„Ich mache die Schiffe auf“
Trockene Kneipentour

Schiffe aufmachen - so nennt Edward Rachny seinen Job. Der Bayer sorgt auf den Mega-Kreuzfahrtschiffen von Royal Caribbean vor der Jungfernfahrt dafür, dass die komplexe Technik der Bordgastronomie perfekt funktioniert.

Eine Tonne Beef, als Steaks portioniert, wandert pro Woche auf das feine Porzellan in den Großrestaurants, in denen gut 900 Menschen gleichzeitig tafeln können. 15 000 Eier werden am Tag verarbeitet - überwiegend zu Frühstücks-Spiegeleiern. Große Zahlen bieten die amerikanischen Mega-Kreuzfahrtschiffe reichlich. Auf der "Serenade of the Seas" beispielsweise, der schwimmenden Hotelburg, die vor einigen Wochen auf der Meyer-Werft in Papenburg vom Stapel lief, wird rund um die Uhr gebacken. Und in den Bordküchen schuften 140 Mann ihre 70-Stunden-Wochen, um 2 100 Passagiere und knapp 900 Mann Besatzung vom frühen Morgen bis tief in die Nacht kulinarisch bei Laune zu halten.

In der gewaltigen Maschinerie, die hinter den Superlativen steht, dreht Edward Rachny nicht nur ein großes Rad. Nein, weit mehr: Der 42-Jährige ist derjenige, der den gigantischen Versorgungsapparat in Gang setzt. In einem wochenlangen, nervenfordernden Prozess macht er die komplexe Bordtechnik in Küchen, Restaurants und Bars fit für den Einsatz. "Ich mache die Schiffe auf", nennt der gelernte und welterfahrene Küchenmeister aus dem niederbayerischen Straubing seinen Job. Den Kochlöffel hat er durch den Schraubenzieher ersetzt, und das Innenleben einer Kaffeemaschine ist ihm heute vertrauter als ein raffiniertes Rezept. Berufsbezeichnung: Startup-Manager. Arbeitsplatz: die Luxusliner der US-Reederei Royal Caribbean.

"Gerade im gastronomischen Bereich wird heutzutage unheimlich viel Technik eingebaut, und die muss vom ersten Tag an perfekt funktionieren, wenn die zahlenden Gäste an Bord kommen", erklärt Rachny die Aufgabe. Denn Premieren finden im Kreuzfahrt-Business ohne Generalproben statt. Und die für jedes Schiff neu zusammengewürfelte Crew muss ganz schnell die gesamte Bord-Infrastruktur beherrschen. Da ist kein Platz für Pleiten, Pech und Pannen.

"Wir gehen bis in die kleinsten Details", beschreibt der Startup-Manager. "Jede Wasserleitung wird getestet, jeder Knopf an den Kaffeemaschinen ausprobiert." Jeder Zapfhahn, jede Herdfunktion, jeder Kühlschrank, und, und, und ... Zum Programm gehört eine äußerst trockene, aber ausgedehnte Kneipentour: In den noch größeren Schiffen der von Royal Caribbean eingesetzten Voyager-Klasse, die über 3 000 Passagiere mitnehmen, gibt es 36 Bars, hat Rachny gezählt. "Die muss ich alle bis in die letzten Ecken nachschauen." Alles ist dann installiert - bis auf die Flaschen. Die kommen erst kurz vor den Gästen.



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