"Ich hatte einen perfekten kleinen Jungen"
US-Ehepaar zog Auftrag zum Klonen zurück

"Ich bin mit 38 Jahren Vater geworden und wurde mit einem perfekten kleinen Jungen gesegnet." Mit diesen Worten und einem außergewöhnlichen Wunsch trat der US-Bürger Mark Hunt im vergangenen Jahr an die französische Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier heran.

AFP Washington. Das langersehnte Kind war nach einer Herzoperation gestorben - und nun wollte er den kleinen Andrew klonen und auf diese Weise wieder zum Leben erwecken lassen. Überraschend zogen Hunt und seine Ehefrau jetzt ihren Klon-Auftrag jedoch zurück. Ihr Vorhaben sei ein großes Abenteuer gewesen, das sie bewusst geheim gehalten hätten, erzählte Hunt der Lokalzeitung "Sunday Gazette-Mail". Mit Berichten über ihr umstrittenes Vorhaben sei die der Raelianer-Sekte nahe stehende Wissenschaftlerin jedoch zu einem Medienstar geworden. Nach dem Medienrummel sei das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Andrew war nicht vollkommen gesund. Er kam mit einer seltenen Missbildung am Herzen zur Welt, die zehn Monate nach der Geburt eine Operation am offenen Herzen erforderlich machte. "Die Ärzte haben uns versichert, dass seine Überlebenschance 94 Prozent beträgt, aber nach 17-tägigem Kampf ist unser süßes Baby gestorben", erzählt Hunt. "Es gibt nichts Schlimmeres. Wir haben geweint, wir haben gebetet", erinnert er sich an die Zeit der Trauer und des Schmerzes. Schließlich kam das Paar auf die Idee, sein totes Kind zu klonen und "eine gesunde Kopie, einen Zwilling" produzieren zu lassen. "Wir haben uns entschieden, zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit den großen Abgrund des Todes zu überschreiten und unser Baby wieder nach Hause zu holen."

Hunt, Anwalt und ehemaliger Abgeordneter im US-Bundesstaat West Virginia, investierte nach eigenen Angaben 500.000 Dollar (224.000 Mark/434.000 Euro) in ein Geheimlabor, das Boisselier in einer alten Schule in Nitro im selben Bundesstaat aufbaute. Als die US-Behörden Ende Juni das Labor ausfindig machten, durchsuchten und Dokumente beschlagnahmten, ließ er die Schlösser auswechseln und gab seine Klon-Pläne auf. Die Wissenschaftlerin habe zu viele Interviews gegeben, kritisierte er. Außerdem sei nach der Entdeckung des Labors mit Bombenattentaten zu rechnen.

Die 44-jährige Boisselier ist wissenschaftliche Leiterin der Firma Clonaid, die von der Sekte der Raelianer einst zum Klonen von Tieren gegründet wurde. Gründer der Sekte ist der in Québec lebende ehemalige französische Journalist und Rennfahrer Claude Vorilhon. Nach Vorstellung der Sektenmitglieder landeten vor 25.000 Jahren Außerirdische in fliegenden Untertassen auf der Erde und erschufen Mensch, Tier und Pflanze durch Klontechnik aus toter Materie. Nach Ansicht der Raelianer ermöglicht Klonen den Menschen das ewige Leben.

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