Idee und Konsequenzen sollten aber reiflich überlegt werden
Es gibt immer gute Argumente für ein Sabbatical

Sie haben bereits ernsthaft mit dem Gedanken einer Unterbrechung Ihres Berufslebens gespielt? Womöglich haben Sie die Idee schon mit Freunden und vielleicht sogar mit Ihrem Arbeitgeber besprochen? Sind Sie in Ihrem Freundeskreis milde belächelt worden? Und haben Sie Ihren Übermut beim Chef mit der Unterstellung bezahlt, bereits geistige Ausfallerscheinungen zu signalisieren?

Obwohl die weltweite Krisensituation vordergründig nicht gerade der optimale Zeitpunkt für die Diskussion eines solchen Themas zu sein scheint - in einem Arbeitsmarktklima wie diesem sinkt ja selbst die krankheitsbedingte Fehlzeitenquote dramatisch -, möchte ich ein paar gute Argumente für das Sabbatical nennen. Und zwar sowohl hinsichtlich der sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen, die diesen in unserer Gesellschaft immer noch recht gewagten Schritt rechtfertigen, als auch im Hinblick auf die Persönlichkeit, die mit solch einer Ausnahmesituation umgehen und den gewünschten persönlichen Nutzen daraus ziehen kann. Vielleicht könnte das Sabbatical auch gerade in den jetzigen Zeiten ein interessantes personalwirtschaftliches Instrument werden, mit dem Kündigungen von später dringend gesuchten Fachleuten vermieden werden können.

Zunächst möchte ich jedoch mit der Beschreibung sinnvoller Ausgangssituationen beginnen, die die Entscheidung für ein Sabbatical als adäquate Lösung erscheinen lassen. Spontan fällt jedem zunächst das immer wieder zitierte Burn-out-Syndrom ein, das mit einem zeitweisen Ausstieg bekämpft werden soll. Ein Sabbatjahr, das meistens nicht ganz zwölf Monate dauert, entspricht meiner Ansicht nach als Antwort auf einen Überforderungszustand allerdings dann mehr einem ärztlich verordneten Kuraufenthalt, also der Heilung einer Krankheit. Ein Sabbatical als sinnvolle schöpferische Pause, und zwar nicht nur in Berufen, die Kreativität voraussetzen, hat eine völlig andere Funktion. Es hat auch nichts mit einem künstlich verlängerten Urlaub zu tun.

Eine selbstauferlegte Pause kann vielmehr dazu dienen, den nötigen Abstand zum Beispiel zwischen zwei Arbeitsverhältnisse zu legen. Das wird immer dann wichtig sein, wenn man sehr lange bei einem Unternehmen gewesen ist und nicht sicher ist, ob man sich überhaupt noch auf einen anderen Arbeitgeber einzustellen vermag.

Alle sieben Jahre ändern sie die Fähigkeiten und Interessen eines Menschen

Anlass für ein Sabbatical kann aber auch eine altersbedingt gravierende persönliche Umstellung von Interessen und Neigungen sein, die dazu führt, dass man sich ernsthaft überlegen muss, ob man noch im richtigen Einsatzgebiet tätig ist. Natürlich ist es wichtig, einen solchen, je nach Lebensalter unterschiedlich gravierenden Schritt, mit dem gebotenen Abstand vom Tagesgeschäft in jede Richtung gründlich zu überdenken. Das gilt ebenso für die Übernahme einer besonders herausfordernden Aufgabe. Es gibt einen recht interessanten theoretischen Ansatz: Etwa alle sieben Jahre ändern sich die Fähigkeiten und Interessen von Menschen, und dann wird es sehr wichtig, diese Fähigkeiten adäquat einzusetzen. Wer das nicht kann, verplempert seine Energie oder wird unzufrieden.

Selbstverständlich sind schwere Erschöpfungszustände ebenfalls ein mehr als legitimer Auslöser für ein Sabbatical. Doch benötigt man dann mindestens die Hälfte der Zeit, um sich körperlich zu regenerieren. Erst dann kann man den Akku Psyche zukunftsorientiert wieder aufladen.

Ebenso wichtig für die innere Ausgewogenheit eines Menschen kann die rechtzeitige Erfüllung eines Traumes sein: die Weltumsegelung, die man nach der Pensionierung wohl nicht mehr in Angriff nimmt, der man aber lebenslänglich nachtrauern würde; die Rucksack-Reise in ein fernes Land; die Hochgebirgstour. Oder auch die erste oder letzte Phase einer Promotion, das Buch, das man immer schon mal schreiben wollte, die Fremdsprache, die man immer mal im Land lernen wollte; einfach der Beweis für sich selbst, dass man etwas Ersehntes in die Tat umsetzen kann.

Standfestes Gerüst von Argumenten für Sabbatjahr ist wichtig

Wichtig bei all diesen individuell unterschiedlichen Motiven ist, dass derjenige, der ins Sabbatjahr geht, sich Idee und Konsequenzen reiflich überlegt hat. Das heißt nicht, dass es sich in jedem Fall um die Realisierung eines Traumes handelt, aber es muss ein standfestes Gerüst von Argumenten geben, weniger, um den Vorgesetzten zu überzeugen, mehr, um für sich selbst eine tragfähige Basis zu schaffen. Auf keinen Fall darf nach einer Woche Genuss schon die Katerstimmung über die relative Beschäftigungslosigkeit einsetzen - weil man eben doch nicht das tut, wozu man angetreten ist. Konkret: Ich muss mir über das, was ich in dieser Zeit machen und erreichen will, einen ähnlichen Plan machen, wie ich dies im Beruf tue. Auch ein Sabbatical hat - gerade wegen der ungewohnten Freiheit - mit Disziplin zu tun. Ich muss mir darüber im Klaren sein, dass ich in dieser Zeit hauptsächlich mich als Vorgesetzten, Mentor, Kritiker, Trainer habe. Und ich muss das Rückgrat für all diese Rollen besitzen.

Das Sabbatical dient nicht nur der körperlichen, sondern einer gewissen geistigen Gesundheit, die es Menschen ermöglicht, Kollegen, Vorgesetzten, Geschäftspartnern, Freunden etwas von ihrer Kraft abgeben zu können. Zur Argumentation pro Sabbatical gehört Mut. Aber warum sollten Sie nicht gerade diese schwierigen Zeiten für einen lange gehegten Traum nutzen - mit weniger schlechtem Gewissen?

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