"Ich muss mich selber kneifen"
Comeback für Babbel bei Liverpool

Es war eine bewegende Begrüßung für Markus Babbel. Als der ehemalige deutsche Nationalverteidiger am Sonntag im englischen Supercup zwischen Arsenal London und dem FC Liverpool zwölf Minuten vor Schluss eingewechselt wurde, klatschten in Cardiffs Millenium Stadion alle 67 000 Zuschauer, ob nun Liverpooler Fans oder Arsenal-Anhänger.

HB LONDON. Fast ein Jahr lang hatte er kein Pflichtspiel mehr für den englischen Rekordmeister bestritten. Und sein Comeback feierte er ausgerechnet an jener Stätte, an der er vor einem Jahr die ersten Symptome der Eppstein-Barr-Viruserkrankung feststellte, welche später das Guillain-Barr-Syndrome auslöste.

"Ich muss mich manchmal kneifen, nach allem, was ich durchgemacht habe", kommentierte der ehemalige deutsche Nationalspieler die Ereignisse der vergangenen Monate. Die ersten Anzeichen vor einem Jahr in Cardiff hatte er falsch eingeschätzt: "Ich fühlte mich sehr müde nach dem Spiel, aber ich dachte, es hätte damit zu tun, dass das Dach des Millenium-Stadions geschlossen war."

Wer Babbel am Sonntag in Cardiff sah, hätte kaum glauben können, dass er vor neun Monaten in einem Rollstuhl saß, von den Knien abwärts gelähmt und gefühllos in den Händen und einer Hälfte des Gesichts. Nachdem er den Sommer in einer Rehabilitationsklinik in Deutschland verbracht hatte, muss der ehemalige Bayern-Spieler nun wieder in vielen Bereichen von vorne anfangen. "Mein Körper muss wieder lernen, mit den Anforderungen fertig zu werden. Ich muss auch das Timing für Kopfbälle wieder lernen. Aber es wird immer besser", erklärte Babbel.

Er war schwer beeindruckt, dass der FC Liverpool ihn während seiner Krankheit nie im Stich ließ. Assistenztrainer Phil Thompson und Coach Sammy Lee besuchten ihn regelmäßig: "Es muss sie wohl mehr schockiert haben, dass ich so zerbrechlich aussah, als mich. Aber es war großartig, dass sie mich nicht vergessen hatten. Liverpool bot mir sogar einen neuen Vertrag an. Dabei wusste keiner, ob ich je zurückkehren würde."

Aber auch die Fans hatten ihn in Erinnerung behalten. Als Babbel in der Vorbereitung gegen Lazio Rom eingesetzt wurde, bereiteten ihm die Anhänger auf der berühmt-berüchtigen Kop-Tribüne im Stadion an der Anfield Road einen derart lautstarken Empfang, dass er einen dicken Kloß im Hals hatte.

Wie viele Menschen, die ähnliche Schicksalschläge überstanden haben, betrachtet auch Babbel nun viele Dinge mit anderen Augen. "Ich genieße mein Leben mehr als zuvor. Wieder laufen zu können ist wunderbar", sagte Babbel, der seine Erfahrungen im Kampf gegen seine Krankheit an andere Leidende unter dem Guillain-Barr-Syndrom weitergibt. Darum wird er es wohl auch schneller verkraftet haben, dass der FC Liverpool den Supercup gegen Arsenal mit 0:1 verlor.

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