Ibrahim Belselah koordiniert die IWF- und Weltbanktagung in Dubai
Ein Mann der Mitte

Die IWF-Tagung im Herbst ist von hoher Bedeutung für Dubai. Auf dem Organisator lastet viel Verantwortung. Doch Ibrahim Belselah kennt Ost und West - und bringt beide Welten zusammen.

DUBAI. Ruhig wirkt er, dieser Ibrahim Belselah. Still wird es im Konferenzraum der IWF-Sponsoren, sobald er ihn betritt. Eilig schenken ihm seine Mitarbeiter Kaffee ein. Keine Frage: Er ist der Chef. Dafür bedarf es keiner Worte.

Belselah ist Generalkoordinator der Tagung der Weltbank und des Internationalen Weltwährungsfonds (IWF), die ungeachtet des Irak-Kriegs und der Unruhe in den arabischen Nachbarländern Ende September in Dubai stattfinden soll. "Die Konferenz ist eine einmalige Gelegenheit, Dubai als wichtigstes Finanzzentrum im Mittleren Osten zu etablieren", sagt Belselah. Mit der Tagung will das Emirat zudem alle Zweifel daran auslöschen, dass es in irgendeiner Form etwas mit der Finanzierung der Attentate auf das World Trade Center zu tun habe.

Auf Organisator Belselah lastet eine hohe Verantwortung. Um das Treffen einer westlich dominierten Finanzwelt in einem arabischen Land harmonisch über die Bühne zu bekommen, muss er sich sicher auf glattem Parkett bewegen können. Die Kritik der "islamischen Brüder" am amerikanischen System muss er ebenso berücksichtigen wie die Sicherheitsbedenken, die die weltweiten Finanzgurus beim Tagungsort Dubai haben.

Belselah ist ein bedächtiger, nach außen hin unverbindlich diplomatischer Mann. Vorsichtig lässt er sich auf einem Stuhl nieder, ordnet die seltsam antiquiert anmutenden Bänder des traditionellen Wüstengewandes, der "Dishdasha", zupft das arabische Kopftuch zurecht. "Meine Familie hat schon immer in der Mitte gestanden", sagt er. "Vielleicht bin ich deshalb ausgeglichener als meine Landsleute."

Der Organisator entstammt einer der traditionellen Händlerdynastien Dubais. Seine Urgroßväter zogen vor 100 Jahren bis in den Iran, um Getreide, Schmuck und Gewürze an den Golf zu bringen. Sein Vater handelte mit Sportwaffen. Wie die meisten jungen Emiratis ging er als Teenager zum Studium in die USA. Doch während seine Freunde dort gerne über die Stränge schlugen, besann sich Belselah auf seine Wurzeln. "Ich war frei zu wählen und habe meine eigenen Werte vorgezogen", sagt er heute. In Connecticut sucht und findet er Zugang zum Islam, fühlt sich mehr und mehr "als Botschafter meines Landes."

Dennoch arbeitet er während und nach seinem Ingenieurstudium in verschiedenen US-Unternehmen, in der Luftfahrtindustrie und bei einem Werkzeughersteller. Mitte der achtziger Jahre, als Dubai langsam aus dem behäbigen Erdölschlaf erwacht, kehrt er in seine Heimat zurück.

Ein lukrativer Job in der Regierung winkt - nicht außergewöhnlich in einem Staat, in dem die meisten Managerposten von Ausländern besetzt sind und sich Einheimische gerne in der Verwaltung ausruhen. Er saniert die oberste Finanzbehörde, verschiedene staatliche Unternehmen, reinvestiert öffentliche Gelder und spielt den Berater bei Handelskonflikten. Nach dem Unfalltod des Vaters kümmert er sich außerdem um das Familienvermögen und gründet ein Unternehmen nach dem anderen mit dem Geld aus dem Sportwaffengeschäft.

Belselah könnte zufrieden sein. Doch "ich wollte noch etwas für mein Land tun", sagt er. Die IWF-Tagung ist dieser Dienst am Land, der vorläufige Höhepunkt einer Karriere im Schatten der Scheichs, die ihm mit einem Stipendium das Studium im Ausland ermöglichten. Gleichzeitig ist die Tagung auch der vorläufige Höhepunkt in der Entwicklung Dubais. Das Land will sich von einer arabisch geprägten Ölnation zu einem westlichen Handels- und Dienstleistungszentrum wandeln.

Eine neue Generation hat das Ruder übernommen. Emiratis wie Belselah, die ihre Werte behalten, aber den Westen nicht ablehnen, weil sie ihn kennen. Das spiegelt sich auch in Belselahs Privatleben wider. Er ist mit einer Malerin verheiratet. Den kleinen Sohn erziehen sie ganz unarabisch "gemeinsam".

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