„Ich freue mich, wenn die Zeitarbeitsunternehmen zu Verhandlungen bereit sind“
Nachgefragt: Ursula Engelen-Kefer zur Zeitarbeit

Ursula Engelen-Kefer ist die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Lange galt Zeitarbeit den Gewerkschaften als "moderne Sklaverei". Hat sich da inzwischen etwas geändert?

In der Tat haben wir lange Zeit versucht, Leiharbeit generell zu verhindern. Das hatte einen plausiblen Hintergrund: Hinter dem legalen Arbeitskräfteverleih gibt es ja leider ein wild blühendes Geschäft mit illegaler Arbeitnehmerüberlassung.

Das 1972 eingeführte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz und das Verbot der Leiharbeit im Baugewerbe haben dies zumindest etwas zurückgedrängt. Allerdings haben wir auch festgestellt, dass mit dem Wandel der Arbeitswelt, etwa im Dienstleistungssektor, Veränderungen eingetreten sind. Einige Arbeitnehmergruppen sind nicht mehr so stark in Familienverantwortung eingebunden und haben daher andere Interessenlagen entwickelt. Das hat dazu geführt, dass es auch eine Entwicklung der Leiharbeit gab, die nicht immer nur zu Lasten der Arbeitnehmer war. Einige Gewerkschaften sind daher sogar so weit gegangen, dass sie Tarifverträge mit Leiharbeitsagenturen abgeschlossen haben - etwa bei Randstad.

Dieser trifft aber auch bei der Gewerkschaften auf erkennbare Vorbehalte.

Wenn man sich diesen Tarifvertrag näher ansieht, dann findet man in den unteren Lohnbereichen sehr niedrige Stundensätze von 12 bis 14 DM - das ist in der Tat nicht unproblematisch. Dennoch sehe ich, dass die Gewerkschaften anders an das Thema herangehen: Zeitarbeit ist ein Faktum - wir müssen verhindern, dass es zu illegaler Leiharbeit kommt. Im Übrigen müssen wir aber alle Möglichkeiten nutzen, Leiharbeitsverhältnisse zu gestalten und, wo erforderlich, auch zu schützen.

Bringt das Job-aktiv-Gesetz in diesem Zusammenhang einen Fortschritt?

Ein Fortschritt ist es ohne Zweifel, dass künftig vom 13. Einsatzmonat an die Tarif- und Arbeitsbedingungen des Entleihbetriebs gelten. Dies schützt davor, dass bei längeren Einsatzverhältnissen zwei Klassen von Arbeitnehmern entstehen - die besser bezahlten Stammbeschäftigten und die schlechter bezahlten Leiharbeitskräfte. Bisher liegen die Löhne der Leiharbeitskräfte in der Praxis um bis zu 40 Prozent unter denen der Stammkräfte. Würde man dies auf Dauer zulassen, wäre es nur ein Anreiz zum Unterlaufen von Tarifbedingungen in den Betrieben. Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn die Bedingungen des Einsatzbetriebs von ersten Tag an gelten würden, aber das war nicht realistisch. Umso mehr erhoffe ich mir weitere Tarifverträge, um die Bedingungen auch in den ersten zwölf Monaten zu verbessern.

Was halten Sie von der jüngsten Initiative der Zeitarbeitsfirmen?

Ich bin erfreut, wenn Zeitarbeitsfirmen meinen, dass man auf Dauer keine Dumpinglöhne bieten kann - auch weil man so keine qualifizierten Arbeitskräfte halten kann. Eine so weit reichende Deregulierung, wie sich die Vertreter dieser Initiative vorstellen, kommt für uns nicht in Frage. Aber ich hoffe, dass das ein Angebot an die Gewerkschaften ist, Verhandlungen aufzunehmen.

Die Fragen stellte Dietrich Creutzburg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%