„Ich kenne nur Fernweh“: Rudi Gutendorf jetzt „König von Samoa“

„Ich kenne nur Fernweh“
Rudi Gutendorf jetzt „König von Samoa“

"König Rudi" regiert das ferne Fußball-Reich von Samoa. Und auch auf seiner 55. Trainer-Station in mehr als 50 Jahren kann der Weltenbummler Rudi Gutendorf einen Superlativ vermelden. "Seit einer Woche bin ich in Samoa - weiter weg von zu Hause war ich wirklich noch nie. Selbst in Tonga oder Fidschi war ich näher dran an Deutschland", erzählt der Rheinländer.

HB/dpa APIA/HAMBURG. "Acht Wochen oder etwas länger" will der 76-Jährige den Kickern der Inselrepublik im Pazifik - mit 2900 Quadratkilometern etwa so groß wie Luxemburg - nun Beine machen. Nach dem ersten Trainer- Lehrgang wird sich der gebürtige Koblenzer vor allem um das künftige Olympia-Team, die U23, kümmern. "Da stellen sich in dieser Woche 40 junge Fußballer vor - 20 muss ich wieder heimschicken", so Gutendorf, der in dem Eiland mit knapp 200000 Einwohnern und zwei Fußball-Ligen alle Freiheiten genießt und glücklich ist.

"Ich kann machen, was ich will. Ich bin hier der König." Nicht nur bei den hohen Herren des Verbandes, sondern auch bei den Landsleuten, die als Touristen in die ehemalige deutsche Kolonie kommen. "Neulich hat ein Kreuzfahrtschiff mit 600 Deutschen angelegt", meint Gutendorf. "Die haben mich überfallen, die kannten mich und wollten Autogramme." Heimweh nach seiner Frau Marika und Sohn Fabian (13) hat der Weltenbummler (noch) nicht: "Heimweh? Ich kenne nur Fernweh."

Bei minus zehn Grad war er aus dem deutschen Winter abgereist, bei plus 35 Grad in Samoas Hauptstadt Apia gelandet. "Da muss man langsam machen", gibt Gutendorf zu, der sich im Hotel "Kitano Tusitala" einquartiert hat und vom Wasser des Pazifik und den Sandstränden Samoas schwärmt. "Das ist eine Weltsensation", behauptet der Globetrotter, "so etwas Schönes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen." Und er hat schon viel gesehen, schließlich war er auf allen fünf Kontinenten tätig.

Bei den Fußball-Exoten am 172. westlichen Längengrad unweit der Datumsgrenze will "Rudi Rastlos" als Entwicklungshelfer für kleine Fortschritte sorgen. "Ich muss bei den Wurzeln anfangen. Wir dürfen uns hier nicht an Europa orientieren", weiß der Fußball-Lehrer, der 1952 als Sepp-Herberger-Schüler das Diplom ablegte, damals jüngster lizenzierter Trainer in Deutschland war und 1997 das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Einen Namen hat der deutsche Fußball-Botschafter sogar am anderen Ende der Welt, besondere Meriten oder das große Geld kann er in Samoa aber nicht verdienen. "Ich habe mir nie die Rosinen rausgesucht, ich war auch immer bei den Ärmsten der Armen." Grenada, Fidschi, Nepal, Tansania, Simbabwe, Mauritius, Ruanda oder Peru sind nur einige "Fähnchen" auf Gutendorfs Fußball-Weltkarte. Erste Auslandsstation als Spielertrainer waren 1955 die Blue Stars Zürich, zu seinem ersten "offiziellen Auftrag" schickte ihn die Bundesregierung 1961 nach Tunesien.

Nun ist der "Weltrekordler" (Gutendorf über Gutendorf) in Samoa, in der FIFA-Weltrangliste derzeit die Nummer 162 unter 204 Ländern. "Wir sind nicht die Letzten und nicht die Schlechtesten." Auf diesen "feinen" Unterschied zum benachbarten Amerikanisch Samoa, Nummer 201, legt Gutendorf schon Wert. Und überhaupt: "Die haben in der WM- Qualifikation gegen Australien mit 0:31 verloren - wir nur 0:11."

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