Identitätschaos
Das Männerbild wird immer diffuser

Wie ist er denn nun, "der Mann"? Lad, Metrosex-Mann, e-Man, Ironic-Man und Care-Man - den Mann als solchen gibt es offenbar nicht mehr. Dem männlichen Geschlecht droht der Identitätsverlust und der Gesellschaft fehlt allmählich der Überblick.

HB HAMBURG. In der Männerwelt wird es langsam unübersichtlich. Vor drei Jahren war noch viel vom neuen Macho, wie dem aus England stammenden, Bierdosen hortenden "Lad", die Rede. In diesem Sommer sorgte der weichgespülte "Metrosex-Mann" für Gesprächsstoff. Daneben haben Trendforscher den "e-Man", den "Ironic-Man" und den "Care-Man" ausgemacht. Überhaupt: Männer sind mal wieder auf der Suche nach sich selbst, heißt es. Sie sind "die Problemzonen der postindustriellen Gesellschaft", wie das Zukunftsinstitut (Kelkheim) meint. Doch was steckt hinter als diesen angeblich neuen Männertypen?

Lieber in die Galerie als zum Fußball

Er cremt und pflegt sich, geht lieber in Galerien als zum Fußball - und ist nicht schwul: Der Metrosex-Mann war Liebling der Medien. Jeder, der ein rosa Hemd besitzt, gehöre zu dieser Gattung, schrieben die einen. Satiriker Harald Schmidt meinte schlicht, der Metrosex- Mann sei ein Mann, der sich wäscht. Als Stil-Ikone gilt Fußballer David Beckham, der zur Maniküre geht, ständig seine Frisur wechselt und angeblich die Unterwäsche seiner Frau trägt. Aber gibt es den Metrosex-Mann wirklich? Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft hält ihn für ein "gesellschaftliches Randphänomen".

Erste Anzeichen der "Mannzipation"

Das Zukunftsinstitut hat im Geschlechterkampf erste Anzeichen der "Mannzipation" beobachtet: Männer werden demnach zu "taktischen Ego- Samplern, die mit Ironie, cleverer Nischenbesetzung und Lobbying um neue Spielräume kämpfen". Comedy-Formate sind Sache des "Ironic-Man", gern auch gepaart mit Toiletten-Humor. "Schlechter Geschmack kommt an bei den männlichen Frustsingles zwischen 25 und 40 Jahren", meinen die Trendforscher. Der "e-Man" ist Weltmeister beim Surfen im Internet; und dann zählen laut einer Studie des Magazins "GQ" auch noch die "leisen Weisen" und die "galanten Gönner" zu den Leitbildern.

Der Care-Mann entdeckt die Andropause für sich

Gesundheit und Wellness könnten immer mehr zur Männersache werden, da sind sich Experten einig. Der "Care-Man" hat sogar die männliche Form der Wechseljahre, die "Andropause", für sich entdeckt. Es sei unverkennbar, dass sich Männer stärker um ihr Aussehen kümmern - "entweder um sich von der Masse abzuheben oder aus einer selbstbewussten Hinwendung zur eigenen Körperästhetik", sagt Nickel. Dazu passt, dass viele junge Männer sich die Körperbehaarung rasieren, wie zum Beispiel auf den Aufklärungsseiten in der Zeitschrift "Bravo" zu sehen ist.

Es gibt kaum noch den Trendtypen

Hinter all den Kategorien steckt wohl das Bedürfnis der Werbung, Lebensstilgruppen einzufangen und nicht den Mann abzubilden, den es in Wirklichkeit gibt. "Der Trend ist, dass es den Typentrend kaum noch gibt", glaubt Nickel. Entsprechend zeigt die Werbung je nach Produkt das entsprechende Männerbild: der androgyne 70er-Jahre-Look für das Parfüm, der liebevolle Familienvater für den Pudding. Die "Süddeutsche Zeitung" beobachtete im vergangenen Jahr eine "Weichkeks-Flut" in der Bekleidungsindustrie. Die Diagnose: "Soft sells".

Leistung, Härte, Konkurrenz und Pokerface

Nach Ansicht des Männerforschers Walter Hollstein, der im Herbst ein Buch über "Geschlechterdemokratie" veröffentlicht, ist in der rauen Wirklichkeit mitnichten ein neuer Typ in Sicht. "Der verfügbare Platz für Karriere und Aufstieg wird für Männer immer weniger." Der Berliner Soziologieprofessor glaubt nicht an den Metrosex-Mann, sondern denkt, dass immer noch die traditionelle Männlichkeit dominiert: "Leistung, Härte, Konkurrenz und Pokerface".

Seiten zum Thema Mann

www.maennerseiten.de

, www.mamas-klassiker.de, www.zukunftsinstitut.de, www.gq-magazin.de/gq/index.php, www.trendbuero.de/trend/index_flashenabled.php

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