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IBM stellt Versicherern den IT-Spend-Calculator zur Verfügung

Das "Online-Game" lohnt besonders für traditionelle Versicherer

HB BARCELONA. "Dreimal häufiger als Hundefutter sind die Verbraucher bereit ihre Versicherung zu wechseln." So drastisch formuliert Werbefachmann Michael Windsor, Chef der renommierten Agentur OgilvyInteractive Worldwide, die Gefahr, ohne Markennamen in der Welt des Internets unterzugehen. Im Internet drehe sich alles um Marken, sagt seine Erfahrung. Das gelte sowohl im Geschäft mit den Verbrauchern, dem so genannten Business to Consumer (B2C), wie auch im Business to Business (B2B) untereinander. Im Schnitt dauere es nur sechs Monate, um eine Produktinnovation zu kopieren. Versicherungsangebote ähnelten sich ohnehin sehr. "Die Marke ist es, die sie von der Konkurrenz unterscheidet", appellierte er an die von IBM in diesem Jahr in Barcelona versammelten Versicherungsvorstände auf ihrer "Global Insurance Executive Conference" Anfang November.

Zur Marke gehöre nicht bloß Werbung, ergänzt Windsor. Zur Marke gehöre alles: Wie das Telefon beantwortet werde, welche Kooperationspartner ausgewählt würden und nicht zuletzt die eigenen Mitarbeiter. Das werde erstaunlicherweise gerade von Dienstleistungsunternehmen häufig unterschätzt, mahnte der Werbeprofi. Norbert Dick, Leiter des Geschäftsbereichs Versicherungen der IBM in Deutschland moniert in diesem Zusammenhang, dass die Versicherer längst noch nicht allen Mitarbeitern den Zugang zum Web ermöglichten. Dick: "Das gehört aber zur e-Kultur dazu."

Erst letzte Woche belegten die Berater von Mummert+Partner dieses Manko mit Zahlen: Danach kennen nur ein Drittel der Versicherer den Anteil der Internetnutzer unter ihren Kunden; nur acht Prozent speichern konsequent die E-Mail-Adressen ihrer Kunden und nur jede fünfte Gesellschaft könne die Anfragen aus dem Netz ohne Medienbruch beantworten. Fazit: "Die Mehrheit der Unternehmen kann nicht in der virtuellen Welt kommunizieren, weil der direkte Draht zum Kunden fehlt."

Dabei werden die Finanzdienstleister nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Interaktivität mit den Kunden die eigenen Kosten senke. Gewisse Zweifel daran hegt indes John Rhodes, Chef von nekema.com. Er fragt sich, ob die Gesellschaften überhaupt prüften, ob durch das Internet tatsächlich an einer anderen Stelle Kosten wegfielen oder ob bloß neue hinzu kämen.

Einer, der genau nachgerechnet hat, ist Lars Grönstedt, Vorstand der Handelsbanken in Schweden. Seine Bank ist seit 1997 im Internet aktiv und seitdem seien die manuellen Transaktionen jedes Jahr um zwei Prozent zurückgegangen. Zwischen 20 und 50 % würden heute im Internet abgewickelt. "Dort kostet es weniger als die Hälfte," freut er sich und fügt gleich hinzu dass dies auch gut sei so, denn die Häufigkeit der Transaktionen nehme im Netz zu. Grönstedt: "Zum Glück ist es also billiger." Außerdem erwarteten die Kunden im Netz Rabatte. Es sei ein langer Weg bis zum Internet-Versicherer, bestätigt auch Niek Ligtelijn, Vorstand des niederländischen Online-Versicherers Ineas, der auch in Deutschland vertreibt.

Das "online-game" senke die Vertriebskosten, konstatiert ebenfalls Robert Scott, Chef der fünftgrößten europäischen Versicherungsgruppe CGNU. Der britische Marktführer sieht gerade auch für alteingesessene Versicherer große Chancen im Netz. Sie hätten gegenüber neuen Internet-Firmen u.a. den Vorteil, größerer Finanz- und Vertriebspower und gleichzeitig einen eingeführten Markennamen. Das Internet mit seinen Direktverkaufsmöglichkeiten ist für ihn daher eines der Wachstumsvehikel auf dem europäischen Versicherungsmarkt.

Die "dot-com-mania" ist auch für IBM-Mann Dick vorbei. "Jetzt geht es um das richtige e-business". Das heißt für ihn, die Kerngeschäftsprozesse auf neue Beine zu stellen und eine solide technische Infrastruktur zu schaffen. Dick: "Mir geht es zurzeit etwas zu intensiv um den reinen elektronischen Verkauf. Dabei handelt es sich um mehr. An die echten Einsparungen im Innendienst wird zu wenig gedacht." Die Branche sei zwar im Aufbruch. Doch die aktuellen Multi-Kanal-Strategien müssten zu "vernetzten Strategien" weiterentwickelt werden. Die Versicherer müssten entscheiden, ob sie das in Eigenregie betreiben oder outsourcen wollten.

In jedem Fall kostet es eine Menge Geld, technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben. Damit Versicherungsunternehmen sehen können, wo sie mit ihren IT-Ausgaben im Vergleich zur Branche liegen, hat IBM jetzt den "IT-Spend-Calculator" ins Netz gestellt. Er wirft je nach Land, Umsatzgröße und Mitarbeiterzahl die Relation des eigenen Jahresaufwands zum Branchenmittelwert aus. Die reinen Zahlen mögen nicht alles sagen, aber zumindest einen Anhaltspunkt liefern - etwa vor Übernahmen und Fusionen.

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