IBM-Umfrage
Deutsche Wirtschaft trottet bei Euro-Umstellung hinterher

Rund 30 % der IBM-Kunden wickeln ein Jahr vor der Bargeldeinführung der europäischen Gemeinschaftswährung ihre Geschäfte noch ausschließlich in D-Mark ab.

ddp BERLIN. Die deutsche Wirtschaft trottet bei der Euro-Umstellung im europäischen Vergleich hinterher. Rund 30 % der IBM-Kunden wickeln ein Jahr vor der Bargeldeinführung der europäischen Gemeinschaftswährung ihre Geschäfte noch ausschließlich in D-Mark ab, sagte der IBM-Deutschland-Chef Erwin Staudt am Donnerstag in Berlin. In Portugal hingegen rechneten bereits 98 % aller Firmen auf Euro-Basis, ergab die Umfrage unter 302 Unternehmen, die das Londoner Forschungsinstitut NOP im Auftrag von IBM vorgenommen hatte.

Staudt wertet die Zurückhaltung der deutschen Firmen als «Gefahr für den Aufschwung in Deutschland». Problematisch sei die Situation vor allem bei den 3,3 Mill. kleineren und mittleren Unternehmen, von denen 60 bis 70 % noch nicht eurofähig seien. So glaubten etwa 15 % der Handwerksbetriebe, dass das Euro-Bargeld nicht am 1. Januar 2002, sondern erst Mitte kommenden Jahres eingeführt werde, sagte Staudt.

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, führt den Nachholbedarf der Unternehmen auf psychologische Gründe zurück. Zum einen erledige man unangenehme Dinge gern erst in letzter Minute. Zum anderen herrsche bei vielen nach der gelungenen Computerumstellung zum Jahrtausendwechsel noch eine gewisse Unbekümmertheit. Doch hätte sich damals gezeigt, dass sich bei einer Umstellung in letzter Minute die Kosten verdreifachen. Ohoven warnte wegen der Euro-Umrechnung auch vor Inflationsgefahren. «Die meisten werden nach oben aufrunden», prophezeite er.

Bei der Euro-Aufklärung sieht Ohoven auch die Bundesregierung in der Pflicht. Sie habe mit ihrer Euro-Kampagne ihr Ziel «nicht voll erreicht», denn die Hälfte der Deutschen lehne den Euro ab. 0,07 ? pro Einwohner habe sich die Regierung die Aufklärungskampagne bisher kosten lassen, während es in Irland 4,80 ? pro Kopf seien, führte Ohoven als Begründung an.

Die Umstellung auf den Euro erfordere eine Analyse aller Geschäftsprozesse, sagte Marcus Schulz, Mitglied der Geschäftsführung beim Personaldienstleister Manpower. 1,3 Mill. ? habe sein 30 000 Mitarbeiter großes Unternehmen die Umstellung gekostet, rechnete Schulz vor. Wenig erfolgreich sei dabei allerdings gewesen, die Monatsabrechnungen bereits jetzt in Euro auszudrucken. Beinah jeder Arbeitnehmer sei gekommen und habe gesagt: «Ich krieg nur noch die Hälfte», berichtete Schulz.

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