„Ich brauche Ihre Unterstützung"
Kontrahenten rufen zur Versöhnung auf

Nach einem monatelangen erbitterten Wahlkampf haben US-Präsident George W. Bush und sein unterlegener demokratischer Herausforderer John Kerry die Amerikaner zur Versöhnung aufgerufen. Bush hatte sich nach einem dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen und einer langen Wahlnacht am Mittwochmorgen (Ortszeit) eine zweite Amtszeit im Weißen Haus gesichert. Auch bei den Kongresswahlen konnten die Republikaner von Bush überraschend viele Sitze hinzugewinnen.

HB WASHINGTON. Kerry gestand öffentlich seine Niederlage ein und rief die politischen Lager zur Versöhnung auf. Bush kündigte in seiner Siegesrede die Fortsetzung des entschlossenen Kampfes gegen den Terrorismus an und würdigte die "guten Verbündeten" an seiner Seite. Die amerikanischen Aktienbörsen reagierten mit starken Kursgewinnen auf den Wahlsieg Bushs.

Bundeskanzler Gerhard Schröder gratulierte Bush zu seiner Wiederwahl. "Die Welt steht zu Beginn Ihrer zweiten Amtszeit vor großen Herausforderungen." Diese ließen sich nur gemeinsam meistern. Deshalb sehe er "mit großer Erwartung" der weiteren Zusammenarbeit "auf der Grundlage der engen Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten" entgegen, schrieb der Kanzler in seinem Telegramm. "Ich wünsche mir, dass das Verhältnis zwischen den USA und Europa (...) wieder besser wird", sagte CDU-Chefin Angela Merkel in Prag.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac gratulierte und wünschte sich eine Zusammenarbeit in einem Geist des Dialogs und der gegenseitigen Achtung. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan gratulierte Bush zum Wahlsieg und betonte den Wunsch nach stärkerer Zusammenarbeit zwischen den USA und den Vereinten Nationen.

Bis zu Kerrys Eingeständnis der Wahlniederlage drohte den Vereinigten Staaten wie vor vier Jahren eine wochenlange Hängepartie, weil das offizielle Ergebnis in dem heiß umkämpften Bundesstaat Ohio ungewiss war. In einer Rede vor tausenden Anhängern in Boston (Massachusetts) räumte Kerry dann aber ein, dass er keine Gewinnchance mehr sehe und deshalb aufgebe.

Bush sicherte sich somit die 20 Wahlmännerstimmen in Ohio und hatte damit die notwendigen 270 Stimmen für seine Wiederwahl sicher. Landesweit kam Bush auf 51 % der Stimmen, Kerry auf 48 %. Damit lag Bush mit mehr als 3,5 Mill. Stimmen vor dem Senator aus Massachusetts. Insgesamt stimmten rund 114 der 217 Mill. Wahlberechtigten ab, für die USA die höchste Wahlbeteiligung seit über 40 Jahren.

Bush versprach, er werde alles in seinen Kräften Stehende tun, um seine Pflicht als Präsident zu erfüllen. Um die Nation "stärker und besser" zu machen, benötige er die Unterstützung der Kerry-Anhänger, "und ich werde alles tun, um sie zu verdienen". Kerry seinerseits erklärte, nun sei die Zeit zur Versöhnung gekommen.

Bei den Kongresswahlen mussten die Demokraten eine weitere herbe Niederlage einstecken. Besonders schmerzhaft war die Abwahl ihres Fraktionschefs im Senat, Tom Daschle, der sich im Bundesstaat South Dakota einem jungen christlich-konservativen Republikaner geschlagen geben musste. Die Republikaner gewannen vier Sitze hinzu und haben jetzt 55 Senatoren. Die Demokraten stellen 44 Senatoren. Ein Unabhängiger stimmt üblicherweise mit ihnen.

Bei den Volksabstimmungen erteilten die Wähler in elf Bundesstaaten Bestrebungen zur Zulassung der Homo-Ehe eine Absage. In Kalifornien machten die Wähler ihren Staat aber zum Vorreiter der staatlichen Förderung für die Stammzellenforschung. Kalifornien will dafür die Forschung demnächst mit drei Mrd. Dollar fördern.

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