IBM und Erdölstopp des Iraks belasten Aktienmärkte
Europäische Börsen unter Druck

Die anhaltenden Gewalttätigkeiten im Nahen Osten und der Anstieg der Ölpreise haben die internationalen Wertpapierbörsen am Montag deutlich unter Druck gesetzt. Auch eine unerwartet schwache Quartalsprognose des weltweit größten Computerkonzerns IBM verstärkte die negative Tendenz an den Aktienmärkten.

HB/rtr Frankfurt. Der irakische Präsident Saddam Hussein kündigte am Montag an, die Ölexporte des Landes zunächst für einen Monat auszusetzen. Er forderte Israel zum Rückzug aus den Palästinensergebieten auf. Erst danach werde das Land wieder Öl liefern. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die Fortsetzung der israelischen Militäroffensive im Westjordanland angekündigt. Sowohl US-Präsident George W. Bush und der UNO-Sicherheitsrat hatten Israel aufgefordert, seine Truppen aus Palästinensergebieten abzuziehen.

Bis zum frühen Abend verlor der europäische Aktienindex FTSE Eurotop 300 rund 1,3 Prozent auf 1241 Zähler. Der Dow Jones Stoxx 50 sank um 1,49 Prozent auf 3567 Punkte. In Deutschland gab der Deutsche Aktienindex (Dax) zeitweise auf ein Fünf-Wochen-Tief ab und lag mehr als 1,8 Prozent tiefer bei 5162 Zählern. In den USA notierten der Dow Jones- und der Nasdaq-Composite-Index im Verlauf mit Abschlägen von jeweils 0,8 und 1,4 Prozent.

Händler und Analysten sagten, die Krise im Nahen Osten habe die Risikobereitschaft der Investoren ohnehin schon gedämpft, nun komme die Unsicherheit über die Ölpreis-Entwicklung hinzu. Durch weiter steigende Ölpreise könne die Aussicht auf eine baldige Konjunkturerholung zunichte gemacht werden. Auch befürchteten Marktteilnehmer nach schwachen IBM-Quartalsprognose weitere negative Unternehmensnachrichten, hieß es.

Der Preis für die richtungweisende Erdöl-Sorte Brent mit Liefertermin Mai lag mehr als einen Dollar höher als am Vortag bei 27,34 Dollar je Barrel (159 Liter). In der vergangenen Woche war der Preis vor dem Hintergrund der Gewalttätigkeiten im Nahen Osten bereits auf ein Sechs-Monats-Hoch von zeitweise 28,15 Dollar geklettert. Nach Einschätzung des leitenden Aktienhändlers bei Standard Life Investments, Stuart Fraser, stellt der derzeitige Ölpreis noch keine Gefahr für das weitere Wirtschaftswachstum dar. "Nur eine Militäraktion gepaart mit einem Anstieg auf über 30 Dollar je Barrel könnten die Aktienkurse nachhaltig beeinflussen."

Auf die Stimmung drückte auch das Eingeständnis des US-Computerkonzerns IBM, im ersten Quartal 2002 einen starken Gewinn- und Umsatzrückgang zu erwarten. Eine Sprecherin der International Business Machines (IBM) sagte, der Gewinn je Aktie werde im ersten Quartal auf 0,66 bis 0,70 Dollar von 0,98 Dollar im Vorjahr sinken. Analysten hatten im Mittel einen Gewinn je Aktie von 0,85 Dollar prognostiziert.

An den Rentenmärkten konnten vor dem Hintergrund der Spannungen im Nahen Osten und den herabgesetzten IBM-Gewinnaussichten nach Einschätzung von Händlern Anleihen mit kurzer Laufzeit zulegen. Investoren schichteten aus dem volatilen Aktienmarkt in den als "sicheren Hafen" geltenden Anleihemarkt um. Der Goldpreis konnte in Europa zeitweise zulegen. Im Verlauf hatte das Edelmetall ein Hoch bei 301 Dollar markiert, gab danach aber wieder etwas ab. Der Euro gab am Montag im europäischen Devisenhandel zwischenzeitlich rund einen halben Cent nach, stabilisierte sich dann jedoch bei geringen Umsätzen bei 0,8747 Dollar. Die von Irak angekündigte 30-tägige Aussetzung von Ölausfuhren hatte indes Händlern zufolge kaum Reaktionen auf den Dollar gezeigt.

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