Identifizierung des SARS-Erregers läuft auf Hochtouren
Forscher haben zwei Viren in Verdacht

Ärzte haben die in Deutschland bisher bekannt gewordenen vier Fälle des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (SARS) offenbar im Griff - alle Patienten sind außer Lebensgefahr. Ein 32-jähriger Arzt aus Singapur, der am 16. März mit einem Flugzeug nach Frankfurt gereist war, ist ebenso auf dem Weg der Besserung wie seine Ehefrau und seine Schwiegermutter.

bia/Reuters DÜSSELDORF. Auch der Zustand des 72-jährigen Arztes, der im Klinikum München-Schwabing liegt, hat sich verbessert. Unklar ist, ob ein vorgestern mit SARS-Symptomen in ein Kölner Krankenhaus eingelieferter Taiwanese tatsächlich infiziert ist. Er hielt sich mit einer Reisegruppe in der Domstadt auf.

Entwarnung gibt Hans Reinhard Brodt, Leiter der Isolierstation der Frankfurter Uniklinik, noch nicht. "Die Hauptaufgabe besteht nun darin, die Erkrankung klar zu definieren und Kriterien für die Diagnose des SARS und die Entlassung Betroffener zu entwickeln", sagt er.

Bei der Suche nach dem Krankheitsauslöser der hoch ansteckenden Lungenentzündung sind die Wissenschaftler einen Schritt weiter. Virologen aus Deutschland und den USA fanden bei SARS-Patienten Spuren des so genannten Coronavirus. Dabei handelt es sich um eine genetisch veränderte Variante des gewöhnlichen Erkältungsvirus. Der neu entdeckte Erreger sei vermutlich von einem Tier auf den Menschen übergetreten, erklärt Bernhard Fleischer vom Hamburger Institut für Tropenmedizin. Während der Erreger beim Tier harmlose Erkältungen auslöse, könne er für den Menschen tödlich sein.

Rasche Identifizierung des Krankheitserregers

Hongkonger Mikrobiologen entwickelten einen Test, mit dem eine Infektion mit dem neuen Erreger innerhalb von acht Stunden festzustellen sein soll. Der Erreger werde nicht nur durch Niesen und Husten übertragen, sagte Biologe Malik Peirius. Er hafte bis zu drei Stunden an den Gegenständen, die die von infizierten Personen benutzt worden seien.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO reagierte zurückhaltend auf die Entdeckungen. Klaus Stöhr, der die Arbeit der Virologen bei der WHO koordiniert, zeigte sich "etwas verwirrt, weil wir es nun nicht nur mit einem, sondern mit zwei Erregern zu tun haben". Für die Fachleute ist nach bisherigem Sachstand noch nicht klar, ob die Erkrankung durch das Zusammenwirken dieser beiden Erreger entsteht.

Die rasche Identifizierung des Krankheitserregers zeigt jedoch, wie effizient die Arbeit der Virologen in den vorigen Jahren geworden ist: Während die Biologen einst vier Jahre brauchten, um das gefährliche Aids-Virus zu finden, waren es bei SARS nur wenige Wochen. Der Grund: Die WHO koordiniert die Zusammenarbeit von elf bedeutenden Laboren aus aller Welt.

Krankheitsverlauf

Die Symptome der Lungenentzündung SARS sind rasch ansteigendes, hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Rachenrötung, trockener Husten, Atembeschwerden sowie Durchfall. Die Inkubationszeit, das heißt die Zeit von der Erregeraufnahme bis zur Erkrankung, beträgt etwa zwei bis sieben Tage. Der Erreger wird vermutlich über eine Tröpfcheninfektion verbreitet: Eine Ansteckung kann beim Ausatmen oder Husten erfolgen. Es dürfte Jahre dauern, einen passenden Impfstoff zu entwickeln - allein wegen der Zulassung. Derzeit prüfen die Mediziner, ob Medikamente, die es gegen verschiedene Virenerkrankungen gibt, auch gegen SARS helfen.

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