"Ich bin ein Journalist im Fernsehen, nicht mehr und nicht weniger"
Ernst Dieter Lueg tot: Leiter des Bonner ARD-Studios unvergesslich

dpa HAMBURG/BONN. Sein Markenzeichen war der "Bericht aus Bonn": Der TV-Journalist Ernst-Dieter Lueg, der an seinem 70. Geburtstag im Januar noch große Pläne schmiedete, ist tot. Der frühere Leiter des Bonner ARD-Studios starb nach Angaben seiner Tochter Barbara vom Dienstag an den Folgen einer Krebserkrankung.

Lueg, der aus Essen stammte, hatte sein Geschäft bei der Zeitung gelernt. Seine Fernsehkarriere am Rhein begann 1967. Zusammen mit Friedrich Nowottny bildete der leicht näselnde Lueg ein beliebtes Gespann: Nach dem Aufstieg Nowottnys zum WDR-Intendanten übernahm Lueg 1985 die Leitung des Bonner Studios und wurde ARD - Chefkorrespondent. Insgesamt war er bis zu seiner Pensionierung 1995 rund 450 Mal mit dem "Bericht aus Bonn", der "Bonner Runde" und mit Beiträgen für die "Tagesschau" auf Sendung.

Unvergesslich wurde 1976 nach der Bundestagswahl ein Interview mit dem SPD-Politiker Herbert Wehner, der Lueg mit "Herr Lüg" anredete, das gedehnte "e" in Luegs Namen absichtlich ignorierend. Der Reporter konterte prompt: "Vielen Dank, Herr Wöhner". Sein Kollege Nowottny meinte dazu in der "Welt", so sei Lueg gewesen: "schlagfertig, witzig und nicht so schnell zu beeindrucken".

Nicht alle waren dieser Meinung: Wegen seines rhetorischen und mimischen Talents wurde Lueg einst vom "Spiegel" als "trauriger Vermittler Bonner Platitüden" verspottet. Lueg antwortete darauf in seiner nüchternen Art: "Ich bin ein Journalist im Fernsehen, nicht mehr und nicht weniger. Ich bin kein Volksschauspieler. Und ich will nicht 'everybody's darling' sein".

Auch nach seiner Pensionierung blieb Lueg dem Bildschirm treu. Er arbeitete mit dem Privatsender RTL zusammen und auch mit SAT.1, machte Radio und hielt im ganzen Bundesgebiet Vorträge. "Die Katze lässt das Mausen nicht", sagte Lueg selbst.

Lueg, der den Berlin-Beschluss des Bundestages einst als "falsch und fatal" bezeichnet hatte, verbrachte zuletzt mehr Zeit an der Spree als am Rhein. "In Berlin spielt die Musik", meinte er. Lueg hatte sich dort auch eine Eigentumswohnung gekauft und war weit vom Ruhestand entfernt. "Ich bin zwar nicht mehr jeden Tag auf der Walz, aber weiterarbeiten möchte ich, solange es mir noch Spaß macht", sagte er der dpa im Januar.

Seit 1960 war Lueg mit der Auslandskorrespondentin Wiltrud Lueg verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

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