IBM und Sun Microsystems haben die Rolle als Marktführer bei Supercomputern übernommen
Handelsübliche Chips schaffen Höchstleistungen

Der Mannheimer Professor Hans Werner Meuer stellt zweimal im Jahr eine Liste der weltweit schnellsten Computer zusammen. IBM und Sun liegen mit Rechnern vorne, die mit gängigen Prozessoren arbeiten. Die Hersteller teurer Sonderanfertigungen verlieren zunehmend an Bedeutung.

MANNHEIM. Die langjährige Nummer eins unter Deutschlands Supercomputern hat ausgedient. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach ersetzt seinen von der Firma Cray in Seattle gebauten Hochleistungsrechner durch einen Standardcomputer von IBM. Die Entscheidung der Wetterforscher wirft ein Schlaglicht auf die Branche: Die weltstärksten Rechner bestehen immer häufiger aus Bauteilen, die auch in PC oder Unternehmensservern verwendet werden. Und eingesetzt werden die Hochleistungsmaschinen zunehmend für Allerweltsanwendungen - die gleichwohl extrem hohe Anforderungen an die Leistung stellen.

Lange Zeit war der Name Cray ein Synonym für Supercomputer. Das betagte Modell T3E beim Wetterdienst weicht nun einem IBM-Parallelrechner mit 1 280 Prozessoren vom Typ Power 3. Die Prozessoren sind dieselben, die auch in Computern für ein paar tausend Dollar arbeiten. IBM, der Marktführer bei Unternehmensservern, ist inzwischen auch die Nummer eins beim Supercomputing. Es folgt Sun Microsystems, Palo Alto, deren Logo die meisten Internet-Server tragen.

"Vor ein paar Jahren sind alle Hochleistungsrechner noch von spezialisierten Unternehmen wie Cray, Convex oder Thinking Machines entwickelt worden", blickt Larry Smarr, der Chef des US-amerikanischen Instituts für Supercomputeranwendungen zurück. Heute dominieren IBM, Sun oder Hewlett-Packard. Sie nutzen ihre Größenvorteile und haben die spezialisierten Supercomputerbauer zum Teil sogar übernommen.

Noch vor ein paar Jahren dominierten Vektorrechner die Liste der 500 weltstärksten Supercomputer, die der Mannheimer Professor Hans Werner Meuer alle sechs Monate zusammenstellt. Vektorprozessoren sind teure Spezialanfertigungen. Sie heißen so, weil sie besonders gut mit Vektoren und Matrizen umgehen können, die in wissenschaftlich-technischen Berechnungen häufig vorkommen. 332 der so genannten Number Cruncher in Meuers Liste von 1993 waren Vektorrechner. In der aktuellen Aufstellung vom Juni finden sich nur noch 47 dieser Exemplare.

Heute herrschen massiv-parallele Computer vor. In ihnen arbeiten Hunderte oder Tausende von Standardchips wie IBM?s Power- und Compaqs Alpha-Prozessoren oder Pentium-Chips von Intel. Damit sie eine hohe Rechenleistung erbringen können, müssen die Programmierer ihre Software so schreiben, dass jeweils Teile davon gleichzeitig abgearbeitet werden können. Anschließend werden die Programmstücke und die zugehörigen zu verarbeitenden Daten verschiedenen Prozessoren zugeordnet. Partitionieren heißt das in der Fachsprache der Informatiker. Statt von einem teuren Hochleistungschip kann das Programm so von vielen Prozessoren aus der Massenfertigung verarbeitet werden.

Noch einen Schritt weiter gehen die Entwickler von Clustern. Sie teilen die Rechenarbeit gleich auf mehrere handelsübliche Computer auf. Das ist besonders billig, zumal auf den Rechnern meist das kostenlose Betriebssystem Linux läuft. Zwar steht für Cluster noch nicht so viel Systemsoftware zur Verfügung wie für traditionelle Supercomputer. Der PC-Hersteller Compaq hat aber bereits Systemsoftware von Crays T3E auf Cluster aus Alpha-Rechnern portiert und sein Dateisystem der Linux-Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Statt Forschung und Militär sind die heutigen Unternehmen die wichtigste Käufergruppe von Superrechnern. Die Automobilindustrie etwa spart durch Simulationen teure Crash-Tests. Neu als Kunden sind hingegen die Dienstleister. "Telekommunikationsunternehmen und Banken sind stark im Kommen", sagt Meuer. Sie fahren meist Datenbanken auf ihren Zahlenfressern.

Der Wandel in der Kundenstruktur zeigt sich auch in der räumlichen Verteilung der deutschen Hochleistungsrechner. "Die meisten stehen in Hessen", sagt Meuer. Das liege nicht nur an den Banken im Raum Frankfurt. "Die T-Systems macht in Darmstadt das gesamte IT-Geschäft für die Telekom."

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