Icann-Entscheidung
Neue Internet-Adressen - Die Angst vor dem Tag Null

Neue Internet-Endungen braucht die Netzgemeinde, wie zum Beispiel .biz, hat Icann beschlossen. Doch der Teufel steckt im Detail...

Der Beschluss ist gefallen: Neue Endungen für Internet-Adressen, im Netzjargon "Top Level Domains" (TDL) genannt, werden vermutlich im kommenden Jahr eingeführt. Weil begehrte - besser gesagt: gut zu vermarktende - Namen mit der Endung .de oder .com knapp geworden sind, hat der Internet-Regulierer Icann jetzt neue Namensgruppen geschaffen. Zum Beispiel .biz für Unternehmen oder .pro für andere Geschäftsleute. Der Teufel steckt freilich im Detail.

Der Wunsch nach neuen Top Level Domains verwundert zunächst nicht. Schließlich kann jede Domain (auf deutsch: Internet-Adresse) nur einmal vergeben werden. Und weil die Adresse Auto.biz schon weg ist, spekuliert so mancher findige Karossen-Händler auf die Domain Auto.biz. Denn gute und einprägsame Domain-Namen sind in der Internet-Wirtschaft Gold Wert - sie sparen möglicherweise Millionensummen an Marketingkosten.

Was als Forderung verständlich klingt, wirft in der konkreten Umsetzung große Probleme auf. Vertreter der Registrierungsstellen für Domain-Namen sprechen von dem "Tag-Null-Problem". An eben jenem Tag, an dem die neuen Top Level Domains möglich sein sollen, werden sich möglicherweise Dutzende, Hunderte oder gar Tausende von Registrierungswilligen um ein und den selben attraktiven Domain-Namen bemühen. Bei den Registrierern, allen voran der amerikanischen gemeinnützigen Internet-Selbstverwaltungsorganisation Icann, werden an diesem Tag die Systeme zusammenbrechen, wird befürchtet.

Relativ leicht dürfte das Problem der Markennamen zu lösen sein: Die Domain DaimlerChrysler.biz wird vermutlich auch an den deutsch-amerikanischen Automobil-Riesen gehen, selbst wenn einer der findigen Domain-Räuber im Netz sich die Adresse noch vor dem Weltkonzern sicher sollte. Da werden sich die Anwälte von Daimler-Chrysler schon etwas einfallen lassen, zumal Icann versichert hat, dass es Markenrechte in Zukunft bei der Vergabe von Internet-Namen besser schützen will.

Komplizierter wird sich die Vergabe gestalten, wenn zwei oder mehr Unternehmen sich um einen Namen streiten: Wer bekommt die Domain db-ag.biz, die Deutsche Bank oder die Deutsche Bahn? Wahrscheinlich wird gelten: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das wiederum birgt jede Menge Konflitkstoff in sich. "Es ist schwierig zu entscheiden, wer zuerst da war", erklärt Sabine Dolderer von der deutschen Registrierungsstelle Denic , die für die Vergabe von .de-Endungen zuständig ist. Technisch sei das zwar durchaus möglich, wenn auch sehr schwierig. Doch Dolderer kann die Einwände der Zu-Kurz-Gekommenen schon hören: "Ich habe ja schon viel früher versucht, Sie zu erreichen", dürfte es dann heißen, so Dolderer.

Die Icann hat das Problem offenbar aber noch nicht erkannt. Konkrete Vorschläge, wie das Tag-Null-Problem angegangen werden soll, gibt es jedenfalls noch nicht. "Die lassen das auf sich zukommen", meint Sabine Dolderer.

Doch trotz aller Kritik an Icann wird eines klar: Die alten Organisationsstrukturen für das Internet, als es nur ein paar Tausende Domain-Namen zu verwalten gab, sind reformbedürftig. Die - mehr oder minder - demokratische Wahl von fünf Direktoren für den Icann-Vorstand durch die weltweite Netzgemeinde war da nur der erste Schritt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%