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IBM zieht sich aus dem PC-Geschäft zurück - Lenovo wird Nummer 3

Der ehemalige Branchenprimus IBM hat sich von seinem wenig rentablen PC-Geschäft getrennt. Konnte IBM Anfang der achtziger Jahre als Marktführer noch hohe Margen mit Personal-Computern realisieren, so wird der Markt heute vom Vernichtungswettbewerb über den Preis geprägt.

dpa-afx ARMONK/PEKING. Der ehemalige Branchenprimus IBM hat sich von seinem wenig rentablen PC-Geschäft getrennt. Konnte IBM Anfang der achtziger Jahre als Marktführer noch hohe Margen mit Personal-Computern realisieren, so wird der Markt heute vom Vernichtungswettbewerb über den Preis geprägt. Wie von Dell-Chef Michael Dell prognostiziert, hat sich der PC zur Massenware entwickelt. Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart bietet in den USA schon für knapp 350 Euro ein aktuelles Modell samt Flachbildschirm an. Mit IBM verlässt die bisherige Nummer drei auf diesem Markt die Bühne.

Der führende chinesische Computerhersteller Lenovo (ehemals Legend) wird das PC-Geschäft von IBM für insgesamt rund 1,75 Mrd. Dollar übernehmen - einen Bruchteil der zehn Mrd. Dollar, die von der Sparte 2003 umgesetzt wurden. Durch die Übernahme rückt der Staatsbetrieb zum drittgrößten PC-Hersteller der Welt auf. Auf Grundlage der Geschäftszahlen von 2003 beläuft sich der jährliche Umsatz des fusionierten Unternehmens auf zwölf Mrd. Dollar. Der PC-Weltmarktanteil beläuft sich dem Marktforschungsinstitut IDC zufolge auf acht Prozent.

Analysten Sehen Dell ALS Gewinner DER Übernahme

Die Analysten von Piper Jaffray nannten den Kaufpreis "ärmlich". Wie ihre Kollegen von JP Morgan sehen sie den Marktführer Dell als eigentlichen Gewinner der Fusion. Nach Ansicht der Marktforscher von IDC werden Dell und Hewlett-Packard jede mögliche Verunsicherung der IBM-Kundschaft für sich zu nutzen wissen.

Aber auch für "Big Blue" bringt der klare Schnitt mit der Vergangenheit Vorteile "Für IBM war es ein Kampf, die PC-Sparte in den letzten Jahren rentabel zu halten", heißt es in einer aktuellen Analyse des Marktforschungsinstituts IDC. Der Reiz des Deals liege darin, dass er die Marke und die Technologie von IBM mit den Möglichkeiten Lenovos zur kostengünstigen Produktion zusammenbringe. Produziert wurden IBM-PCs schon lange in der Volksrepublik: gemeinsam mit Great Wall Technology in Shenzhen.

Strategische Zusammenarbeit

Nun soll Lenovo 10 000 IBM-Mitarbeiter übernehmen, davon 40 Prozent in China. Die Mitarbeiterzahl der seit 1994 an der Hongkonger Börse notierten Gesellschaft würde sich dadurch mehr als verdoppeln. Zugleich beteiligt sich IBM an Lenovo: Rund 600 Mill. Dollar des Kaufpreises soll in Form von Aktien gezahlt werden. Das entspräche einem Anteil von 18,9 Prozent an dem IT-Unternehmen. Beide Unternehmen sehen die Übernahme als Beginn einer breit angelegten strategischen Zusammenarbeit. Danach soll der derzeitige Chef der IBM Personal Systems Group, Stephen Ward, das chinesische Unternehmen von New York aus führen.

Lenovo soll IBM mit Personal-Computern beliefern. Für die Kunden ändere sich nichts. Für zunächst fünf Jahre können die Chinesen für ihre Produkte den Markennamen IBM verwenden. IBM werde sie über die bestehenden Vertriebskanäle vermarkten und als bevorzugter Partner für Finanzierungs-, Leasing- und IT-Dienstleistungen auftreten. Analystin Leslie Fiering vom Marktforschungsinstitut Gartner geht allerdings davon aus, dass es Lenovo schwer fallen wird, seine neue Position als drittgrößter PC-Hersteller zu behaupten. "Die größten Schwierigkeiten für Lenovo dürften darin liegen, dass die Chinesen außerhalb ihren Heimatmarktes keinerlei Erfahrung mitbringen", sagte Fiering am Mittwoch./hi/zb

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