„Ich möchte an meine Ursprünge anknüpfen“
Jil Sander ist wieder Jil Sander

Auf 60 bis 70 Prozent beziffert die Hamburgerin den Anteil ihrer Handschrift an der Männerkollektion Frühjahr/Sommer 2004, die sie Anfang der Woche in Mailand präsentiert hat. Erst Ende Mai kehrte die Hamburger Designerin in das von ihr gegründete Unternehmen zurück, das sie im Jahr 2000 im Streit mit ihrem damals neuen Mehrheitsgesellschafter, dem Mailänder Modekonzern Prada, verlassen hatte.

HB/dpa MAILAND. "Ich habe alles aus der Kollektion genommen, was nicht zu mir passt, Neues hinzugefügt und so das ganze Bild Stück für Stück korrigiert", beschrieb die Hamburgerin (59) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Mailand ihre Arbeit der vergangenen fünf Wochen.

"Dass ich in der kurzen Zeit überhaupt noch so viel ändern konnte, verdanke ich auch meinem Atelier, dem meine Vorstellungen nach drei Jahren noch sehr vertraut waren", sagte sie weiter. Nach ihrem spektakulären Comeback hatte es Berichte über eine Art Aufbruchstimmung bei den Mitarbeitern gegeben. Die schon länger währende Krise im Haus schien plötzlich überwunden. Als die Modemacherin zurückkam, lief die Erstellung der Männerkollektion unter Kreativdirektor Milan Vukmirovic zwar schon auf Hochtouren. Doch nach zweieinhalb Jahren musste der das Zepter wieder der "Queen of the Less", der Königin minimalistischen Designs, übergeben. Aus ihrem Schatten hatte sich der Franzose nie lösen können. "Ich sitze nicht hier, um seine Arbeit zu kritisieren. Ich weiß, wie schwierig es ist, so eine Marke zu übernehmen", antwortet Jil Sander auf die Frage nach der Beurteilung ihres Nachfolgers, den sie jetzt wiederum abgelöst hat.

Vorsichtige Einwände gegen die Richtung, die Vukmirovic eingeschlagen hatte, erhebt sie nur indirekt. "Ich möchte an meine Ursprünge anknüpfen und mich innovativ weiterentwickeln, so als ob es dazwischen keine Pause gab." Anhand ihrer Modelle geht Jil Sander dann ganz praktisch ins Detail. "Weniger Reißverschlüsse, weniger Cargo-Formen, die lauten Farben mit gedeckten Tönen gedämpft, das Sportliche edel umgesetzt", so ordnet sie ihre Modelle ein. Und dann fallen die Worte, die beschreiben, warum ihre Kollektion jahrelang zu den wichtigsten überhaupt gehörte: "Klasse und Qualität".

Auf eine Modenschau hat Jil Sander zu ihrem Comeback verzichtet. Stattdessen empfing sie die Presse und Einkäufer drei Tage lang in ihrem Mailänder Showroom zu Einzelterminen. "Ich sehe in meiner Rückkehr keinen Anlass zu einem überschwänglichen Hipp Hipp Hurra", lautet die Begründung für den Verzicht auf das Blitzlichtgewitter. "Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Diese Form der Präsentation finde ich viel persönlicher."

Trotz der seit ihrem Abschied kursierenden Gerüchte über eine Rückkehr Jil Sanders in die Modewelt kam ihre Rückkehr ins einst eigene Haus für die Fachwelt überraschend. Kaum jemand hätte geglaubt, dass sich die für die exakte Umsetzung ihrer Visionen bekannte Designerin zum zweiten Mal auf eine Zusammenarbeit mit Patrizio Bertelli einlässt. Differenzen mit dem Prada-Chef, der 1999 die Kontrolle an ihrem Unternehmen übernommen hatte, waren seinerzeit der Grund für ihren Rückzug gewesen. Und wie verlief nun der Neustart? "Sehr positiv. Wir sind beide geläutert und haben uns viel Zeit genommen, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass es zu keinen Kollisionen mehr kommt." Ein Restzweifel jedoch bleibt: "Die absolute Garantie gibt es natürlich nie."

Anfang Oktober steht in Mailand die Präsentation ihrer Damenkollektion Frühjahr/Sommer 2004 auf dem Programm. Und statt 70 sollen es dann bereits 100 Prozent Jil Sander sein.

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