Ideale Bedingungen in Sibirien
Chanty Mansijsk freut sich auf ein Biathlon-Fest

Petrus scheint auch in Sibirien ein Freund der Skijäger zu sein. Vier Tage vor Beginn der Biathlon-Weltmeisterschaften hat in Chanty Mansijsk mit einem Temperatursprung von nachts minus 35 Grad Celsius auf nur noch geringen Frost knapp unter dem Gefrierpunkt in der vergangenen Woche der Frühling Einzug gehalten.

HB/dpa CHANTY MANSIJSK. Ähnliche Verhältnisse sagen die russischen Meteorologen für die nächsten Tage voraus. Der WM-Ort - rund 2 100 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Moskau hinter dem Ural gelegen - ist die Verwaltungsmetropole der sibirischen Erdöl- und Erdgas-Schätze. Rund eine Million Tonnen Erdöl werden täglich in der Region gefördert; dazu kommen ebenfalls siebenstellige Kubikmeter von Erdgas. Dabei warten noch fast 200 der 390 ausgewiesenen Förderfelder auf ihre Erschließung.

In der rund 40 000 Einwohner zählenden Stadt bilden Moderne und Primitivität einen starken Kontrast. Auf der einen Seite Glaspaläste, breite Straßen sowie jeweils mehr als 20 000 registrierte Pkws und Handys, auf der anderen Seite kaum befahrbare Schlammwege und altertümliche Holzkaten. Im Vorjahr wurde der 365. Gründungstag der westsibirischen Stadt gefeiert, die ihren Namen durch die Ureinwohner erhielt, die finnisch-ugrischen Volksstämme der Hansen und Mansen. Das waren und sind Jäger und Viehzüchter, natürlich im Winter auf Ski unterwegs. Insofern fühlen sich die Sibirier auch ein wenig als Erfinder des Biathlons.

Zar Peter I. schuf 1708 per Dekret die damals als Strafkolonie berüchtigte Sibirische Provinz. Seit 1977 hat sie den Status einer autonomen Region. Auf 535 000 Quadratkilometern - in etwa der Fläche von Frankreich - leben nur 1,4 Millionen Menschen. 92 Prozent von ihnen in den Städten, so dass die waldreiche und sumpfige Region am Zusammenfluss der beiden größten sibirischen Ströme Ob und Irtysch äußerst dünn besiedelt ist.

WM als Chance

Bei der Vorbereitung der ersten Weltmeisterschaften in einer olympischen Sportart spielte Geld keine entscheidende Rolle. Die Bezirks-Regierung um den sportbesessenen Gouverneur Alexandre Filipenko hat enorm viel in der Aufbau der Infrastruktur um das moderne und zweckmäßige Biathlon-Stadion für fast 20 000 Zuschauer direkt am Rande der Stadt investiert, das die Sportler direkt über eine Treppe vom Athleten-Hotel "Sieben Hügel" aus erreichen. "Wie viel bleibt unser Geheimnis", erklärt lächelnd der umtriebige Organisations-Chef Nikolai Bondarew. Sogar der Flughafen wurde völlig neu gebaut.

"Die WM ist für unsere Region sehr wichtig. Mindestens die gleiche Bedeutung haben die Anlagen aber für unseren Nachwuchs", betont Bondarew. Die früheren Olympiasieger Jurij Kaschkarow und Jewgeni Redkin stammen aus Chanty Mansijsk. Derzeit starten Wiktor Majgurow und Galina Kuklewa für den Biathlon-Club. In der örtlichen Sportschule werden mehr als 200 junge Biathleten ausgebildet. Außer dem Biathlon-Zentrum hat der populäre Gouverneur Filipenko ein weiteres Hobby, die Kirchen. Nach dem Ende der UdSSR ließ er die alte Kirche, die zu Stalins Zeiten geschlossen wurde, in frischem Glanz wieder einrichten. Neben seinem schweren Schreibtisch steht das Modell eines ganz neuen Gotteshauses. Vom Bürofenster aus kann der Gouverneur das Original wachsen sehen. Der Neubau mit sieben vergoldeten Zwiebeltürmen auf dem höchsten Hügel der Stadt wird die drittgrößte russisch-orthodoxe Kirche Gesamt-Russlands und soll weithin vom Wohlstand der Region künden.

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