IBM wegen Einsatz von Rechnern in KZs in der Kritik
Ex-Zwangsarbeiter reichen Klage gegen IBM ein

afp WASHINGTON. Der Computerriese IBM soll den Nazis wissentlich seine Rechner für die Verwaltung von Konzentrationslagern zur Verfügung gestellt haben.

Das US-Unternehmen habe mit den Lochkartensystemen seiner deutschen Filiale Dehomag aktiv dazu beigetragen, die Verbrechen an den Juden zu organisieren, schreibt der Autor Edwin Black in seinem am Montag erscheinenden Buch, das dem Nachrichtenmagazin "Newsweek" vorab vorlag. Ehemalige Zwangsarbeiter in den USA reichten aufgrund der Vorwürfe eine Klage gegen IBM ein, wie ihr Anwalt Michael Hausfeld in Washington mitteilte. Es sei erwiesen, dass die New Yorker Muttergesellschaft bis mindestens 1943 die Kontrolle über die Dehomag gehabt und gewusst habe, dass ihre Maschinen in KZs benutzt worden seien. IBM argumentierte in einem betriebsinternen Rundschreiben, die Vorwürfe gegen die Dehomag seien seit langem bekannt.

Laut Black lieferte der spätere Computerriese den Nazis maßgeschneiderte Systeme, um die jüdische Bevölkerung zu registrieren und diese Informationen für Enteignungs- und Vertreibungskampagnen auszuwerten. Die Lochkarten-Systeme waren Vorläufer moderner Computer. Nach Angaben Hausfelds wurden die IBM-Maschinen von den Nazis geleast und regelmäßig von IBM-Technikern gewartet. Aufgrund der Arbeitsberichte, die von den Technikern abgeliefert worden seien, müsse die US-Mutterfirma sowohl über den Zweck der Konzentrationslager als auch über die Verwendung ihrer Maschinen informiert gewesen sein. An dem Geschäft mit den Nazis habe IBM damals mindestens 10 Mill. $ verdient, sagte Hausfeld, der zu den finanziellen Forderungen der Kläger ansonsten keine Angaben machen wollte.

Nach Darstellung Blacks verwaltete der damalige IBM-Chef Thomas Watson Sr. das Geschäft mit Deutschland bis 1940 im Detail. Hausfeld betonte, New York habe wahrscheinlich sogar bis 1944 in engem Kontakt zur deutschen IBM gestanden. Ohne die Unterstützung von IBM hätte Adolf Hitler "nicht so schnell und effizient Juden und andere Minderheiten ausfindig gemacht, sie als Zwangsarbeiter benutzt und schließlich vernichtet".

IBM äußerte sich zunächst nicht direkt zu den Vorwürfen. In einer Mitteilung an die Angestellten, die schon am Freitag verbreitet wurde, bot das Unternehmen jedoch eine Prüfung der Vorwürfe an. Eine der Rechenmaschinen ist seit Jahren im Holocaust-Museum in Washington ausgestellt. Die Dehomag sei wie hunderte anderer Firmen vor und während des Zweiten Weltkrieges von den Nazis kontrolliert worden, hieß es in der Mitteilung. Nach Angaben Hausfelds muss IBM innerhalb von 20 Tagen zu der Klage Stellung beziehen.

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