Icann kümmert sich um Streitigkeiten bei Domainnamen
Internationale Internet-Regierungswahl geht in die heisse Phase

dpa BERLIN. Die Wahlen für die internationale Internet- Regierung Icann, die zukünftig weltweit für die Verwaltung des Internets zuständig sein wird, gehen in die heiße Phase. Die bei den Vorwahlen in Europa bisher führenden zwei deutschen Kandidaten, die Berliner Andy Müller-Maguhn und Jeanette Hofmann, lagen am Freitagabend kurz vor Wahlschluss praktisch uneinholbar vorne.

Sie sind damit für die Endwahlen nominiert und müssen nun gegen die fünf offiziell von Icann für Europa aufgestellten Bewerber für einen Direktoriumsposten antreten. Icann organisiert die Wahl basisdemokratisch: Alle Mitglieder - vor allem Unternehmen aus der Branche - können mitbestimmen, jeder hat die Chance zu kandidieren.

Bei den Vorwahlen für die europäischen Direktoriumsposten stimmten für Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club bis Freitagnachmittag 11,4 % aller surfenden Mitglieder. Etwas mehr als fünf Prozent stimmten für die Politologin Hofmann, die eine der wenigen unabhängigen Kandidaten ist. "Für die Direktoriumswahl rechnen wir uns als selbst nominierte Kandidaten gute Chancen aus", sagte Hofmann der dpa in Berlin. Die selbst nominierten Bewerber seien durch die jüngsten Debatten im Internet womöglich bekannter als die fünf offiziellen Kandidaten.

Dies könnte ein Vorteil für die selbst nominierten Kandidaten sein, die der nicht kommerziellen Internet-Szene zugeordnet werden. Diese hätten sich auch stärker an den Internet-Diskussionen beteiligt. "Der Wahlkampf wird sich ändern", sagte Hofmann. Nun müssten die "Offiziellen" endlich in Aktion treten.

Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) kümmert sich vornehmlich um Streitigkeiten bei Domainnamen. Die Wahl der fünf neuen Direktoren findet vom 1. bis zum 10. Oktober statt. Zu den von Icann nominierten Europäern gehört unter anderem der deutsche Telekom-Manager Winfried Schüller.

Wahlbeteiligung bislang gering

Die Wahlbeteiligung war bisher allerdings äußerst gering. Von den 35 900 europäischen Icann-Mitgliedern hatten bis zum Freitagabend gerade knapp 8 800 ihre Stimme abgegeben. Von einem potenziellen Kandidaten wird unter anderem technischer Sachverstand, finanzielle Unabhängigkeit und ausreichend Zeit erwartet.

Während Müller-Maguhn allerdings im Ausland auf Grund seiner Mitgliedschaft im Chaos Computer Club kritisch beäugt wird, schlägt Hofmann aus der Industrie Gegenwind ins Gesicht. Sie hatte sich für eine Demokratisierung ausgesprochen und dafür plädiert, Technik nicht nur in Hände von Techniker fallen zu lassen. "Mit meiner Kandidatur störe ich die Schrebergärten der Ingenieure", sagte Hofmann.

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