-Management-Systeme (CRM), geraten zunehmend unter Druck. So gilt der CRM-Miterfinder Siebel Systems als Übernahmekandidat. Das sieht Siebel-Manager Droste freilich anders: "Im Gegenteil - Wir wollen eine aktive Rolle bei der Konsolidierung spielen." Er verweist auf die mit rund 2,1 Mrd. $ gut gefüllte Kriegskasse. Gelegenheiten gibt es genug: Auch I2 und der Marktplatzspezialist Ariba gelten als Übernahmekandidaten. Beide sind nach Ansicht von Experten zu spezialisiert, um gegen Softwareanbieter wie SAP oder Peoplesoft konkurrieren zu können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%